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Dienstag, 13. Oktober 2020

NEU, Mist, die versteht mich ja ! Roman

Orlanda
FLORENCE  BROKOWSKI-SHEKETE
 
MIST,  DIE  VERSTEHT  MICH  JA!
Aus dem Leben einer Schwarzen Deutschen
Roman
 
Die kleine Florence, geboren in Hamburg als Kind nigerianischer Eltern, wird Ende der 60er-Jahre in Buxtehude von einer alleinstehenden Frau in Pflege genommen. Mit neun Jahren nehmen die Eltern sie mit nach Lagos, in ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht, dessen Kultur ihr fremd ist, zu einer Familie, die sie nicht kennt. Durch das beherzte Eingreifen einer Lehrerin schafft sie es zurück nach Deutschland und macht dort ihren Weg …
 
In ihrer Autobiografie beschreibt die Autorin mit einer guten Prise Humor die Erlebnisse einer Schwarzen Frau in einer weißen Gesellschaft, den schmalen Grat zwischen witzigen Anekdoten und unschönem Alltagsrassismus, zwischen der Herausforderung, Brücken zu bauen, und der Grenzen zu setzen, zwischen Integration und Identitätsfindung, zwischen Beruf und dem Muttersein als Alleinerziehende – kurz: die Lebensgeschichte einer beeindruckenden Frau.
 
 „Ein Mensch mit einer anderen Hautfarbe muss einfach woanders herkommen, die Sprache nicht verstehen und auch sonst kulturell anders gestrickt sein. Anders kann es einfach nicht sein, sonst würde das Weltbild einiger erschüttert.“
 
Autorin:
Florence Brokowski-Shekete ist Schulamtsdirektorin in Baden-Württemberg, als erste Schwarze in Deutschland. Sie ist Gründerin der Agentur FBS intercultural communication, bei der sie seit 1997 als freie Beraterin, Coach und Trainerin tätig ist. Sie arbeitete als Lehrerin, Schulleiterin und Schulrätin. Und sie mischt sich ein und setzt Grenzen, wenn sie auf Alltagsrassismus stößt. (Verlagstext)
 
Florence Brokowski-Shekete
Mist, die versteht mich ja!
Klappenbroschur
250 Seiten
1.Auflage 2020
Euro 22,00 inkl. MwSt.   jetzt kaufen

weitere Informationen unter: Florence Brokowski-Shekete

Dienstag, 14. Juli 2020

Rezension: Afrika, in Ketten

Die andere Bibliothek
Rezension

ALBERT  LONDRES

AFRIKA,  IN  KETTEN


Albert Londres (1884 - 1032) sieht sich als „Reporter und nichts als das“.
Umso erschütterter ist er über die Reaktionen, die seine Reportagen über Westafrika in der Zeitung „Le Petit Parisien“ und sein Buch auslösten. 1928 war er vier Monate in den französischen Kolonien unterwegs und jeden Tag wurden seine Berichte auf der Titelseite veröffentlicht.
Er wurde beschimpft als gemeiner Journalist, Verächter Frankreichs, Lügner, Verräter, Zuhälter, Mestize u.a.
Und dies, obwohl er seinen Beruf als investigativer Journalist auf der „Suche nach der Wahrheit“ sieht und nicht „darin, jemanden nach dem Munde zu reden“.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Schwarz und weiß. Die Wahrheit über Afrika besteht aus der Einleitung, 28 Kapitel und einem Epilog, in dem er seine Erkenntnisse zusammenfasst. Der zweite Teil, Hätte Dante das gesehen, beschreibt die Situation in den nordafrikanischen Straflagern.

Die Suche nach der Wahrheit führte Albert Londres 1928 nach Französisch-Westafrika. In Dakar (Senegal) ging er an Land und reiste mit dem Zug nach Bamako. Von dort nach Timbuktu, mit dem Schiff auf dem Niger nach Mopti (alle Mali), nach Ouagadougou, Bobo Diolassu (beide heute Burkina Faso), weiter auf neuen, von Westafrikanern gebauten Straßen zur Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) und Dahomey (heute Benin). Mit dem Schiff ging es weiter nach Gabun und Kongo, das später Zaire und heute Republik Kongo heißt.

Im Kongo wollte sich Londres über den Fortschritt des Baus der „Kongo-Ozean-Bahn“ informieren und erlebte eine Tragödie. Die Bahn sollte den Hafen Pointe-Noire mit der Hauptstadt Brazzaville (502 km) verbinden. Bislang mussten Reisende über das belgische Kongo einreisen, (eine „Zumutung“ für Franzosen!) um in den französischen Kongo zu gelangen.

Auf dieser viermonatigen Reise erfuhr er den tatsächlichen Zustand der Kolonie, der in offiziellen Berichten des Kolonialministeriums als „auf das Beste bestellt“ zu optimistisch dargestellt wurde. Obwohl er nicht gegen den Kolonialismus an sich war, deckte Londres die Tatsachen vor Ort auf und bemerkte, dass „wir nur versuchsweise zivilisieren“ und dass die „Schuldigen im Mutterland und nicht in den Kolonien zu suchen seien“.

Auf seinem Weg vom Senegal zum Kongo erlebte und sah Albert Londres die Wirklichkeit des Zustandes der Kolonien und war entsetzt, aufgebracht, erschüttert, entrüstet, wütend.
Bei einer früheren Reise wurde ihm der Ausstieg in Dakar verwehrt, weil dort das Gelbfieber ausgebrochen war. Da diese Nachricht gar nicht in Frankreich ankam, wusste niemand von den vielen Opfern der Krankheit und es wurden keine Medikamente geschickt.
1928 wurde er gleich belehrt als er einen Träger anmieten wollte: „Träger ? … Sie haben wohl den Größenwahn ? Im Senegal sind die Schwarzen keine Träger, sondern Wähler“ !! (Ein Fortschritt)
Das neue Postgebäude war fertig gebaut, aber wo sind die Leute in den Cafés, die alten Terrassen vor den Cafés waren leer oder verschwunden - eine Vorsichtsmaßnahme, man hatte noch Angst vor dem Gelbfieber.

