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Donnerstag, 15. Oktober 2020

NEU: Die Geschichte einer afrikanischen Farm, Olive Schreiner

Manesse 
NEU
OLIVE  SCHREINER
 
DIE  GESCHICHTE  EINER  AFRIKANISCHEN  FARM
 
Ein bewegendes Meisterwerk über weibliche Emanzipation und Selbstbestimmung in der kolonialen Männerwelt
 
«The Story of an African Farm» gilt als das südafrikanische «Wuthering Heights». Der autobiografisch inspirierte Roman der deutsch- und englischstämmigen Autorin, erschienen 1883, schildert das Schicksal einer eigenwilligen Heldin namens Lyndall. Schon als junges Mädchen lernt sie die Bigotterie und Ignoranz der Menschen kennen und erfährt, wie beschränkt die Lebensperspektiven für ihresgleichen sind. 
Doch dank einer großen inneren Stärke verteidigt sie in der Farmerswelt der südafrikanischen Karoo ihre Unabhängigkeit und verliert dabei das Ziel nie aus den Augen: weibliche Selbstbestimmung bis zuletzt. Schreiners Erzählkunst fasziniert nicht nur durch ihren einfühlsamen Ton und ihre große künstlerische Sensibilität, sondern widmet sich auch emanzipatorischen Themen wie Sexualität, voreheliche Schwangerschaft sowie die unrühmliche Rolle des Christentums bei der Bevormundung des «schwachen Geschlechts». Das Buch, seinerzeit ein Welterfolg, erscheint anlässlich des 100. Todestags der Feministin und Menschenrechtlerin am 11.12.2020 nun in einer Neuübersetzung.
 
Mit Nachwort von Doris Lessing
 
Autorin:
Olive Schreiner (1855–1920), frühe Exponentin der südafrikanischen Literatur und des weiblichen Schreibens, gilt als Vorläuferin so großer Autorinnen wie Tania Blixen oder Doris Lessing. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, aber hochtalentiert, gelang der Autodidaktin mit «The Story of an African Farm» (1883 unter dem Pseudonym Ralph Iron erschienen) ein internationaler Überraschungserfolg. Rasch wurde sie zu einer der einflussreichsten Stimmen des südlichen Afrika, engagierte sich als Feministin, Sozialistin und Pazifistin und trat gegen Cecil Rhodes’ imperialistische Politik auf. 2003 wurde sie posthum mit dem südafrikanischen Order of Ikhamanga in Gold ausgezeichnet.
 
Aus dem Englischen übersetzt von Viola Siegemund
 
Olive Schreiner
Die Geschichte einer afrikanischen Farm
Hardcover mit Schutzumschlag
608 Seiten
Format 9,0 x 15,0 cm
1.Auflage 12. Oktober 2020
Euro 28,00 inkl. MwSt.  Buch bestellen


Dienstag, 13. Oktober 2020

NEU: Schwarze Wurzeln, Afro-deutsche Familiengeschichten von 1884 - 1950

 
Orlanda
Katharina Oguntoye  (Hrsg.)
 
Schwarze Wurzeln
Afro-deutsche Familiengeschichten von 1884 - 1950
 
 Katharina Oguntoye beleuchtet die Lebenssituation von Afrikaner*innen und Afro-Deutschen in Deutschland von 1884 bis 1950. Diese wegweisende historische Forschungsarbeit diente zahlreichen nachfolgenden wissenschaftlichen Untersuchungen als wichtiger Quellennachweis. Bisher war der Blick auf Schwarze Menschen in Deutschland bestimmt von der Sicht der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Gefragt wurde danach, wie Schwarze Menschen in dieser Gesellschaft wahrgenommen bzw. ausgegrenzt werden und dabei wurden ihre Geschichte und ihr Leben lediglich als exotisches Beiwerk oder marginale Einzelfälle dargestellt.
 
Die Historikerin Katharina Oguntoye stellt dem erstmals einen Überblick über die Situation der Afrikaner*innen und Afro-Deutschen für die gesamte Periode der neueren deutschen Geschichte bis nach dem Zweiten Weltkrieg entgegen, dessen Schwerpunktinteresse den Lebenswirklichkeiten und der Perspektive der Schwarzen Menschen in Deutschland gilt.
 
Autorin:
Katharina Oguntoye, nigerianisch-deutsche Historikerin, Jahrgang 1959, hat die afro-deutsche Bewegung mitgeprägt, unter anderem als eine der Herausgeberinnen des Buches „Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte.“ (1986) und als Gründungsmitglied der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“. Seit 1996 ist sie Leiterin des von ihr mitbegründeten Interkulturellen Netzwerks in Berlin, Joliba e.V.  (Verlagstext)
 
Katharina Oguntoye (Hrsg.)
Farbe bekennen.
Klappenbroschur
200 Seiten
Euro 18,00 inkl. MwSt.   jetzt kaufen

NEU: Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

 

Orlanda
May Ayim, Katharina Oguntoye, Dagmar Schultz (Hg.)

 FARBE  BEKENNEN. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte.

Seit über 30 Jahren der Klassiker der afro-deutschen Bewegung in Deutschland!

 „Sie sprechen aber gut deutsch“, sagt man zu ihnen. „Woher kommen Sie denn?“ fragt man sie. Und tröstet sie schließlich mit den Worten: „So schwarz sind Sie ja gar nicht.“

 Alltäglicher Rassismus, dem sie ausgesetzt sind: Die afro-deutschen Frauen, die hier zu Wort kommen, fühlen sich oft fremd in ihrem eigenen Land.

 Sie sind hier geboren und aufgewachsen, als Kind schwarzer Väter und weißer Mütter. Sie wurden als „Mischlinge“ bezeichnet oder als „Besatzungskinder“, heute nennt man sie oft „Farbige“. Sie sind Deutsche und werden doch wie Fremde behandelt, ausgegrenzt, „bestenfalls“ als exotisch angesehen. Mit ihrem Buch versuchten die Autorinnen, sich auf die Suche nach ihrer Geschichte zu begeben, gesellschaftliche Zusammenhänge von Rassismus offenzulegen und auf ihre besondere Situation aufmerksam zu machen. Eine Situation, die sich derzeit, im Zeichen zunehmend rassistischer Übergriffe und des Ausländerhasses, verschärft hat.

 „Farbe bekennen war ein Anfang und ist nach wie vor ein aktuelles Handbuch zum Verständnis afro-deutscher Lebensrealitäten sowie ein nützliches Werkzeug zur Vernetzung und Aufklärung.“ Katharina Oguntoye

Mit neuem Vorwort von Katharina Oguntoye.

May Ayim, Katharina Oguntoye, Dagmar Schultz (Hrsg.)
Farbe bekennen.
Klappenbroschur
308 Seiten
Neue Ausgabe 2020
Euro 18,50 inkl. MwSt.   jetzt kaufen

 Alle Gewinne aus den Verkäufen der Bücher von May Ayim fließen in ein May Ayim-Förderstipendium für Schwarze deutsche Autor*innen, das Orlanda zusammen mit Katharina Oguntoye und Natasha A. Kelly 2021 ins Leben rufen wird. Weitere Infos folgen …

 

Donnerstag, 4. Juni 2020

Metamorphosen oder Der goldne Esel

Die Andere Bibliothek

APULEIUS

METAMORPHOSEN  ODER  DER  GOLDNE  ESEL

"Ich will dir, lieber Leser, in diesem milesischen Märchen allerhand lustige Schwänke erzählen, welche deine Ohren auf das angenehmste kitzeln sollen ..."

"Metamorphosen oder Der goldne Esel" des Apuleius, übertragen aus dem Lateinischen, ist ein Roman aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert, der seit 1800 Jahren die Literatur und Bildende Kunst beeinflusst.

Er erzählt die Geschichte des nach Wundern begierigen jungen Manns Lucius, der, durch eine falsche Zaubersalbe verwandelt, nun als Esel mit Menschenverstand durch eine unglaubliche Fülle spannender und komischer Erlebnisse gewirbelt wird. Er muss erkennen, welch delikate und verwunderliche Beziehungen Menschen untereinander und selbst mit Eseln eingehen.

Mit dieser Rahmenerzählung verflochten findet sich ein Kranz selbständiger Liebes-, Gauner- und Schelmengeschichten, die das farbige Bild menschlichen Erlebens auf amüsante Weise erweitern.
Vielfach ausgedeutet, haben alle Lesarten diesem so grotesk-sprunghaften wie witzigem Buch nichts von seiner hauptsächlichen Qualität genommen: seiner feinen, klassisch-komödiantischen Ironie.