Offiziell war die Sklaverei abgeschafft, aber noch 1928 stand in den Zeitungen, dass England in Sierra Leone 230.000 Sklaven freigelassen hat. Diese Engländer! - doch auch Spanien, Portugal und Belgien hatten noch Sklaven und überhaupt „gab es nichts anderes als Sklaven in den Kolonien“, stellte Londres erschüttert fest. Nur jetzt zahlten sie Steuern, ohne die Frankreich nicht überleben würde (so ähnlich bis heute). Jetzt wurden die Afrikaner als Arbeiter eingesetzt und ausgebeutet für den Straßen-, Kanal- und Eisenbahnbau. Anstatt Maschinen für den Bau einzusetzen (wie es die Engländer machten), die Geld kosteten, wurden lieber Afrikaner geschunden, bis sie tot umfielen - Bananenmotor statt Dieselmotor! Das war billiger, denn an Menschen fehlte es nicht. Wer konnte, rettete sich in die englischen Kolonien, wo es angeblich besser war. („In Afrika dienen alle.“)
Immer wieder zeichnete der Reporter dieses Bild, egal wo er hinkam, die Opfer waren gewaltig.

Das aktuelle Projekt, das Londres selbst sehen wollte und nicht, wie sein Landsmann André Gide nur darüber schrieb, ohne es gesehen zu haben, war der Bau der „Kongo-Ozean-Bahn“, der Tragödie, die den französischen Zeitungsleser die Realität der Kolonien vor Augen führte. „Das große Sterben“ für 502 Kilometer! Aus den kolonisierten Ländereien wurden die Männer zusammengezogen. Sie wurden nicht per Bahn, Lastwagen oder Schiff nach Kongo gebracht, sondern mussten zu Fuß durch die afrikanische Hitze gehen. Von 8000 geforderten Männern kamen nur 1700 an. Um den Verlust zu ersetzen, wurden wieder Leute in den Dörfern rekrutiert, aber die Männer flohen vorher schon. Von den 500 km waren erst 200 km fertig und schon 17.000 Menschen gestorben !!!
Kein Wunder, dass rund 3 Millionen Afrikaner vor den desaströsen Arbeitsmethoden aus den französischen Kolonien flohen.

Ein, bis heute aktuelles Thema, ist das (illegale) Holzfällen in den afrikanischen Regenwäldern. Die Tropenhölzer wurden 1928 von Hand aus dem dichten Wald herausgezogen. “Ich folgte den Schreien und sehe Entsetzliches: Hundert nackte, an einen Baumstamm angeseilte Schwarze versuchen diese fortzuziehen. …. Der Aufseher schlägt den Takt dazu mit seiner Pfeife.“

„Trotzdem wird in der ganzen Welt behauptet, dass es keine Sklavenhändler mehr gibt.“

Albert Londres traf viele Franzosen, die in die Kolonien versetzt wurden und so schnell wie möglich wieder zurück wollten, andere, die Geschäfte aller Art abwickelten und sogar welche, die Westafrika gar nicht mehr verlassen wollten. Auch über sie berichtet er in diesem Buch.

Im Epilog des ersten Teils fasst Albert Londres anschaulich die Methoden Frankreichs zusammen und lässt eine überraschte Leserschaft zurück, die von den kolonialen Machenschaften nichts wusste (oder wissen wollte), denn offiziell wurden die entsetzlichen Dinge, die der Journalist aufdeckte und den rund 2 Millionen Lesern des Petit Parisien täglich auf der ersten Seite präsentierte, unter den Teppich gekehrt und bei offiziellen Besuchen von „Politikern oder bedeutenden Reisenden gutes Essen serviert“  und nichts vom eigentlichen Zustand der Kolonien gezeigt, dessen Verantwortung allein das französische Mutterland trägt.


Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Zustand der Straflager des Militärs in Marokko, Algerien und Tunesien, genannt Biribi.
In diesen Straflagern waren rund 3500 Verurteilte, manche unschuldig, die meisten schuldig. Sie kamen aus dem  afrikanischen Bataillonen, dem französischen Korps, der Rheinarmee, der syrischen Armee und dem chinesischen Regiment. Ihre Vergehen: „Desertion, Waffenverweigerung, mutwillige Beschädigung von Kleidung, Diebstahl, Übergriffe auf Personen, Ungehorsam, Beleidigung von Vorgesetzten.“ Die größte Macht über diese Gefangenen hatten die Unteroffiziere, Feldwebel oder Hauptfeldwebel, die ihre Launen an den Gefangenen ausließen. Albert Londres lässt die Insassen zu Wort kommen und zeigt die Verwahrlosung in den Lagern.

Ein Nachwort haben Irene Albers und Wolfgang Struck geschrieben. Am Ende ist eine Titelseite der Zeitung „Le Petit Parisien“ abgedruckt.

Autor
Albert Londres (1884–1932) war ein französischer Journalist. Im ersten Weltkrieg berichtete er für die Zeitschrift „Le Matin“ als Kriegsberichterstatter, für andere Tageszeitungen und das vielgelesene „Le Petit Journal“, womit seine Bekanntheit zunahm. Bereits 1923 berichtete Londres über den Rassismus in Guyana.  
Von Albert Londres’ Ruhm zeugt in Frankreich bis heute der nach ihm benannte Journalismuspreis, der renommierteste des Landes, der alljährlich für die beste Reportage vergeben wird. In der Anderen Bibliothek erschien von ihm: Ein Reporter und nichts als das (Band 348).

Fazit:
Ein überaus interessantes Buch, das Tatsachen aufdeckt, die wohl in jeder Kolonie üblich waren. Gerade jetzt, wo die Diskussionen über Rassismus und Kolonialismus zunehmen, trägt es zur Information und Aufklärung bei.
Das Thema des Kolonialismus ist so brisant, dass 2005 der damalige Präsident Nicolas Sarkozy versuchte „per Gesetz eine positive Darstellung des französischen Kolonialismus in  Schulbüchern [zu] verordnen.“ Absolut lesenswert.


Samstag, 6. Juni 2020

Nigeria zwischen Demokratisierung, Terror und Staatsversagen

Brandes Apsel

HEINRICH  BERGSTRESSER

NIGERIA
Die IV. Republik zwischen Demokratisierung, Terror und Staatsversagen (1999–2017)
              
Der weltweit größte christlich-islamische Staat, das bevölkerungsreichste und konsumkräftigste Land Afrikas, die größte afrikanische Diaspora in Übersee und die nominell größte Volkswirtschaft des Kontinents mit ihren enormen Erdöl- und riesigen Erdgasvorkommen beherbergt inmitten weit verbreiteter bitterer Armut die mit Abstand größte Zahl von Millionären, Milliardären und Wohlhabenden in Afrika.

Im Windschatten der Wirtschaftsmetropole Lagos, die sich anschickt, zu Afrikas führender Wirtschaftsregion aufzusteigen, verfolgt ein Großteil der nigerianischen Eliten einen radikalen neo-liberalen Diskurs. Trotz endemischer Korruption, organisierter Kriminalität, gewalttätiger Milizen, Ethnizität und islamistischem Terror, lassen sie sich nicht von diesem Kurs abbringen.
Unterstützung finden sie in den demokratisch legitimierten Institutionen Nigerias, die weitaus stabiler sind als gemeinhin angenommen, eine der vielen Facetten und extremen Gegensätze, die das Buch offenlegt.

Autor:
Heinrich Bergstresser, geb. 1949, Studium der Politikwissenschaft und Afrikanistik in Hamburg, langjähriger Redakteur bei der Deutschen Welle in Köln und Bonn. Viele Berichte, Reportagen und Features über Nigeria und andere afrikanische Staaten sowie über die Medienentwicklung in Afrika. Bei Brandes & Apsel sind erschienen: Nigeria – Macht und Ohnmacht am Golf von Guinea sowie Nigeria – Die IV. Republik zwischen Demokratisierung, Terror und Staatsversagen (1999–2017). Freier wissenschaftlicher Mitarbeiter beim GIGA und Trainer bei der AIZ (GIZ), Bonn-Röttgen. Arbeitet als freier wissenschaftlicher Autor und Journalist.
(Verlagstext)


Heinrich Bergstresser
Nigeria
Paperback
Format 15,5 x 23,5 cm
260 Seiten
1. Auflage 2018
Euro 24,90 inkl. MwSt.   Buch kaufen


Donnerstag, 4. Juni 2020

NEU: Afrika, in Ketten

Die Andere Bibliothek

ALBERT  LONDRES

AFRIKA, IN  KETTEN
Reportagen aus den Kolonien

Die Geschichte des Kolonialismus in Afrika holt uns immer wieder ein: in Gestalt von Flucht und Migration oder im Streit um die Rückgabe von Kulturgütern.
Mit dem großen Reporter Albert Londres schauen wir auf das französische West- und Nordafrika in den 1920er-Jahren.

Afrika, in Ketten versammelt zwei Berichte aus dem französischen Kolonialreich: In »Schwarz und Weiß« bereist Londres Französisch-West- und Äquatorialafrika, sein Weg führt ihn von Dakar über Bamako und Timbuktu im Westen nach Niger und weiter in den Sudan, bis er im Kongo den Äquator überquert. Sein Gegenstand ist das Leben der weißen »Staatsbürger Frankreichs« und der schwarzen »Untertanen« in den sogenannten Überseegebieten, die willkürliche Rechtsprechung der Kolonialverwalter und die Geschicke der zahllosen Glücksritter, die fern von Europa zu schnellem Reichtum zu gelangen versuchen. 1928, genau achtzig Jahre nach der Ächtung der Sklaverei in Frankreich 1848, zeigt Londres: Das Herrschaftsverhältnis von Herr und Knecht ist intakter denn je.

Sein literarischer Journalismus ist für die französische Öffentlichkeit skandalös. Während die Pariser Boulevards sich an exotischen Kolonialwaren und Kakao- Reklametafeln erfreuen, sich an der Idee der Zivilisierung der Einheimischen und an der eigenen Wohltäterschaft erheben, präsentiert Londres die echte, die zynische Perspektive der Kolonisatoren; so beim Bau der »Kongo-Ozean-Bahn«, bei der das »Negermaterial« noch weniger wert ist als bloßes »Menschenmaterial«.

In »Biribi« besieht Londres die Strafkompanien in Französisch- Nordafrika, die er 1924 besuchte. Ihr Name leitet sich ab vom französischen Glückspiel Biribi: Der Bankvorteil ist enorm, die Wahrscheinlichkeit des Gewinns verschwindend gering, der Einsatz – das Leben.

In Biribi sitzen sie ein: Straffällige aus den in Afrika für den Ersten Weltkrieg rekrutierten Truppen Frankreichs, aus dem China-Regiment, aber auch noch die letzten Lebenden aus der Rheinarmee, die 1870/71 im Deutsch-Französischen Krieg kämpften. Ihre Vergehen: Desertion, Fahnenflucht, »Feigheit vor dem Feind«, »Wehrkraftzersetzung«, Befehlsverweigerung, Beleidigung von Vorgesetzten. Diese Zwangsarbeiter bis zum Tode nennt man Untote – sie bewohnen die Unterwelt von Biribi zahlreich.

In diese Hölle, in der mittelalterliche Strafen erlitten werden, steigt Londres hinab und kann mit Recht sagen: »Dante hat gar nichts gesehen.«

Autor
Von Albert Londres’ (1884–1932) Ruhm zeugt in Frankreich bis heute der nach ihm benannte Journalismuspreis, der renommierteste des Landes, der alljährlich für die beste Reportage vergeben wird. In der Anderen Bibliothek erschien von ihm: Ein Reporter und nichts als das (Band 348).

Aus dem Französischen von Petra Bail und Yvan Goll, mit einem Nachwort von Irene Albers und Wolfgang Struck.
(Verlagstext)

Albert Londres
Afrika, in Ketten
Buchgestaltung: Nicole Pfeiffer, Hamburg. Einband aus metallisch durchsetztem Naturmaterial
Bandnummer: 424
376 Seiten
Euro 44,00 inkl. MwSt.    Buch kaufen



Dienstag, 2. Juni 2020

Expeditionen nach Westafrika

Edition Erdmann

PIERRE  SAVORGNAN  DE  BRAZZA

EXPEDITIONEN  IN  WESTAFRIKA
Vom Ogowé zum Kongo. 1875 - 1886

Es ist ein Schlüsselmoment im Wettlauf europäischer Mächte um den Zugriff auf afrikanische Gebiete und Wasserwege am Äquator: Henry Morton Stanley, ein Journalist und skrupelloser Selfmademan, bahnt für den belgischen König mit Gewehr und Dynamit eilig einen Weg entlang des Kongo ins Landesinnere.

Währenddessen erkundet Pierre Savorgnan de Brazza, venezianischer Adeliger und Offizier, entflammt für Abenteuer und die Werte der französischen Republik, zwischen 1874 und 1882 bedächtig den nördlich des Kongo fließenden Ogowe. Unter der französischen Flagge befreit er Sklaven, schließt Freundschaftsverträge und Koalitionen mit Einheimischen. Er verspricht Wohlstand und Frieden. Dann findet er einen schiffbaren Zufluss des Kongo und kommt an dessen Nordufer Stanley zuvor.

Seine erstmals ins Deutsche übersetzten Vorträge und Briefe berichten von de Brazzas Expeditionen und seinem vergeblichen Versuch unter französischer Flagge einen friedlichen Handel zu etablieren.