Mit unserem 400. Band kehren wir traditionsbewusst zurück zu den Anfängen: Band 1 unserer Anderen Bibliothek versammelte aus dem Griechischen übersetzte "Lügengeschichten und Dialoge" des Lukian von Samosata.

Autor
Apuleius von Madauros (ca. 123 - 170 n. Chr.) war Schriftsteller, Rhetoriker und Philosoph platonischer Schule. Seine schriftstellerischen Werke machten ihn zunächst in der römischen Provinz Africa, anschließend im gesamten Römischen Reich und seiner Hauptstadt berühmt. Noch zu Lebzeiten wurden ihm zu Ehren Statuen errichtet. Neben seinen philosophischen und rhetorischen Schriften hat sich als einziger Roman "Metamorphosen oder Der goldne Esel" erhalten, auf dessen Fassung der Geschichte von "Amor und Psyche" die gesamte abendländische Behandlung des Motivs durch Literatur und Bildender Kunst zurückgeht.

Aus dem Lateinischen übersetzt von August Rode, durchgesehen von Stefan Stirnemann und von diesem mit einem Vorwort versehen.
(Verlagstext)

Apuleius
Metamorphosen oder Der goldne Esel
Originalausgabe, nummeriert und limitiert. Ausgestanzte, goldene Buchschlaufe, geprägter Einband, goldenes Vorsatzpapier, mit Illustrationen, Fadenheftung, Lesebändchen.  
Bandnummer: 400
420 Seiten
Euro 42,00 inkl. MwSt.    Buch kaufen

Samstag, 21. März 2020

Rezension: Nehmen Sie den Weg nach Süden

Peter Hammer

Rezension

ANITA  DJAFARI  und MANFRED  LOIMEIER (Hrsg.)

NEHMEN  SIE  DEN  WEG  NACH  SÜDEN

Die Literatur aus afrikanischen Ländern wird bisher viel zu wenig beachtet. 1980 waren zum ersten Mal mehrere afrikanische Länder auf der Frankfurter Buchmesse als Partnerländer gemeinsam vertreten. Seither war kein weiteres afrikanisches Partnerland mehr präsent. 
Schade. Afrikanische Schriftsteller haben so viel zu sagen.

In jedem der 54 Länder passieren unterschiedliche Dinge, es gibt zigtausende Sichtweisen der Welt und jeder hat seine Meinung, die in Europa leider viel zu wenig gehört werden. 

Die „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika“, heute kurz LITPROM,  präsentiert diese Literatur, es werden viele Bücher auf Deutsch übersetzt und seit 
9 Jahren finden die Literaturtage in Frankfurt statt. Zum 40jährigen Jubiläum von LITPROM ist diese Anthologie erschienen - „Eine literarische Reise durch Afrika“.

Auf 214 Seiten liest man Auszüge aus Romanen von Schriftsteller/Innen unterschiedlicher Länder, wie zum Beispiel aus Angola, Äthiopien, Botswana, Dschibuti, Ghana, Kamerun, Kenia, Kongo, Mauritius, Mosambik, Nigeria (USA), Ruanda, Senegal, Sudan und Südafrika.

Die Themen der Geschichten behandeln Widerstandskämpfe, Unabhängigkeits- und Bürgerkriege, Politik, Alltag von Frauen, Familien und Partnerschaften, Sehnsüchte, Skurriles,  Satirisches, Mystisches, Mythisches und Lyrik.

Übersetzt wurde hauptsächlich aus dem Französischen und Englischen, wobei LITPROM auch gern Originalliteratur übersetzen würde, wenn es Übersetzer für Wolof, Zulu, Swahili und andere Sprachen gäbe.

Bekannte und vielleicht in Deutschland weniger bekannte Schriftsteller haben die Herausgeber Anita Djafari und Manfred Loimeier zusammengestellt.

Nathacha Appanah erzählt uns von einer Begegnung mit einem jungen, attraktiven Mann, der sie sehr beeindruckt. Aber sie befürchtet auf dem Heimweg, auf dem sie der junge Mann unbedingt begleiten will, dass die neue Bekanntschaft wegen des unterschiedlichen Lebensniveaus gleich beendet wird. Doch es stellt sich heraus, dass er der Arbeitgeber ihres Vaters ist.

Gilbert Garore beschreibt die Situation einer Frau, die ein Stipendium von einer Stiftung beantragt hatte und nun lag die Antwort vor. Sie musste ihr Vorhaben einer Jury präsentieren. In einem eindringlichen Vortrag erläuterte sie überzeugend, dass die Erinnerung an den Völkermord in Ruanda und die Aufarbeitung der Verbrechen für die Bevölkerung wichtig sei, um wieder Vertrauen in ihr Land zu erhalten.

Fazit:
Alle Autoren haben Wichtiges über ihre Mitmenschen, über ihre Länder und Alltagssituationen zu sagen und für uns als Leser ist es interessant diese Bücher zu lesen, die unseren Horizont erweitern.

Die vielfältige Zusammenstellung der Buchausschnitte animieren zum Weiterlesen. Die 23 Geschichten sind abwechslungsreich, spannend und sehr gut ausgewählt. Das Buch ist absolut lesenswert und sehr zu empfehlen.


zum Angebot


Freitag, 13. März 2020

Imagine Africa 2060

Peter Hammer
CHRISTA  MORGENRATH  und  EVA  WERNECKE

IMAGINE  AFRICA  2060

Geschichten zur Zukunft eines Kontinents

„Das Gegenteil von Vielfalt lautet Einfalt" (Ilija Trojanow) - davon sind die MacherInnen der Veranstaltungsreihe „stimmen afrikas" überzeugt und versuchen nach nunmehr zehn Jahren, die Einfalt durch die Vielfalt der Geschichten, Sprachen und Stile zu überwinden. Sie verschafften den Stimmen unseres Nachbarkontinents Gehör, um sie dem ungenierten Rassismus und den unerträglichen populistischen Rufen nach Abschottung entgegenzuhalten. Denn nichts bringt uns den Menschen so nahe wie ihre Erzählkunst. Eigens für diese Anthologie haben zehn afrikanische Autorinnen und Autoren, die Gäste im Allerweltshaus waren, Geschichten geschrieben: Zukunftsvisionen aus zehn Ländern, Utopien und Dystopien, die mit ihren unterschiedlichen Sujets und Erzählweisen einen Eindruck vom Reichtum der afrikanischen Literaturszene vermitteln. (Verlagstext)

Die Autoren:
José Eduardo Agualusa (Angola)
Ellen Banda-Aaku (Sambia)
Ken Bugul (Senegal)
Aya Cissoko (Mali)
Youssouf Amine Elalamy (Marokko)
Tendai Huchu (Simbabwe)
Sonwabiso Ngcowa (Südafrika)
Okwiri Oduor (Kenia)
Nii Ayikwei Parkes (Ghana)
Chika Unigwe (Nigeria)

Übersetzt von Jutta Himmelreich, Gudrun Honke und Michael Kegler

Mit einem Nachwort von Manfred Loimeier

Herausgeberinnen:
Christa Morgenrath, geb. 1962, studierte Germanistik, Politologie und Pädagogik in Köln. Sie war Dramaturgin u.a. am „Theater an der Ruhr" und als Projektmanagerin bei internationalen Festivals, z.B. der Expo 2000, tätig. Seit 2002 ist sie freiberufliche Lektorin und Kulturmanagerin. Sie ist Gründerin und Leiterin der Literatur- und Bildungsreihe „stimmen afrikas" des Allerweltshauses Köln e.V.

Eva Wernecke, geb. 1982, studierte Afrikanistik und Ethnologie u.a. an der Universität zu Köln. Sie war Projektassistentin für die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt) in Bonn 2010/2011 und Koordinatorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit im Allerweltshaus Köln e.V. Seit 2010 ist sie Projektassistentin bei „stimmen afrikas"

Morgenrath, Christa und  Wernecke, Eva
Imagine Africa 2060
Klappenbroschur
192 Seiten
2. Auflage
Euro 20,00 inkl. MwSt.  Buch kaufen


NEU: Nehmen Sie den Weg nach Süden

Peter Hammer
NEUERSCHEINUNG


ANITA  DJAFARI  und  MANFRED  LOIMEIER (Hrsg.)

NEHMEN  SIE  DEN  WEG  NACH  SÜDEN
Eine literarische Reise durch Afrika

1980 war ein besonderes Jahr: Zum ersten Mal präsentierte der afrikanische Kontinent auf der Frankfurter Buchmesse die Vielfalt seiner Literaturen einer internationalen Öffentlichkeit.

Zeitgleich gründete sich ein Verein, der sich dem Dialog der Kulturen über ihre Literaturen verschrieb: Litprom - Literaturen der Welt. Längst ist er zentraler Agent für den Umlauf von Geschichten, Gedichten und Essays aus Afrika, Asien, Lateinamerika und eine Plattform für Begegnungen der Autorinnen und Autoren mit ihrem deutschen Publikum.

Zum 40. Geburtstag von Litprom und im Brückenschlag zur denkwürdigen Buchmesse mit dem Schwerpunkt Schwarzafrika erscheint jetzt eine Anthologie mit Texten bedeutender afrikanischer Autor*innen, deren literarische Werke seit 1980 in deutscher Sprache erschienen sind.

Nachhaltige Leseeindrücke, die Lust machen auf die grandiose Vielfalt afrikanischer Stimmen!

Mit Beiträgen u.a. von
Mia Couto, Paulina Chiziane, Bessie Head, Maaza Mengiste, José Eduardo Agualusa, Jamal Mahjoub, Ngugi wa Thiong`o, Koleka Putuma, Patrice Nganang, Sefi Atta.(Verlagstext)

Herausgeber:
Anita Djafari, geboren 1953, studierte Germanistik und Anglistik in Frankfurt, ist gelernte Buchhändlerin und arbeitete viele Jahre als Übersetzerin, Lektorin und Literaturvermittlerin. Seit 2009 ist sie Geschäftsleiterin bei Litprom e.V.

Manfred Loimeier, geboren 1960, beschäftigt sich seit 30 Jahren beruflich mit Literaturen aus Afrika und der Diaspora. Er ist als Rezensent, Moderator, Herausgeber, Übersetzer und Autor tätig. An der Universität Heidelberg lehrt er als Professor Afrikanische Literaturen Englischer Sprache und veröffentlichte zuletzt die Monografie „Ngugi wa Thiong'o" (edition text+kritik, München 2018).


Djafari, Anita
Loimeier, Manfred
Nehmen Sie den Weg nach Süden
Hardcover
214 Seiten
1. Auflage März 2020
Euro 22,00 inkl. MwSt.  Buch kaufen



Donnerstag, 14. März 2019

Rezension: Im Schatten des Löwen

DuMont
Rezension

WOLF - ULRICH  CROPP      

IM  SCHATTEN  DES  LÖWEN    


Wolf-Ulrich Cropp reist seit langem in afrikanische Länder und dieses Mal beginnt seine Reise mit einem unangenehmen Erlebnis in Simbabwe - er wird verhaftet. Er hat bei den Ruinen von Groß-Simbabwe übernachtet. Nur mit einem Deal und vorgetragenen Witzen kann er sich aus der brenzligen Situation herauswinden.
In Harare, der Hauptstadt, trifft er einen freundlichen Händler, der ihn den „Heldenacker“ zeigt, die „pompöse Gedenkstätte“ der Helden des ehemaligen Rhodesien. Während der Händler vom Wallfahrtsort, der am Nationalfeiertag Tausende Menschen anzieht, schwärmt, denkt der Autor über die Geschichte des Landes nach. Der lange und anstrengende Spaziergang endet in einer Musikkneipe bei Afro-Jazz und Bier.

Am Stausee bei den Victoria-Fällen, dem „größten Stausee, der von Menschen“ gebaut wurde, trifft Wolf-Ulrich Cropp auf die Tonga, die von ihrem Land vertrieben wurden als der Sambesi-Fluss gestaut wurde. Sie waren Fischer und trieben ein wenig Landwirtschaft - damals ging es ihnen noch gut. Heute sind sie arbeitslos und hungrig. Währen der Bauarbeiten passierten mehrere Unfälle und nach dem Bauende 1959 kam es zu Erdbeben. Die Tongo wissen warum…

Nach Ausflügen an die Wasserfälle und einer rasanten Wildwasserfahrt auf dem Sambesi mit Begegnungen mit Flusspferden, Krokodilen und anderen Reisenden, fährt Wolf-Ulrich Cropp mit dem Engländer James nach Botswana. Auch James hat viele Erfahrungen im südlichen Afrika gesammelt und einige Geschichten auf Lager. Von Maun starten die beiden mit weiteren Abenteurern in das tierreiche Okavango-Delta. Doch hier erwarten die kleine Reisegruppe nicht nur Fischadler, Flamingos, Nilkrokodile und Hippos sondern auch eine Romanze. „Flusssafaris sind wie Beziehungen zu Frauen: ein Spiel aus Nähe und Distanz“ kommentiert James die Situation.

Die Begegnung mit den San der Kalahari, der Urbevölkerung Afrikas, schildert der Autor beeindruckend und bedrückend. Jahrtausende lang zogen die San als Jäger und Sammler durch das südliche Afrika. Heute will sie niemand mehr haben. Ungeachtet ihres Wissens über die Natur und das Tierverhalten leben sie in den Slums der Städte. Nur wenige San können etwas vom Tourismus profitieren, wie die San in den Tsodillo Hills in Botswana, die hier Felsmalereien hinterließen.  

In Namibia startet Wolf-Ulrich Cropp von Windhoek aus in verschiedene Richtungen. Seine abenteuerliche Reise führt ihn u.a. zu den Diamanten, die Naukluft Berge, in die Namib, an die Skelettküste und den Fish River Canyon. Er begegnet Namas, Hereros, Ovahimba und der deutschen Kolonialgeschichte. Als junger Mann packte ihn 1962 das Diamantenfieber, an das er sich in einem Kapitel zurückerinnert. Heute ist er wieder in der Diamantenregion und der Leser erfährt Interessantes über den Abbau und die Menschen, wie die Bankiersfamilie Oppenheimer, den südafrikanischen Konzern de Beers, Diamanten-Schmuggler, die alle mit dem Diamantenhandel zu tun haben.
Er besucht den sterilen Ort Arandis mit der größten Uran Tagebau Mine der Welt, die zwar Geld ins Land bringt, aber die Arbeiter „bis in die Privatsphäre“ überwacht.
In Swakopmund werden Erinnerungen wach durch die Begegnung mit einer Freundin seiner Frau, die sich mit ihrem Mann in Namibia niederließ und eine Farm kaufte.

Immer wieder trifft  Wolf-Ulrich Cropp auf Suren deutscher Siedler und späterer Aussteiger, die ihm ihr Schicksal anschaulich erzählen. Im Kuiseb-Canyon versteckten sich zwei Geologen vor dem zweiten Weltkrieg und Henno Martin veröffentliche später das Buch: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste (2008).
Natürlich darf ein Besuch bei den Dünen in Sossusfly nicht fehlen und die anschließende Wanderung durch den Fish-River-Canyon endet in einem unerwarteten Abenteuer….

Autor:
Wolf-Ulrich Cropp wurde 1941 in Hamburg geboren. Als Manager im In- und Ausland lernte er alle Kontinente kennen. Seit 1997 widmet er sich ganz dem Reisen und Schreiben. Er fuhr Tausende Kilometer durch Alaska, wanderte durch den Dschungel West- und Zentralafrikas und segelte mit einer Dhau von der Ostküste Afrikas nach Sansibar. Zuletzt erschien von ihm das Reiseabenteuer „Wie ich die Prinzessin von Sansibar suchte“.  


Fazit:
Über 220 Seiten widmet sich der Autor Namibia, 109 Seiten hat er für Botswana reserviert und fast 80 Seiten für Zimbabwe. Seine Rückblicke in die Geschichte der Länder und seine eigene runden die Erlebnisse von heute ab. Er erzählt interessant und spannend und lässt auch seine abwechselnden Mitreisenden zu Wort kommen, die ebenfalls ihre Erfahrungen schildern, so wie die verschiedenen Guides, Fährtenleser, Taxifahrer, Einbaum-Lenker und viele andere freundliche Afrikaner, denen er in den drei Ländern begegnet.
Ein Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt fehlt ebenso wenig wie die Beschreibung der atemberaubenden Natur.

Eine Empfehlung für alle interessierten Leser und eine gute Vorbereitung für eigene Reisen nach Zimbabwe, Botswana und Namibia.


zum Angebot


Freitag, 4. Mai 2018

NEU: Der Erzähler von Algier

Papermoon

NACEUR  CHARLES  ACEVAL
 
DER  ERZÄHLER  VON  ALGIER
Geschichten aus dem Maghreb und von anderswo nacherzählt  

„Was kann ich tun, um die Menschen glücklich zu machen?“ fragte er sich. „Was kann ich ihnen geben, damit sie glücklicher werden und so die Welt besser wird?“ Er kam auf die Idee, den Menschen das zu schenken, was für ihn am kostbarsten war: seine Geschichten, Märchen und Legenden.