Autor
Pierre Savorgnan de Brazza (1852-1905) wurde in Rom geboren und gehörte einem italienischen Adelsgeschlecht an. Schon früh faszinierten ihn die zahlreichen Karten und Reiseberichte der Familienbibliothek. Er absolvierte die französische Marineschule und nahm die französische Staatsbürgerschaft an, bevor er im Alter von 20 Jahren zum ersten Mal nach Afrika reiste. Dort führte er mehrere Expeditionen ins Gebiet der heutigen Staaten Gabun und Republik Kongo durch, gründete die Militärposten Franceville und Brazzaville und war von 1886 bis 1898 Generalkommissar von Französisch-Kongo.

Übersetzung
Esther von Osten studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Geschichte in Berlin und Paris. Sie unterrichtete am Peter Szondi-Institut der FU Berlin und ist seit 2011 freiberufliche Übersetzerin. Sie übersetzte u.a. Werke von Jean-Luc Nancy, Hélène Cixous, Jacques Derrida und Georges Didi-Hubermann.

Übersetzung
Anja Streiter  
(Verlagstext)
  

Pierre Savorgnan de Brazza   
Expeditionen in Westafrika
Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen, bedrucktes Vorsatzpapier
mit schwarz-weiß Abbildungen und Karten
Format: 21 x 13 cm
296 Seiten
Deutsche Erstausgabe erschienen 2016
Euro 24,00 inkl. MwSt.   Buch kaufen



Reisen zu den Timannis, Kurankos und Sulimas in Westafrika

Edition Erdmann

ALEXANDER  GORDON  LAING

REISEN  ZU  DEN  TIMANNIS,  KURANKOS  und  SULIMAS  in  WESTAFRIKA 1822 - 1823

Als der Schotte Alexander Gordon Laing im Jahre 1822 als Adjutant nach Sierra Leone versetzt wird, ist das Gebiet an der afrikanischen Westküste von Europäern noch weitgehend unerschlossen. 
Vom Gouverneur Sir Charles McCarthy erhält er den Auftrag, die Gebiete des heutigen Staates Sierra Leone nach Handelsmöglichkeiten zu erkunden und besser auszukundschaften. 

Bei seiner Erkundung der Länder der Mandinkas, Timannis - den heutigen Temne - und Kurankos gelingt es ihm die Quelle des Rokel, des größten Flusses Sierra Leones, zu bestimmen. So erschrocken wie die Einheimischen über den Besuch eines Weißen sind, so empfindet Laing bezüglich des dort vorherrschenden Menschenhandels. 

Er reist weiter nach Sulima. Eines seiner Ziele ist es, das Rätsel um den Verlauf des Niger zu lösen. Doch in Sulima angekommen, verwehren ihm die Einheimischen die Weiterreise…

Autor 
Alexander Gordon Laing (1793-1826) wurde in Edinburgh geboren und schlug eine Offizierslaufbahn bei der britischen Armee ein. In den Jahren 1822-1823 erkundete er das heutige Sierra Leone und knüpfte Handelskontakte zu den dort lebenden Völkern. 1823 war er an der Niederwerfung des Aufstandes der Ashanti beteiligt. Von Tripolis aus erreicht er 1826 als erster Europäer Timbuktu. Über seinen Aufenthalt ist jedoch wenig bekannt. Auf seiner Rückreise kam er auf ungeklärte Weise in der Nähe von Araouane ums Leben. (Verlagstext)


Alexander Gordon Laing
Reisen zu den Timannis, Kurankos und Sulimas in Westafrika 1822 - 1823
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Format: 21 x 13 cm
190 Seiten
Erschienen 2014
Euro 24,00 inkl. MwSt.   Buch kaufen



Reisen in Westafrika

Eidition Erdmann

MARY  HENRIETTA  KINGSLEY

REISEN  IN  WESTAFRIKA
Durch Französisch-Kongo, Corisco und Kamerun. 1895

Mary Kingsley war keine gewöhnliche Reisende. Als ein Krokodil versucht, in ihren Einbaum zu klettern, zieht sie ihm einen Schlag mit dem Paddel über den Kopf. Während der Regenzeit besteigt sie den 4095 Meter hohen Kamerunberg, was sie zur ersten Frau auf seinem Gipfel macht. Bis zum Kinn im Wasser watet sie durch Sümpfe. Sie stürzt in eine Fallgrube voller spitzer Pfähle, und dank ihrer guten Entscheidung, entgegen dem Rat ihrer Freunde in England, auch in Afrika keine Männerkleidung zu tragen, klettert sie unverletzt wieder heraus.

Die hier versammelten Berichte handeln von der zweiten Westafrikareise 1894/1895 der britischen, heute als Nationalheldin gefeierten, Entdeckerin und Schriftstellerin.
Mit großem anthroposophischem Interesse beschäftigt sich Kingsley intensiv mit dem Leben der westafrikanischen Völker. Sie revolutioniert das Bild des „primitiven Schwarzen“, tritt gegen den Sklavenhandel und für die Rechte der afrikanischen Ureinwohner ein.

Autorin
Mary Henrietta Kingsley wurde 1862 in London geboren und starb 1900 in Südafrika an Typhus. Mary Kingsleys Vater hat als Arzt und medizinischer Betreuer reicher Aristokraten weite Reisen unternommen. Sie selbst jedoch war bis zum Tod ihrer Eltern nie irgendwohin gereist, sondern blieb zu Hause und versorgte ihre kranke Mutter. Einzig in Büchern ging sie auf Reisen, las sehr viel über Afrika und wusste eine Menge über den Kontinent, ohne je dort gewesen zu sein. Dann, als Mary Kingsley dreißig Jahre alt war, starben beide Eltern. 18 Monate später stach sie Richtung Afrika in See.

Übersetzer
Niels-Arne Münch (geb. 1972) ist Sozialwissenschaftler und arbeitet seit 2005 als freier Lektor, Übersetzer und Lehrer für kreatives Schreiben. Er lebt mit seiner Familie in Göttingen. Für die Edition Erdmann hat er u.a. übersetzt: Mary Kingsley, Reisen in Westafrika und John Wesley Powell, Die Erforschung des Colorado Rivers und des Grand Canyons.
 (Verlagstext)


Mary Henrietta Kingsley
Reisen in Westafrika
Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Format: 21 x 13 cm
480 Seiten
7. Auflage 2018
Euro 24,00 inkl. MwSt.   Buch kaufen



Montag, 26. Juni 2017

Rezension: Die acht Lektionen der Wüste

dumont
Rezension

NICHOLAS  JUBBER

DIE  ACHT  LEKTIONEN  DER  WÜSTE 
- Mit den Nomaden Nordafrikas nach Timbuktu -

Wer traut sich heute noch nach Timbuktu zu reisen ?
Der erfahrene britische Journalist Nicholas Jubber kam nicht zum ersten Mal in Timbuktu an. Aber seltener war sein Besuch gefährlicher als zur Zeit.