 Der gebürtige Algerier Naceur-Charles Aceval hat sich eben dies seit Jahren zur Aufgabe gemacht. Geboren wurde er 1951 in Algerien, als Sohn einer Nomadenfrau aus dem Stamm der Ouled-Sidi-Khaled aus der Region Tiaret und eines baskischen Siedlers, der in Algerien zur Welt gekommen war. Seit 1974 lebt Naceur-Charles Aceval in Deutschland und versucht durch seine Erzählungen eine Brücke zwischen dem Maghreb und Europa zu bauen.

Illustrationen von Bendix Bauer


Naceur-Charles Aceval
Der Erzähler von Algier
Hardcover, 88 Seiten
Format 13,5 x 21,5 cm
nur Euro 15,-  inkl. MwSt.    hier kaufen

Donnerstag, 6. Oktober 2016

NEU Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo

Be.bra
JALID  SEHOULI

Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo  - Erzählungen -

Tanger ist eine der geheimnisvollsten Städte der Welt. Bewohnt von hungrigen Schmugglern, exzentrischen Literaten und glücklosen Glücksrittern, war die »weiße Perle Afrikas« lange Zeit verrufen und ist noch heute ein Magnet unzähliger außergewöhnlicher Menschen und ihrer Schicksale.

Die Geschichte der Eltern von Jalid Sehouli ist mit diesem Ort eng verbunden. In den 1950er-Jahren mussten sie ihr Land verlassen, die Mutter, eine hervorragende Köchin, hat der Familie den Geschmack der marokkanischen Heimat mit ihren Gerichten bewahrt. Nach dem Tod seiner Mutter hat sich Jalid Sehouli auf den Weg gemacht den Sehnsuchtsort Tanger, in dem er selbst niemals lebte, für sich zu entdecken. Seine Begegnungen und Erlebnisse verwebt er zu einem faszinierenden Panorama, das von Sehnsucht, Liebe, Schmerz, Heimat und Verlust erzählt.

Der Band enthält auch 17 Rezepte der marokkanischen Küche aus dem Hause Sehouli.

Autor:
Jalid Sehouli, geboren 1968 in Berlin, ist das Kind marokkanischer Eltern. Er studierte Humanmedizin an der Freien Universität Berlin und ist Ordinarius an der Charité. Sehouli gehört zu den führenden Krebsspezialisten der Welt. 2012 erschien sein literarisches Debüt »Marrakesch«.

Jalid Sehouli
Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo
gebunden mit Schutzumschlag
Format 14 x 22 cm
272 Seiten  
1.Auflage Februar 2016
Euro 22,–  inkl. MwSt.    Buch kaufen

  

Freitag, 19. Februar 2016

Rezension: Das glückliche Ende - Tausendundeine Nacht

C.H.Beck
Rezenison

Claudia Ott

Tausendundeine Nacht - Das glückliche Ende       

“Es ist keine Einsamkeit so einsam wie die des Flüchtlings, welcher abgeschnitten ist von seiner Heimat und Familie.“ und „Wer klug ist, wird sich Trost verschaffen, indem er sich in der Fremde Freunde sucht und so das Unglück zu ertragen lernt.“ Bei diesen Sätzen könnte man glauben, dass sie in den letzten Monaten geschrieben wurden. Aber sie sind Teil einer längeren Geschichte mit dem Titel „Eine Leiche im Flussbett“. Darin heißt es weiter:  „Betritt der Unterdrücker einen Ort, so müssen die Bewohner eilends fort.“ Diese Zeilen sind an Aktualität kaum zu überbieten und doch sind sie Jahrhunderte alt und in der 888. Nacht Teil der neu entdeckten letzten Erzählungen von Tausendundeine Nacht - Das glückliche Ende.


Von Tieren und Menschen

„Schahrasad, du beste Erzählerin aller Zeiten! Lass uns aufregende Geschichten hören!“ Da erzählte sie von Tieren und Menschen, Aussprüche, Witze und Schwänke, „Anekdoten von schlagfertigen Blinden, Schwerhörigen und anderen Versehrten“, Streiche des Schelmen Musabbid oder „Aschabs Abenteuer mit dem geizigen Gouverneur von Medina.“ Und am Ende jeder Nacht hörte sie auf. Doch ihre Schwester Dunyasad forderte sie auf weiterzuerzählen. „…wenn ich dann noch lebe und mich der König verschont?“ bedenkt Schahrasad jedes Mal.

König Schadbacht und sein Wesir

Wir wissen, dass der König neugierig war und so erzählte Schahrasad auch „die Geschichte von König Schadbacht (glückliches Geschick) und seinem Wesir“ im zweiten Teil. Auch dies ist eine Rahmengeschichte und der Wesir sollte nach dreißig Nächten getötet werden. Doch dieser kannte jede Menge Geschichten von Händlern, Einbrechern, Kupplern und wahrer Gastfreundschaft, dem „hässlichen Mann mit der hübschen Frau“ oder den „beiden Gaunern, die sich gegenseitig betrogen“ mit „indischen Motiven und persischen Protagonisten“, die er Nacht für Nacht erzählte und so sein Schicksal hinauszögerte, bis ihm der König glaubte und das Leben schenkte. Allmählich bemerkte auch König Schahriyar, dass Schahrasad den Tod nicht verdient hat.

Sultan Baybars und die sechzehn Offiziere

Nun enthält das vorliegende Buch noch einen dritten Teil. Darin geht es um den mamelukischen Sultan Ruknaddin Baybars al-Bundukani, der tatsächlich von 1260 bis 1277 in Ägypten herrschte und seine sechzehn Offiziere, die ihm Geschichten der einfachen Leute erzählen sollten. Inhalt dieser arabischen Geschichten ist neben anderen „die Tücke der Weiber“ und genau unter diesem Titel stand das Buch jahrelang unbeachtet in der Raschit-Efendi Bibliothek in der anatolischen Kleinstadt Kayseri.

Das glückliche Ende

Im vierten Teil wird das Ende erzählt, doch es ist nicht irgendein Schluss sondern das lange vergessene glückliche Ende der Rahmengeschichte von Tausendundeiner Nacht, die im ersten Teil, den die Arabistin Dr. Claudia Ott von der arabischen Fassung von Muhsin Mahdi neu übersetzte, fehlt.
Endlich erkennt sich König Schahriyar in einer der letzten Geschichten selbst und was er getan hat. Er besinnt sich, um wieder auf den rechten Weg zu gelangen. Seine Hochzeit mit Schahrasad wird zur Doppelhochzeit, denn Dunyasad, die kleinere Schwester, heiratet den Bruder des Königs. Ruhe und Frieden kehren ein und der König gab den Chronisten den Auftrag die vielen Erzählungen aufzuschreiben und in der Schatzkammer aufzubewahren. Lange Zeit danach herrschte ein anderer gerechter König, der die Erzählungen fand, sich köstlich amüsierte und Abschriften anfertigen ließ. So gelangten die aufregenden und spannenden Geschichten aus Tausendundeiner Nacht durch die Reisenden in alle Welt.

Abenteuerliche Übertragung der Kayseri-Handschrift

Frau Dr. Ott konnte 2015 erstmals die Kayseri-Handschrift mit dem glücklichen Ende, die wahrscheinlich zwischen 1400 und 1600 entstanden ist, in Händen halten. Seit wann diese Handschrift in der 1796 gegründeten Raschit-Efendi-Bibliothek liegt, ist nicht belegt.
Die Übersetzung stürzte die Arabistin selbst in ein Abenteuer, das im Nachwort mit Unterstützung von einigen Schwarz-weiß-Bildern anschaulich und spannend beschrieben ist. Ergänzt werden die interessanten Ausführungen mit Erläuterungen zur Transkription und Aussprache, einem umfangreichen Glossar und arabischen Kalligraphien und Ornamenten.

Autorin:
Frau Dr. Claudia Ott, geb. 1968 in Tübingen ist Arabistin, Übersetzerin, Musikerin und gehört international zu den führenden Kennern von Tausendundeine Nacht. Sie hat in Tübingen studiert, in Berlin und Erlangen gelehrt und geforscht und unterrichtet jetzt an der Universität Göttingen.
Ihre deutsche Erstübersetzung der bisher ältesten Handschrift von Tausendundeine Nacht, die den Anfang und die ersten 282 Nächte enthält, wurde von der Kritik gefeiert und schnell zum Bestseller. Für diese Übersetzung erhielt Frau Ott u. a. den Johann-Friedrich-von-Cotta-Preis. Im Manesse-Verlag erschien 2012 die aus dem Arabischen erstmals ins Deutsche übertragene und umfassend kommentierte Ausgabe von Hundertundeine Nacht nach der andalusischen Handschrift des Aga Khan Museums. 


Fazit:
In der heutigen unruhigen Zeit hat man manchmal das Bedürfnis, in die „heile“ Welt der Märchen zu entfliehen. Die Erzählerin Schahrasad nimmt den Leser auf phantasievolle Reisen in den östlichen Orient bis nach Samarkand und China mit.
Nach der Neuübersetzung der ersten Nächte von Tausendundeine Nacht und der sensationellen Entdeckung einer Handschrift der davon unabhängigen 101 Nächte, konnten nun die letzten 125 Erzählungen bis zum „glücklichen Ende“ erstmals ins Deutsche übertragen werden.
Sehr interessant ist das Nachwort, das die aufregende und umfangreiche Übersetzungsarbeit beschreibt. Wieder ist es Frau Dr. Ott gelungen ein lange Zeit verborgenes Originalmanuskript zu bearbeiten, um den Freunden der „Neuen Orientalischen Bibliothek“ des C.H.Beck-Verlags einen vergnüglichen und amüsanten Lesegenuss zu bereiten.

Wer die Möglichkeit hat eine Lesung oder ein Erzählkonzert mit Frau Dr. Ott zu erleben, wird verzaubert und beschwingt den Abend genießen und sollte diese Gelegenheit einer „Live“-Erzählung der Geschichten aus Tausendundeine Nacht nicht verpassen. 



Sonntag, 7. Februar 2016

Neuerscheinung: 1001 Nacht - Das glückliche Ende

1001 Nacht
Neuerscheinung

CLAUDIA  OTT

TAUSENDUNDEINE  NACHT - Das glückliche Ende

In einer kleinen Bibliothek in Zentralanatolien, die vor 250 Jahren ein Sammler alter Handschriften erbaute, liegt – versteckt in einem falsch beschrifteten Schuber – ein uraltes Manuskript des Endes von „Tausendundeine Nacht“. Diese sensationelle Entdeckung macht Claudia Ott mit ihrer Übersetzung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Über das Ende der Rahmenerzählung von der klugen Schahrasad, die durch ihre Geschichten König Schahriyar davon abhält, sie zu töten, war bisher so gut wie nichts bekannt.

Die vollständigen arabischen Manuskripte, die erst im 19. Jahrhundert unter europäischem Einfluss entstanden sind, blenden die Rahmenerzählung fast völlig aus. Erstmals werden nun die letzten 
125 Nächte des Zyklus sowie der ausführliche Schluss in einer arabischen Fassung zugänglich, die viele Jahrhunderte älter ist.

Claudia Ott versteht es meisterhaft, die Unmittelbarkeit und Frische des arabischen Originals zu vermitteln. Frei von allen europäischen Übermalungen und Ausschmückungen entführt sie den Leser in eine zauberhafte Welt der Paläste und Basare, der weisen Wesire und verschlagenen Händler, eine Welt voller erotischer Abenteuer und böser Streiche.
„Ach, Schwester“, seufzte Dunyasad, „wie köstlich ist deine Geschichte und wie schön und süß und angenehm!“ (Verlagstext)

Nach der Handschrift der Rasit-Efendi-Bibliothek Kayseri erstmals ins Deutsche übertragen von Dr. Claudia Ott.

Mit Kalligraphien von Mustafa Emary

Autorin:
Dr. Claudia Ott, geb. 1968 in Tübingen ist Arabistin, Übersetzerin, Musikerin und gehört international zu den führenden Kennern von Tausendundeine Nacht. Sie hat in Berlin und Erlangen gelehrt und geforscht und unterrichtet jetzt an der Universität Göttingen.
Ihre deutsche Erstübersetzung der bisher ältesten Handschrift von Tausendundeine Nacht, die den Anfang und die ersten 282 Nächte enthält, wurde von der Kritik gefeiert und schnell zum Bestseller (Gesamtauflage über 100.000 Exemplare). Für diese Übersetzung erhielt Ott u. a. den Johann-Friedrich-von-Cotta-Preis. Im Manesse-Verlag erschien 2012 die aus dem Arabischen erstmals ins Deutsche übertragene und umfassend kommentierte Ausgabe von Hundertundeine Nacht nach der andalusischen Handschrift des Aga Khan Museums.  

Claudia Ott
Tausendundeine Nacht - Das glückliche Ende
Leineneinband
14 Fotografien, 1 Karte   
428 Seiten mit 7 Kalligraphien nach Texten aus der Kayseri-Handschrift
1.Auflage 2016
Euro 24,95 inkl. MwSt.    Buch kaufen



Lesungen in Deutschland:

Donnerstag, 18. Februar 2016: Celle
Ort: Buchhandlung Decius, Am Markt
Beginn: 20 Uhr

Freitag, 19. Februar 2016: Hildesheim
Ort: Buchhandlung Decius, Hoher Weg 15, 31134 Hildesheim
Beginn: 19 Uhr

Dienstag, 8. März: Nürnberg
Mit Hadi Alizadeh (Daff und Tonbak/Persische Perkussion), Yusuf Çolak (Bağlama/Anatolische Langhalslaute) und Claudia Ott (Ney/Orientalische Rohrflöte und Lesung)
Ort: Literaturhaus Nürnberg, Luitpoldstraße 6, 90402 Nürnberg
Beginn: 20 Uhr

Donnerstag, 10. März 2016: Braunschweig
Orientalisches Leseduett mit Yusuf Çolak (Bağlama/anatolische Langhalslaute) und Claudia Ott (Ney/türkische Rohrflöte und Lesung)
Ort: Buchhandlung Graff, Sack 15, 38100 Braunschweig
Beginn: 20:15 Uhr

Donnerstag, 17. März 2016 und
Samstag, 19. März 2016:
Leipziger Buchmesse

Freitag, 15. April 2016: Bad Wildungen
Orientalisches Leseduett mit Yusuf Çolak (Bağlama/anatolische Langhalslaute) und Claudia Ott (Ney/türkische Rohrflöte und Lesung)
Ort: Schloss Friedrichstein, Schloßstrasse 23, 34537 Bad Wildungen
Beginn: 17 Uhr



Weitere Termine und Informationen über Claudia Ott und ihre Bücher: www.Tausendundeine-Nacht.com 


Tausendundeine Nacht

1001 Nacht
CLAUDIA  OTT

TAUSENDUNDEINE  NACHT

Diese Neuübersetzung von Tausendundeine Nacht macht erstmals die älteste arabische Fassung der berühmten orientalischen Erzählsammlung auch deutschen Lesern zugänglich. Die Übersetzerin
Dr. Claudia Ott führt uns mit einer Frische und Ungezwungenheit durch das Labyrinth der kunstvoll verwobenen Erzählfäden, dass man meint, Schahrasad selbst zu hören.
Nicht mehr ein europäischer Orientalismus spricht durch Tausendundeine Nacht zu uns, sondern endlich der Orient selbst.

Die nächtlichen Erzählungen von Schahrasad, mit denen sie ihren königlichen Gatten verzaubert und so ihre Tötung immer wieder aufschiebt, entführen den Leser in die Welt der Basare und Karawansereien, der weisen Kalifen und verschlagenen Händler, der vornehmen Damen und klugen Ehefrauen, der mächtigen Zauberinnen, bösen Dämonen und Dschinnen. Sie berichten von erotischen Vergnügen und harten Schicksalsschlägen.

Wie kein anderes Werk ist Tausendundeine Nacht Inbegriff eines romantischen, exotischen Orientbildes. Dieses Orientbild geht allerdings nicht unmittelbar auf Tausendundeine Nacht zurück, sondern wurde seit dem 18. Jahrhundert von Europäern in die verschiedenen Übersetzungen und Sammlungen hineingetragen. Zudem wurden die Erzählungen dem europäischen Geschmack angepasst, indem die zuweilen derbe Ausdrucksweise und unverblümte Erotik des Originals durch einen biederen Märchenstil ersetzt wurden. Nachdem Muhsin Mahdi 1984 die weitaus älteste Handschrift aus dem 14./15. Jahrhundert ediert hat, ist es jedoch möglich, die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht in einer von allen Übermalungen, Ausschmückungen und Prüderien der letzten Jahrhunderte freien Form kennenzulernen.

Nach der ältesten arabischen Handschrift in der Ausgabe von Muhsin Mahdi, erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott. (Verlagstext)

Autorin:
Dr. Claudia Ott, geb. 1968 in Tübingen ist Arabistin, Übersetzerin, Musikerin und gehört international zu den führenden Kennern von Tausendundeine Nacht. Sie hat in Berlin und Erlangen gelehrt und geforscht und unterrichtet jetzt an der Universität Göttingen.
Ihre deutsche Erstübersetzung der bisher ältesten Handschrift von Tausendundeine Nacht, die den Anfang und die ersten 282 Nächte enthält, wurde von der Kritik gefeiert und schnell zum Bestseller (Gesamtauflage über 100.000 Exemplare). Für diese Übersetzung erhielt Ott u. a. den Johann-Friedrich-von-Cotta-Preis. Im Manesse-Verlag erschien 2012 die aus dem Arabischen erstmals ins Deutsche übertragene und umfassend kommentierte Ausgabe von Hundertundeine Nacht nach der andalusischen Handschrift des Aga Khan Museums.  