Auslöser für seine Reise war unter anderem die „Beschreibung Afrikas“ des Hasan ibn Muḥammed al-Wazzān al-Fāsī, in Europa besser bekannt als Leo Africanus, die Geisel des Papstes Leo X.. Und sein Wunsch, das heutige Leben der Nomaden in Nord- und Westafrika kennen zu lernen und einige Zeit mit ihnen zu arbeiten.

Wer sind Nomaden ? Sind sie noch so frei, wie sie es sich wünschen und Jahrtausende leben konnten ? Heute wohl nicht mehr. Nomaden sind Viehhirten auf der Suche nach guten Weideplätzen, die immer seltener werden. Sie versorgen die Stadtbevölkerung mit Milch und Fleisch und erhalten dafür Lebensmittel und andere nützliche Dinge für ihre Familien. 
Doch der Verkauf von Staatsland an Privatleute und Landgrabbing außerafrikanischer Staaten machen ihnen mehr zu schaffen als Dürren. Dazu kommt das Banditentum und der Terror von Dschihadisten wie Ansar ed-Din oder Boko Haram sowie Al Qaida bzw. IS-Ableger, die nicht nur Nomaden sondern auch die Stadtbevölkerung angreifen, wie in Timbuktu und Gao in Mali oder Städten wie Kano und Maiduguru in Nordnigeria.

Zu Zeiten des Reisenden des Leo Africanus griffen Marokkaner Timbuktu an (1591) und zerstörten die Universitäten der Gelehrten, Richter und Forscher islamischen Rechts auf der Suche nach Gold.
426 Jahre später zerstören Islamisten erneut das „Traumziel“ vieler Sahara-Reisender früherer Jahre. Sie suchen weder Gold noch Land, sondern leben ihre bestialische Macht aus, die sie dank ihrer Waffen aus westlichen Ländern auskosten. Natürlich ergibt dies aus Sicht ehemaliger Kolonialstaaten und ihrer Marionettenpräsidenten einen Sinn, weil diese sich nur für die Ausbeutung von Bodenschätzen unter dem Sahara-Sand interessieren und denen die Nomaden und eigentlichen „Besitzer“ der Wüste sowie der Stadt- und Flussbevölkerung Malis und Nigers völlig egal sind. Einfacher ist es Banditen und Söldner in die Wüste zu senden und die Bevölkerung zu terrorisieren und zu töten als mit ihnen in Verhandlungen zu treten und den Profit der Ausbeutung zu teilen!
Einwohner Timbuktus, mit denen der Autor gesprochen hat, vergleichen die beiden Tragödien miteinander - so nah ist die Geschichte in den Köpfen der Menschen vor Ort.

Timbuktu wurde von Tuareg vor rund Eintausend Jahren gegründet, so erfährt Nicholas Jubber von einem bekannten malischen Historiker. Eine Frau namens Buktu versorgte Gepäck und Waren, die von den Tuareg während ihrer Wanderungen zurückgelassen wurden. Aus „Tin Buktu“ - der Platz der Buktu wurde im Laufe der Geschichte Timbuktu, die Mysteriöse.

Während seiner Reise lernt der Autor verschiedene Nomadengruppen kennen. Ausgangspunkt der Reise ist Fez, die älteste arabische Stadt in Marokko. Hier arbeitete er mit den bekannten Gerbern im Souk. Im Verlauf der Reise lernt der Autor den Unterschied zwischen den arabischen Stadtbewohnern und den Berbern kennen, die immer weiter in die Atlas-Berge abgedrängt wurden. „Wenn du einen Araber triffst, hast du immer eine Schlange vor dir.“ erzählt ein Bergbewohner. „Die Araber haben eine Menge versprochen, aber nichts gehalten,“ führt er weiter aus. Wenn die Menschen aus den Dörfern in der Stadt nach Arbeit suchen, erhalten sie von den Arabern keine Arbeit, „weil sie angeblich kein gutes Arabisch sprechen. Unser Land hat ein Menge wirtschaftliche Probleme, aber die Amazighren (Berber) leiden am meisten darunter“.

In Laâyouni lernt Nicholas Jubber die Sahraouis kennen, deren Kampf um die Unabhängigkeit von der Besatzungsmacht Marokko schon über 40 Jahre dauert und der 1975 mit dem „Grünen Marsch“ des marokkanischen Königs Hassan II. begann.
Die Bozo-Fischer folgen den Fischwanderungen im Nigerfluss. Die Fulbe-Hirten wandern seit Jahrtausenden durch die Sahelländer und haben es zunehmend schwerer ausreichend Futter für ihre Kühe zu finden. Wenn die Kühe immer magerer werden, müssen die Familien mit immer weniger Milch auskommen. Außerdem gibt es Streitereien mit anderen Fulbe oder den Dogon, den bekannten Zwiebelbauern in Mali, um die Weideplätze. Allerdings profitieren die Dogon auch, wenn beispielsweise die Tiere der Fulbe die Felder der Dogon mit ihrem Kot düngen.

Mit den bekanntesten Nomaden, den Tuareg, möchte der Autor die berühmte Azalai, die Karawane reiten, bei der die Tuareg im Norden Malis Salzplatten von Taoudenni nach Timbuktu bringen. Dafür lernt er die 8 Lektionen der Wüste: Beharrlichkeit, Überwindung, Weitsicht, Kreativität, Bildung, Tradition, Klarheit und Geduld - und das Tee-Kochen, mit eher weniger Erfolg (aus Sicht der Tuareg).

Doch bevor er sein Vorhaben verwirklichen kann, machen ihm die Ereignisse 2012 einen Strich durch die Rechnung und die Erzählungen der Einwohner von Timbuktu einige Jahre später bedrücken nicht nur den Autor sondern auch den Leser.

Nicholas Jubber beschreibt neben den acht Lektionen der Wüste auch in acht Teilen die Regionen seiner Reise: das Nirgendwo, die Stadt, das Gebirge, die Wüste, die Hochebene, die Ebene, den Fluss und nochmal das Nirgendwo der Sahara.
Sein Resumée: „Wenn irgendjemand den Weltuntergang überlebt, dann sind es nicht die Actionhelden der Hollywoodfilme, sondern Nomaden wie die, die ich in Nordafrika kennengelernt habe.“

Autor:
Nicholas Jubber, geb. 1977, ist ein britischer Autor und Journalist. Nach seinem Studium an der Oxford University lebte er mehrere Jahre in Jerusalem. Als 2000 die zweite Intifada ausbrach, reiste er durch den Mittleren Osten und Ostafrika und berichtete von dort für den Guardian, den Observer, die BBC u.a. Mit Unterbrechungen, insgesamt jedoch sechs Jahre lang, ist Nicholas Jubber mit den Nomaden Nordafrikas gereist - länger als jeder andere Europäer im letzten Jahrzehnt. „Die acht Lektionen der Wüste“ (The Timbuktu School of Nomads: Across the Sahara in the Shadow of Jihad , 2016) ist sein drittes Buch und das erste, das ins Deutsche übersetzt wurde.

Fazit:
Ein beeindruckendes und interessantes Buch, das am Ende immer spannender, aber auch bedrückender wird.
Der couragierte Autor gibt das Erlebte lebendig geschrieben wieder und beschreibt mit großem Einfühlungsvermögen das heutige Leben der Nomaden-Bewohner der bereisten Länder Marokko, Westsahara, Mauretanien und Mali.
Das Buch ist nie langweilig, Historisches und Aktuelles ergänzen sich, selbst Shakespeare wird zitiert. Der angenehme Stil des Ich-Erzählers ist gut und flüssig zu lesen.
Auch wer jetzt nicht nach Timbuktu reisen möchte, sich aber trotzdem für das Leben der Nomaden in diesem Teil der Welt interessiert, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.



Samstag, 15. Oktober 2016

NEU: Ein Coffee to go in Togo

conbook
NEU

MARKUS  WEBER

EIN  COFFEE  TO  GO  IN  TOGO
Ein Fahrrad, 26 Länder und jede Menge Kaffee

Ein wahnwitziges Reiseabenteuer auf 14.037 Radkilometern
 Markus Weber geht es prächtig. Er hat Freunde, ist gesund und arbeitet als Manager und Prokurist für eine der größten Beratungen weltweit. Eigentlich läuft alles perfekt. Doch irgendwann erscheint ihm sein Berufsalltag belanglos und sein Leben zwischen Meetings und Nächten in Fünf-Sterne-Hotels fremdbestimmt.

Als er auf einer morgendlichen Zugfahrt in die Frankfurter Finanzwelt seine Kollegen betrachtet, die vertieft auf ihre Laptops blickend an Kaffeebechern nippen, fasst er einen Entschluss: Er wird aussteigen aus dem Trott, den Anzug an den Nagel hängen und sich auf die Suche begeben. Er wird losziehen, um einen Kaffee zu trinken, in Afrika. Einen Coffee to go in Togo!

Es beginnt eine einjährige Reise durch 26 Länder, über eine Strecke von 14.037 Kilometern – und zwar mit dem Fahrrad! Er tauscht die Luxushotels gegen ein simples Zelt und muss sich fortan ganz ungekannten Herausforderungen stellen. Ob wilde Hunde in Rumänien, gestohlener Rollrasen in der Republik Moldau oder ein Grizzly in der Ukraine: seine geschäftliche Expertise hilft ihm auf seiner abenteuerlichen Tour wenig.

Doch so richtig verrückt wird sein Trip erst, als er den Fuß auf afrikanischen Boden setzt. Begleitet von afrikanischer Hitze und blutrünstigen Stechmücken radelt er über Nordafrikas höchstes Gebirge und staubige Sandpisten, fährt per Anhalter durch die Sahara, kämpft im Senegal mit der Malaria und wird in Gambia überfallen. Doch selbst ein Fluch in Elfenbeinküste oder die Attacke einer Schlange, ein lebensbedrohliches Buschfieber oder verrückte Grenzsoldaten können ihn nicht stoppen.

Am Ende seiner Reise steht die Antwort auf die Frage: Wie schmeckt überhaupt so ein Coffee to go in Togo?

Leseprobe
Tanger, das Tor zu Afrika
Tanger-Med, Marokko, Dezember 2012 – 7.765 Kilometer

Als ich die dunkle Hand auf meiner Schulter spürte, war ich beinahe angekommen. Ich hatte mein Rad an die Mauer der betonierten Uferpromenade gelehnt und gerade meinen letzten Schluck Wasser getrunken.

Eine ganze Weile hatte ich das schwarze, unruhige Meer betrachtet und dem lauten Tosen der Wellen gelauscht. In der Dunkelheit hatte ich kaum zehn Meter weit sehen können und der heimische europäische Kontinent war in der Finsternis vollkommen verschluckt worden. Ich hatte die Augen geschlossen, und das Rauschen der Wellen, das monotone Dröhnen der vorbeifahrenden Autos waren mir durch den Kopf geströmt. Ich hatte tief eingeatmet, um die fremde Großstadt mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Und dann plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und drehte mich ruckartig um. Ich blickte in das schnauzbärtige Gesicht eines arabischen jungen Mannes.
»Hello, Mister, are you looking for a tourist hotel? I can [...]


Autor:
Markus Maria Weber, geboren 1981 in Freiburg im Breisgau, hat sieben Jahre für eine der weltweit größten Unternehmensberatungen gearbeitet. Nach zu vielen Nächten in fremden Bürotürmen und Hotelbetten nahm der damals 31-jährige Manager eine Auszeit und fuhr mit dem Fahrrad nach Togo, um einen Kaffee zu trinken.

Das Manuskript zu seinem Erstlingswerk ist auf seinen Geschäftsreisen, in den Lounges der Deutschen Bahn, in Flugzeugen und bei unzähligen Bechern Coffee to go entstanden. (Verlagstext)


Markus Weber
Ein Coffee to go in Togo
Premium-Broschur mit Einbandklappen
Farbtafeln
464 Seiten
1.Auflage September 2016
Euro 12,95 inkl. MwSt.    Buch kaufen

NEU: Mehr Feminismus!

fischer
NEU

CHIMAMANDA  NGOZI  ADICHIE

MEHR  FEMINISMUS!
 "Ein Manifest und vier Stories"

Mehr Feminismus! Der legendäre TED-Talk und vier neue Stories von Chimamanda Ngozi Adichie

Die junge Bestsellerautorin Chimamanda Ngozi Adichie machte mit ihrem TED-Talk ›We Should All Be Feminists‹ (dt.: ›Mehr Feminismus!‹) Furore. Popsängerin Beyoncé Knowles sampelte einige Passagen daraus in ihrem Song ›Flawless‹. Mehr als 1,5 Millionen User sahen ihn im Netz, hier liegt er nun zum Nachlesen vor; gemeinsam mit vier neuen Stories, die Adichie einmal mehr als Erzählerin von Weltrang zeigen.