Claudia Ott
Tausendundeine Nacht
Leineneinband
699 Seiten
11. Auflage 2011
Euro  29,90 inkl. MwSt.   Buch kaufen


Mittwoch, 20. Januar 2016

Rezension: Traumbild des Herzens

Manesse
Rezension

DSCHALALUDDIN  RUMI

TRAUMBILD  DES  HERZENS

Wenn Sie Ihrer oder Ihrem Liebsten zum Valentinstag ein außergewöhnliches Buch schenken möchten, greifen Sie zum „Traumbild des Herzens“ mit 100 Lebensweisheiten des mystischen Sufis Dschalaluddin Rumi. Der persische Dichter war ebenso berühmt wie sein Kollege Hafiz, dem Goethe seinen „West-Östlichen Diwan“ widmete.

„Die Liebe schenkt den Teil erst und dann das ganze All.
Die Traube ist erst sauer und dann ein süßer Ball.
Und so ist auch die Regel, Herz, wenn der Lenz sich naht:
Erst meldet sich die Katze, dann sing die Nachtigall.“

Orden der Tanzenden Derwische

Rumi lebte von 1207 bis 1273 und wurde in Balch (im Altertum Hauptstadt von Baktrien, an der iranischen Seidenstraße) an der Nordgrenze des heutigen Afghanistan geboren und musste vor dem Mongolen fliehen. Als junger Gelehrter heiratete er in Anatolien, 1228 ließ sich die Familie in der Seldschukenstadt Konya (Türkei) nieder. Rumi wurde nach dem Tod seines Vaters Hofprediger bei den Seldschuken und Begründer des Ordens der Tanzenden Derwische.

Shamsuddin i-Tabriz, der geliebte Freund

In Konya lernte Rumi den Derwisch (persisch: asketischer Mönch) Shamsuddin (Shams i-Tabriz, Sonne aus Tabriz) kennen, der sich nach einer langen Wanderschaft in Konya niederließ. Rumi fühlte sich so sehr von Shams angezogen, dass er seine Familie und seine Anhänger vernachlässigte, was diese mit großer Eifersucht quittierten. Shams floh nach Damaskus, doch Rumi wollte ohne den lieben Freund nicht sein und schickte seinen Sohn Sultan Waled, um Shams zur Rückkehr zu  bewegen. Shams heiratete das Mädchen Kimiya („Elixier“) aus dem Hause des Rumi, welches er sehr liebte und die mystische Beziehung zu Rumi wurde fortgesetzt. Als Kimiya starb, verschwand auch Shams bald darauf, der wahrscheinlich von eifersüchtigen Anhängern Rumis und mit Hilfe mindestens einem seiner Söhne ermordet wurde. Rumi suchte Shams in Damaskus, doch als er bemerkte, dass der geliebte Freund nie mehr zurückkehren würde, fiel er in tiefe Verzweiflung.

„Sterben aus Liebe“

Seinen Schmerz verarbeitete Rumi in tausenden von Versen, in denen der Geliebte weiterlebte und Rumi den Verlust beklagte. In der persischen und arabischen Dichtung findet das „Sterben aus Liebe“ immer neue Wendungen und oft ist damit auch die „ersehnte Vereinigung mit dem göttlichen Geliebten“ gemeint, die die Mystiker anstreben. Rumi drückte damit nicht nur die Liebe zu Shams und seinen irdischen Nachfolgern aus, sondern meint damit symbolisch die Beziehung des Menschen zu Gott. Ein Mystiker begreift die „Schöpfung mit ihren Erscheinungen als Abglanz und Spiegel innerer Wirklichkeiten, göttlichen Realitäten.“

Mathnawi und Diwan

Nach dem Tod Rumis setzte sein Schüler Husanuddin (Schwerter der Religion) Celebi die Leitung des Ordens fort, dem Rumi sein Werk von 26000 Versen diktierte, ein mystisches Gedicht der Lehren der Sufis mit zahlreichen Erzählungen, die nach Art der „Märchen aus 1001 Nacht“ ineinander verschachtelt sind.

Kaum ein anderer persischer Mystiker verarbeitete die „Fülle des Lebens“, die „Empfindungen von Liebe und Freundschaft“, die „Welt des Werdens und des Seins“, Historisches und Alltagsgeschehnisse wie Rumi in seinen Werken, dem „Mathnawi (Bibel der Sufis) und dem Diwan mit rund 3000 Ghaselen und etwa 2000 Vierzeilern, den Ruba’is. Die Ruba’is sind eine besondere Form persischer Dichtkunst, bei der „gleichklingende Wörter eine  verschiedene Bedeutung“ haben und in Variationen die Aussage der ersten Zeilen in der vierten Zeile wieder zur ersten Zeile zurückgeführt wird.

Die Auswahl in diesem Büchlein ist in die drei Abschnitte eingeteilt:

Freundschaft und Liebe:
„Ich bin der Staub, Du die Sonne, die mir das Licht zuteilt.
Ich bin vor Kummer krank, Du das Mittel, das mich heilt.
Ich fliege ohne Flügel und Federn zu Dir hin,
der Bernstein Du, ich ein Stroh nur, von deinem Sog ereilt. “

Leben und Lernen:
„Wer mit Wissen und Verstand ausgestattet wurde,
 der gilt als fähig, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Wer aber als hohler Kopf angesehen wird,
 der wird dafür mit Geld vollgestopft. “   

und Musik und Dichtung:
„Deine Vollkommenheit hat meine Liebe entfacht.
Deine Anmut hat mich zum Dichter gemacht.
Es tanzt Dein Traumbild auf der Bühne meines Herzens.
Den schönen Tanz hast Du  mir beigebracht.“

Heiteres, Zartes und Scherzhaftes sowie Leidenschaft und Ekstase lassen sich in einer „sinnlich-erotischen“ und einer „mystischen“ Ebene lesen, die mal fremdartig, mal mitreißend wirkt und den Leser verzaubert. Johann Christoph Bürgel hat die Verse so nachgedichtet, dass sie wie „auf Deutsch verfasst“ klingen und sie in wörtlicher Übersetzung zum Vergleich beigefügt. Die Anmerkungen am Ende des Buches geben Hinweise und Erklärungen zu den Vierzeilern. Ebenso wird der Schlüssel zum Auffinden der Verse in der Ausgabe des persischen Textes von Furuzanfar angegeben.


Johann Christoph Bürgel (geb. 1931) ist Professor emeritus für Islamwissenschaft an der Universität Bern. Für seine Übersetzungen klassischer literarischer Werke aus dem Persischen, Arabischen und Urdu erhielt er 1983 den Rückert-Preis und 1993 den Übersetzerpreis der Stadt Bern. Bürgel ist der Herausgeber der Anthologie „Tausendundeine Welt“ (2007,C.H.Beck) und Übersetzer von Nizami’s „Die Abenteuer des Königs Bahram und seiner sieben Prinzessinnen“ (1997,C.H.Beck). Die „Traumbilder des Herzens“ sind eine Neuausgabe des Manesse-Verlags 2015.


Fazit:
Die „Traumbilder des Herzens“ berühren die Seele. In der heutigen unruhigen Zeit zeigen die Verse der persischen oder arabischen Dichter eine andere Seite, die zu oft übersehen wird oder unbekannt ist und die deutsche Dichter wie Goethe oder Rückert bereits im 18. Jh. zum Nachdichten oder übersetzen inspirierten. Man sollte sich öfter diesem Kunstgenuss einer anderen Kultur zuwenden.

Neben Bürgel hat Friedrich Rückert Rumis Diwan übertragen und besonders gern die Ghaselen nachgedichtet. Dem 150. Todestag Friedrich Rückerts wird am 31. Januar 2016 gedacht.

„Ich sah einen Schelm sitzen auf dem Ross der Erde:
weder Unglaube noch Islam, weder Welt noch Religion!
Weder Recht noch Wahrheit, noch Scharia, noch Gewissheit!
Wer hat in beiden Welten die Kühnheit zu diesem?“




Traumbild des Herzens

Manesse

DSCHALALUDDIN  RUMI         

TRAUMBILD  DES  HERZENS
Hundert Lebensweisheiten islamischer Mystik

Mal leidenschaftlich, mal zärtlich, überschwänglich oder düster, jedoch immer sinnlich und mitreißend umkreist Rumi das Thema der Liebe: Seine Gedichte handeln von Hingabe, Sehnsucht und Entbehrung, von der innigen Verbundenheit mit dem geliebten Menschen und mit Gott.

Dschalaluddin Rumi ist berühmt als Verfasser bilderreicher, ekstatischer religiöser Gedichte, in denen er von seinem leidenschaftlichen Streben nach der Vereinigung mit Gott spricht. Seine Verse sind Ausdruck großer Lebensweisheit und Sinnlichkeit. Beflügelt von seiner außergewöhnlichen, rauschhaften Verbindung mit dem Derwisch Schams - und deren jähem Ende -, besingt Rumi die Freundschaft als Symbol der Beziehung zu Gott und die Liebe als Triebkraft des Universums. Seine große Kunst besteht darin, einen nahezu unerschöpflichen Gedankenreichtum in knappe, klare Worte zu fassen. Voller Fantasie sind seine Bilder, voller Musik ist seine Sprache.

«Traumbild des Herzens» bietet eine exklusive Auswahl aus Rumis «Diwan», dem Meisterwerk der persischen mystischen Lyrik.
  
Autor
Muhammad Dschalaluddin Rumi (1207–1273) ist neben Hafis der bedeutendste persische Dichter. Er verbrachte den Großteil seines Lebens in Anatolien, war Sufi-Prediger und begründete den Orden der Tanzenden Derwische. Seine erotisch-mystische Freundschaft zu dem Wanderderwisch Schams inspirierte ihn zu über dreitausend inbrünstigen Gedichten. (Verlagstext)

Dschalaluddin Rumi        
Traumbild des Herzens
gebunden
Leinen mit Schutzumschlag
Neuausgabe 2015
Euro 19,95 inkl. MwSt.   Buch kaufen


Mittwoch, 12. August 2015

Visionäre Afrikas

Moustapha Diallo

MOUSTAPHA  DIALLO

VISIONÄRE  AFRIKAS 

Der Kontinent in ungewöhnlichen Porträts

In über 40 Portraits erzählt dieses Buch von außergewöhnlichen Menschen Afrikas. Von Frauen und Männern, die bewundert werden, geachtet und geliebt, weil sie eine Vision hatten und nicht von ihr ließen, bis sie ihr Ziel erreicht hatten. Für ihr Dorf, ihre Region, ihr Land. Als Erfinder oder Universitätsgründer, als Widerstandskämpferin oder Popmusiker, als Umweltaktivist oder Schriftstellerin. Alle Portraits sind von Afrikanerinnen und Afrikanern geschrieben.

Unter den Autorinnen und Autoren der - mal essayistischen, mal erzählerischen Beiträge -  finden sich bekannte Namen wie Véronique Tadjo, Monique Ilboudo, Sami Tchak und Patrice Nganang, aber auch Autoren, die sich erstmals einem deutschen Lesepublikum vorstellen. Ein buntes, facettenreiches  Buch über besondere Menschen Afrikas, gesehen mit afrikanischen Augen.

Autor:
Moustapha Diallo studierte im Senegal, in Österreich, Deutschland und Frankreich. Er promovierte in Frankreich zum Thema „Wahrnehmung und Darstellung des Fremden im Werk Ingeborg Bachmanns“ und arbeitet zur Zeit an einem Habilitationsprojekt über Interkulturalität. Er arbeitete als Lehrbeauftragter am Germanistischen Institut der Uni Paderborn und als Deutschlehrer in Münster.
(Verlagstext)

Moustapha Diallo (Hrsg.)
Visionäre Afrikas
Klappenbroschur
368 Seiten
1.Auflage  
Euro 29,90  Buch kaufen

NEUERSCHEINUNG - Afrika - Geschichte eines bunten Kontinents

Lutz von Dijk
 LUTZ  VAN  DIJK

AFRIKA - GESCHICHTE  EINES  BUNTEN  KONTINENTS

Neu erzählt mit afrikanischen Stimmen

Afrika – mit 54 Staaten, über 1000 Sprachen und der jüngsten Bevölkerung der Welt – ist bunt und vielfältig, uralt und modern. In Europas Erzählung vom „schwarzen Kontinent“ klingt diese Vielfalt selten an. Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit hält sie fest an der Mär von Afrikas Geschichtslosigkeit und politischer Bedeutungslosigkeit, die aktuellen Medienbilder bleiben verkürzt auf politische Schreckensszenarien und exotische Folklore.

Lutz van Dijks spannende Geschichte Afrikas – die er vor allem für junge Leserinnen und Leser geschrieben hat – will es anders und beleuchtet unzählige Facetten des Kontinents. Sie beginnt bei der Entstehung des Erdteils und den ersten Menschen, die von hier aus in alle Welt wanderten. Sie erzählt von den frühen Hochkulturen im islamischen Norden und den christlichen und traditionell-afrikanisch geprägten Kulturen im Süden, vom Leben in der Steppe und in den modernen Großstädten. Der Autor berichtet von den Jahrhunderten europäischer Kolonialisierung und der Befreiung und macht schließlich hochaktuelle Themen wie Aids und Ebola, die neue Rolle Chinas, den „arabischen Frühling“, Boko Haram, Flucht und Vertreibung verständlicher.

Die größte Stärke dieses Werks aber liegt darin, dass Afrikanerinnen und Afrikaner immer wieder selbst zu Wort kommen: Sie erzählen von ihrem Leben und ihren Hoffnungen und machen das Bild von Afrika endlich menschlich und lebendig: das nachhaltigste Mittel gegen das Klischee vom schwarzen Kontinent!

Autor:

Lutz van Dijk, 1955 in Berlin geboren, war Lehrer in Hamburg, bevor er Mitarbeiter am Anne Frank Haus in Amsterdam wurde. Er promovierte über „Oppositionelles Lehrerverhalten 1933-1945“ und hatte eine tragende Rolle in der pädagogischen Friedensarbeit der 80er Jahre. Seit 2001 lebt er als Schriftsteller und Mitbegründer der südafrikanischen Stiftung HOKISA für von HIV/Aids betroffene Kinder und Jugendliche in Kapstadt. Seine Romane und Sachbücher waren u.a. nominiert für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis und den Deutschen Jugendliteraturpreis. 2001 erhielt Lutz van Dijk den Gustav-Heinemann-Friedenspreis, 2009 die Poetik-Ehrenprofessur der Universität von Oldenburg.

(Verlagstext)
  
Lutz van Dijk
Afrika - Geschichte eines bunten Kontinents
gebunden, durchgehend vierfarbig
rund 320 Seiten mit zahlreichen Karten und Abbildungen
1.Auflage 2015
Euro 22,00  Buch kaufen

ab 12 Jahren


Samstag, 14. Juni 2014

Maurenland, Christenland - Rezension

Maurenland, Christenland
Ein Ritter, ein König, ein Poet
Rezension
MAURENLAND,  CHRISTENLAND
Ein Ritter, ein König, ein Poet: 
Drei Jahrhunderte spanische Reconquista

ISABEL  BLANCO  DEL  PINAL

Wer eine Kulturreise nach Spanien plant und sich darauf vorbereiten möchte, kommt um die Bücher von Isabel Blanco del Piñal nicht herum. Mit ihren außerordentlichen Detailkenntnissen über Land und Leute bringt sie den interessierten Leser das „goldene Zeitalter“ Spaniens, nämlich das Andalusien (Al-Andalus) des Mittelalters näher.

Das vorliegende Buch Maurenland, Christenland gibt die Lebensgeschichte 3 bedeutender Männer aus wichtigen Epochen wieder: Ritter Rodrigo Diaz de Vivar, genannt El Cid, aus dem 11. Jahrhundert, König Alfons X. aus dem 13. Jahrhundert und Dichter Miguel de Cervantes Saavedra aus dem 16./17. Jahrhundert. Alle drei lebten in Spanien in unruhigen politischen Zeiten, die sie mit ihren Taten beeinflussten bzw. unterhielten.

Der Ritter Rodrigo Diaz de Vivar

Wer kennt ihn nicht, den couragierten Ritter, der mal mit mal gegen die Mauren in den Kampf zog und durch den Hollywoodfilm aus den 1960er Jahren, „Der Cid“ mit Charlton Heston und Sophia Loren, auch in Deutschland berühmt wurde.
Das Leben von Rodrigo Diaz de Vivar beginnt 1043, als die Andalusier, die Muslime berberisch-arabischer Abstammung, fast ganz Spanien beherrschten. Zu dieser Zeit begann die Macht zu bröckeln, denn die berühmten Kalifen der Omayyadenherrschaft hatten unfähige Nachfolger, die das große Reich nicht zu regieren wussten und so zerfiel es in kleine Königreiche, die Taifas. Lebten vorher Muslime, Christen und Juden „gleichberechtigt“ unter islamischer Herrschaft neben- und miteinander, so witterten nun die nördlichen vier Königreiche Asturien-Léon-Kastilien, Aragon, Navarra und Katalonien ihre Chance auf Rückeroberung der ehemals westgotischen Gebiete.