 Mit ihren Geschichten gelingt ihr, was nur große Literatur vermag: Minutiös legt sie das Innerste ihrer Figuren bloß und enthüllt damit Wahrheiten unserer Gesellschaft, die so offenkundig sind, dass wir sie kaum jemals durchschauen. Adichie erzählt davon, wie man Rollenerwartungen erlernt, und davon, wie man lernt, sie zu brechen. Sie erzählt von Schuld, Scham und Sexualität, von Feminismus, Liebe und Heimat. Über all ihren Geschichten liegt der helle Schimmer einer besseren, einer toleranteren Welt. Adichie ist eine hellwache Beobachterin unserer Zeit und ihre Stories sind eine literarische Offenbarung. (Verlagstext)

Autorin:
Chimamanda Ngozi Adichie ist eine der großen jungen Stimmen der Weltliteratur. Ihr Roman ›Blauer Hibiskus‹ war für den Booker-Preis nominiert, ›Die Hälfte der Sonne‹ erhielt den Orange Prize for Fiction 2007. Insgesamt wurde ihr Werk in 37 Sprachen übertragen und sie steht auf der renommierten Liste der »20 besten Schriftsteller unter 40« des »New Yorker«. Für ›Americanah‹, von der »New York Times« zu einem der fünf besten Romane von 2013 gewählt, erhielt sie den Heartland Prize for Fiction und den National Book Critics Circle Award. Adichie wurde 1977 in Nigeria geboren und lebt heute in Lagos und in den USA.

Literaturpreise:
The Chicago Tribune 2013 Heartland Prize for Fiction
National Book Critics Circle Award for Fiction 2013 (Verlagstext)

 Aus dem Englischen von Anette Grube.

Chimamanda Ngozi Adichie
Mehr Feminismus!
Taschenbuch
112 Seiten
1.Auflage 2016
Euro 8,- inkl. MwSt.    Buch kaufen


Die Geschichte der arabischen Völker

fischer
NEU

ALBERT  HOURANI

DIE  GESCHICHTE  DER  ARABISCHEN  VÖLKER

Das grandiose Meisterwerk des großen Orientalisten Albert Hourani: ›Die Geschichte der arabischen Völker‹ von den Anfängen des Islam bis heute.

Jetzt in einer Neuausgabe mit einem aktuellen Nachwort, das die Geschichte bis zum Arabischen Frühling weitererzählt.

Albert Hourani, ein Wanderer zwischen den Welten, präsentiert in seinem elegant erzählten Klassiker die gesamte Geschichte und Kultur der arabischen Völker seit dem 7. Jahrhundert. Brillant beschreibt er die rasante Verbreitung des Islam und erzählt von den Gelehrten, Völkern und Ereignissen, die die arabische Welt prägten. Er schildert Aufstieg und Ende des Osmanischen Reichs, die Folgen der europäischen Expansion und die Konflikte in der Region, bis hin zur Intifada und den Golfkriegen.

Wie es danach bis zum Arabischen Frühling weiterging, erzählt der bekannte Publizist und Islamwissenschaftler Malise Ruthven in seinem aktuellen Nachwort.

Fulminante historische Erzählung und kluge Analyse zugleich, ist das Buch ein unentbehrlicher Beitrag zum Verständnis der heutigen arabischen Welt. (Verlagstext)

Autor:
Albert Hourani, 1915 als Sohn libanesischer Eltern in Manchester geboren, studierte in Oxford. Er lehrte zunächst an der Amerikanischen Universität in Beirut und nach dem Zweiten Weltkrieg dann in Oxford am St Anthony's College. Er war Direktor des Middle East Center und nach 1979 Gastprofessor in Chicago und Harvard. Albert Hourani starb 1993.
 Malise Ruthven, geboren 1942, ist ein bekannter englischer Publizist und Experte für die arabische Welt. Er schreibt u.a. für die »New York Review of Books« sowie für den »Guardian« und den »Observer«. Auf Deutsch erschien von ihm ›Der Islam‹, auf Englisch zuletzt ›A Historical Atlas of the Islamic World‹ (mit Azim Nanji 2004), das mit dem Middle East Outreach Council Book Award ausgezeichnet wurde. (Verlagstext)

 Aus dem Englischen von Manfred Ohl und Hans Sartorius und Michael Bischoff.

Albert Hourani
Die Geschichte der arabischen Völker
Paperback, Klappenbroschur
704 Seiten
1.Auflage 2016
Euro 20,- inkl. MwSt.    Buch kaufen


Mittwoch, 19. August 2015

Rezension: Boko Haram - Der Vormarsch des Terror-Kalifats

Boko Haram

Rezension

MIKE  SMITH

BOKO  HARAM - Der Vormarsch des Terror-Kalifats

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas (170 Millionen Einwohner) und durch seine reichen Erdölvorkommen eigentlich ein reiches Land. Und Nigeria ist zweigeteilt - in den reichen Süden mit christlichen und anderen Religionen und den armen Norden mit muslimischen und anderen Religionen. Die Präsidenten wechseln nach zwei Amtsperioden zwischen Nord und Süd ab, seit Mai 2015 ist wieder Muhammadu Buhari Staatspräsident, der dieses Amt bereits von 1983-1985 innehatte. Soziale, ethnische, regionale, religiöse Spannungen und eine unglaubliche Korruption bringen immer wieder Gewalt hervor und lassen Gruppen wie Boko Haram entstehen.

Der Journalist Mike Smith hat drei Jahre lang in Nigeria bei der Agentur Agence France-Press (AFP) gearbeitet und die Geschehnisse im Land verfolgt. In seinem Buch gibt er einen wichtigen Überblick über die aktuelle Situation im Land, Entwicklung und Aufstieg von Boko Haram, Armut, Korruption und „den Fluch des Öls“.

Ein wichtiges Kapitel beschreibt die Geschichte, die anschaulich die Entwicklung des Landes bis zur Gründung von Gruppen wie Boko Haram darstellt.
Etwa im 8. Jahrhundert verbreitete sich der Islam auf friedliche Weise mit den Händlern in Westafrika, ein Islam, der mit den heutigen Extremisten in keinster Weise vergleichbar war. Die Reiche Kanem und Bornu waren im Mittelalter reiche und stolze Regionen am südöstlichen Ende des Tschadsees und dominierten in Westafrika durch Handel und die Beziehungen erreichten die arabischen Länder des Nahen Ostens. Im frühen 19. Jahrhundert errichtete der Fulbe Osman dan Fodio das Kalifat von Sokoto im damaligen Haussaland.