Rodrigo Diaz de Vivar zieht von einer erfolgreichen Schlacht zur nächsten und wird dadurch immer reicher und mächtiger, doch „seinem“ König Alfons VI. bleibt er treu. Genauso oft verhandelt er aber auch mit den andalusischen Königen der Taifas und kann letztlich Valencia, sein großes Ziel für sich erobern. Mal kämpft er für die Andalusier mal gegen sie und dieses Wechselspiel brachte ihm später den umstrittenen Ruhm als „Maurenfreund“ ein, der genauso gut arabisch wie spanisch sprach und die Sitten und Traditionen auf beiden Seiten kannte.
Während auf der anderen Seite des Mittelmeers die Kreuzritter Jerusalem eroberten, starb 1099 der mutige Ritter Rodrigo, der den Titel El-Cid (arab. Sidi, respektvoller Herr) von den Andalusiern erhielt.

Das Leben des Cid wird in diesem Buch von der christlichen und maurischen Seite sowie durch die tatsächliche Geschichte und Legenden betrachtet, das bis ins 20. Jahrhundert immer wieder Thema von Theaterstücken, Filmen, Literatur war und sogar für Machtspiele der Franco-Diktatur missbraucht wurde. Bis heute Rodrigo Diaz de Vivar, genannt der Cid, zu den spanischen Nationalhelden.

Der König Alfons X.

Das 13. Jahrhundert wird mit der Persönlichkeit des Königs Alfons X. von Kastilien und Leon beschrieben. Er war einer der gebildetsten Herrscher seiner Zeit, für ihn spielen Geisteswissenschaften, fortschrittliches Denken, Toleranz und Dichtkunst eine bedeutende Rolle. Er schrieb über Astronomie, Astrologie, Mathematik und Recht, verfasste Gesetzestexte, aber auch Bücher über Würfel- und Brettspiele. Chronisten überwachte er persönlich und natürlich verschönte er, wie seine Nachfolger auch, für ihn nachteilige Passagen. Die Übersetzerschule von Toledo wurde unter seiner Herrschaft wieder weltberühmt und Christen, Muslime und Juden arbeiteten eng miteinander.
Seine dichterische Liebe galt der Heiligen Maria, für die er eigene Gedichte verfasste und von überall Geschichten und Gedichte sammelte, die in seinem Werk „Las Cantigas de Santa Maria“ (Die Loblieder der Heiligen Maria, 1277-1282) zusammengetragen und veröffentlicht wurden.

Doch neben all diesen wissenschaftlichen Tätigkeiten war Alfons X. auch noch König und als solcher „Imperator und Souverän von Gottes Gnaden“, der keine Einmischung von außen durch die Kirche duldete, was in einer Zeit, in der auf der anderen Seite des Mittelmeers die Kreuzzügler Jerusalem beherrschten und sich die Kirche überall einmischte, nicht so einfach war, denn Alfons war tolerant und offen für die andalusische und islamische Kultur.
Sein Ehrgeiz Kaiser des heiligen römischen Reiches zu werden, leerte die Staatskassen und brachten Alfons, neben anderen eher undurchsichtigen Machenschaften, zu Fall.

Der Dichter Miguel de Cervantes Saavedra

1547 wurde Miguel de Cervantes Saavedra in der Nähe von Madrid geboren. Berühmt wurde er durch seinen Roman „Don Quichotte von La Mancha“. Weniger bekannt sind seine vielen Theaterstücke und Sonetten, mit denen er versuchte seinen Lebensunterhalt zu verdienen, was aber auch in dieser Zeit nicht reichte und so nahm er andere Stellen, auch am spanischen Hof an, um seine Familie ernähren zu können, was im 16. Jahrhundert ziemlich schwierig war. Die spanischen Plünderungen Südamerikas brachten zwar viel Gold und Geld in die Staatskasse Spaniens, die König Philipp II. schnell durch die Ausrüstung der Armada gegen England und vieler anderer Ausgaben wieder verlor.

Das Leben Miguel de Cervantes ist gekennzeichnet von Ungerechtigkeiten ihm gegenüber, Geldmangel, Gefängnisaufenthalte und erst spätem Ruhm als „Erfinder des modernen Romans“, der ihm allerdings keinen „Geldsegen“ brachte, im Gegenteil, der Neid seiner Dichterkollegen begleitete ihn bis an sein Lebensende.
Zu seiner Zeit spielte die Geschichte des 16./17. Jahrhunderts auf dem Mittelmeer zwischen türkischer Herrschaft zur See und auf der südlichen Mittelmeerseite und den europäischen Versuchen die Osmanen zu besiegen. Cervantes war  1571 bei der Schlacht von Lepanto dabei, als die Europäer diese Seeschlacht gegen die Osmanen gewannen und er als Gefangener nach Algier kam. Dort blieb er einige Jahre bis er freigekauft wurde und nach Spanien zurückkehrte.

Für Cervantes waren Freiheit und Gerechtigkeit von überragender Bedeutung, um beides musste er immer wieder kämpfen und erlebte doch am eigenen Leib, was Ungerechtigkeit war.
Cervantes hat sich nach Ruhm und Anerkennung gesehnt, die ihm allerdings erst nach seinem Tod 1616 zuteil wurden. Heute gibt es über 4000 Biografien über den Poeten und seine Werke und im Centro Cervantino, der Museumsbibliothek von El Toboso werden 122 Ausgaben von Don Quichotte in 56 Sprachen aufbewahrt und ausgestellt, darunter eine mit der Unterschrift von Fürst Otto von Bismarck aus dem Jahr 1853.


Fazit:
Auch in diesem Buch schreibt Isabel Blanco del Piñal keine langweiligen Geschichtsfakten sondern einfühlsame und unterhaltende Porträts wichtiger Persönlichkeiten der spanischen Geschichte zur Zeit als Mauren, Christen und Juden friedlich miteinander in Al-Andalus lebten. Sie ergreift nicht Partei und beleuchtet die Geschichte von der berberisch-arabisch-muslimischen wie auch von der spanisch-christlichen Seite.
Isabel Blanco del Piñal hat ihr Herz an Spanien bzw. Andalusien verloren und beschert uns dadurch wunderbare Bücher zur mittelalterlichen Kultur des Landes. Ihre intensiven Kenntnisse und ihre Liebe zum Land sind auf wunderbare Art eingearbeitet. Das empfehlenswerte Buch ist gut zu lesen und wird mit vielen Farbbildern nochmals aufgewertet. Fachbegriffe werden am Ende bestens erklärt.


Autorin:
Isabel Blanco del Piñal wurde 1946 in Fulda geboren und wohnt heute überwiegend in München. Sie lebte und arbeitete zunächst 5 Jahre in Frankreich, danach 17 Jahre in Spanien. Sie schreibt ebenfalls für spanische Medien und ihr umfangreicher Beitrag über den Historiker Ibn Chaldun fand große Beachtung.
„Das größte Anliegen der Autorin ist Verständnis für fremde Kulturen zu wecken und das reiche, geschichtliche und kulturelle Vermächtnis der Völker auf einfache Art nahe zu bringen. Sie ist überzeugt: „Nur wer die Vergangenheit eines Volkes, eines Landes kennt, kann seine Menschen und seine Kultur heute verstehen.“

Werden in diesem Buch drei christliche Persönlichkeiten vorgestellt, beschreibt sie in ihrem Buch „Land am Sonnenuntergang“ nicht nur die Geschichte des Landes sondern auch das Mittelalter in Marokko durch wichtige Persönlichkeiten, wie z. B. den Chronisten Ibn Khaldun und lässt Emire zu Wort kommen, die auf beiden Seiten der Straße von Gibraltar lebten.

Isabel Blanco del Piñal ist eine ausgezeichnete Beobachterin und ihre Liebe zu Andalusien und den „Spuren der alten Araber“ hat sie nun sogar bis nach Usbekistan geführt, doch das ist eine weitere Geschichte, die noch geschrieben wird…
Ihre Bücher erscheinen in ihrem Verlag RoseNoire in München.


Isabel Blanco del Piñal
Maurenland, Christenland
Hardcover, 21 x 16 cm
100 Farbbilder, 440 Seiten
Euro 19,80    Buch kaufen