Im Zuge der europäischen Kolonialisierung Afrikas drangen Engländer von der Küste aus immer weiter in den Norden Nigerias vor. Eisenbahnlinien und Straßen verbanden die Landesteile, Kaufleute und Händler vom Norden ließen sich im Süden nieder und anders herum brachten Leute aus dem Süden ihre Lebensweise in den Norden mit. Die verschiedenen Landesteile sollten miteinander vereint werden und so entstand ein föderaler Staat aus Norden, Westen und Osten, deren Premierminister alle zwei Amtsperioden wechselten. Im Norden blieben die traditionellen Strukturen mit der Verwaltung durch die Emire von Sokoto bis zu Unabhängigkeit 1960 erhalten. Aufgrund seiner Bevölkerungsdichte und seiner Größe erhielt der erste Premierminister aus dem Norden die meisten Sitze. Dieser nutzte die Gelegenheit und verbesserte die Lebensbedingungen für sich und die Bevölkerung im Norden, was zu Spannungen mit dem Süden führte. Als 1956 Erdöl gefunden und gefördert wurde, änderte sich die Lage und der Süden begann die Wirtschaft zu dominieren.
Nach der Unabhängigkeit kam es erneut zu ethnischen Spannungen zwischen den Völkern im Süden und dies löste den Biafrakrieg aus, der von 1967 bis 1970 dauerte. Es folgten etliche gestürzte Präsidenten und leere Staatskassen.

Über alldem steht die unglaubliche Korruption, die das Land beherrscht und Millionen von Naira in den Taschen der Politiker und ihrer Helfer verschwinden lässt, so dass ein sehr reiches Land eine sehr arme Bevölkerung hat. Im Nigerdelta beginnt der Kampf um die Gewinne aus der Erdölproduktion, Erdölpipelines werden in die Luft gesprengt, ausländische Ölarbeiter entführt. Im Norden verbreitet sich die Frustration unter den zahlreichen jugendlichen Arbeitslosen, was letztendlich zum Aufkommen von Gruppen wie Boko Haram führt, die zum Ersten die soziale Ungerechtigkeit anprangern und nachdem es keine Verbesserung gibt, den Staat angreifen. Bombenanschläge und Mord gehören nun im Norden zum Alltag. Nach dem ersten Chef von Boko Haram, Muhammed Yussuf, organisierte sich die Gruppe um Abubakr Shekau neu und noch brutalere Anschläge folgten. Uneinigkeit spaltete die Gruppe und es entstand Ansaru, die auch vor Entführungen, Selbstmordanschlägen und Gebietsbesetzungen nicht zurückschreckt.

Autor:
Der amerikanische Journalist Mike Smith hat seit 2010 den Aufstieg von Boko Haram in Nigeria für die Nachrichtenagentur AFP beobachtet und ist in zwischen in Paris tätig. Zahlreiche Artikel in großen Zeitungen und Magazinen wie „State Magazine“ oder „The Guardian“ sind von ihm erschienen.


Fazit:
Der Autor schildert in seinem Buch den Beginn und Aufstieg der Terrororganisation Boko Harram. Dabei ist das Kapitel über die Geschichte und die Entwicklung Nigerias bis heute sehr interessant und aufschlussreich. Es zeigt, wie sich Gruppierungen wie Boko Haram entwickeln konnten. Der Autor schildert den Lebensweg von Mohammed Yusuf, dem Gründer der Gruppe und seiner Nachfolger und beschreibt die Spannungen zwischen Militär, Regierung, Bürgerwehren und Boko Haram. Die zahlreichen Attentate und später die Entführungen, auch der Schülerinnen in Chibok, deren Schicksal immer noch nicht ganz geklärt ist.
Es wird in den europäischen Medien kaum berichtet, in wie weit der nigerianische Staat, die Armee und die Regierung durch Korruption und Nichtstun den Terroristen in die Hände spielt. Selbst organisierte Bürgerwehren und die Familien der entführten Schülerinnen, die die Organisation „Bring back our Girls“ gründeten, wurden zu Opfern der Regierungsverschleierungstaktik. Alleiniges Opfer ist die Bevölkerung dieses ölreichen Staates - ein Drama.
Ein spannendes und erschütterndes Buch, sehr gut zu lesen und empfehlenswert für diejenigen, die sich für die Hintergründe der Terrorgruppe Boko Haram interessieren.

Samstag, 23. März 2013

NEU: Die Kröte, der Marabut und der Storch

Peter Hammer Verlag
Amadou Hampâté Bâ

Die Kröte, der Marabut und der Storch und andere Geschichten aus der Savanne

Juliane Steinbach (Illustrationen)

Die Kröte, der Marabut und der Storch und andere Geschichten aus der Savanne „Mit jedem Greis, der in Afrika stirbt, verbrennt eine Bibliothek“ – die berühmten Worte von Amadou Hampâté Bâ sind nicht nur Ausdruck der großen Achtung vor dem mündlich überlieferten Wissen der Afrikaner. Sie waren auch der Grund für den Historiker und Schriftsteller aus Mali, ein Leben lang zuzuhören und aufzuschreiben, was die Menschen in Westafrika zu erzählen wussten. Von Astrologie bis Geschichte, von Religion bis Philosophie. Aber auch vom sozialen Miteinander, von allerlei menschlichen Schwächen und Stärken.

Mehr als zwanzig Jahre lang nämlich – von 1938 bis 1969 – hat Amadou Hampâté Bâ auch die Märchen und Fabeln Westafrikas gesammelt und erstmals zu Papier gebracht. Kleine Geschichten von Tieren und Menschen, die mit schöner Raffinesse und Witz von dem erzählen, was wir überall kennen: von Habgier, Macht, Eitelkeit und Dummheit, aber auch von Großmut und Klugheit. Kleine afrikanische Lehrstücke für Kinder und Erwachsene, stark genug, um Generationen zu überdauern.
Erst 40 Jahre später sind Hampâté Bâs Märchen in Frankreich veröffentlicht worden und nun – endlich! – erscheint eine Auswahl in deutscher Übersetzung.

Autor:
Amadou Hampâté Bâ, 1900 in Bandiagara (Mali) geboren, 1991 in Abidjan (Elfenbeinküste) gestorben, war einer der bedeutendsten Schriftsteller Westafrikas, darüber hinaus Politiker und Philosoph.

Juliane Steinbach (Illustratorin), 1953 in Hagen geboren, arbeitet seit ihrem Studium als freie Grafik-Designerin und Malerin in Wuppertal. Seit vielen Jahren gestaltet sie im Peter Hammer Verlag die alljährlich erscheinende Jahresgabe.

Aus dem Französischen von Gudrun und Otto Honke


Amadou Hampâté Bâ
Die Kröte, der Marabut und der Storch
Hardcover gebunden
Format 16,2 x 21,5 cm
120 Seiten
1.Auflage 2013
Preis: Euro 19,90   Buch kaufen
Verlag Peter Hammer, Wuppertal