Donnerstag, 27. Mai 2021

Rezension: Wir Gotteskinder

Penguin
WIR  GOTTESKINDER

NANA  OFORIATTA  AYIM 
Roman

Maya wünscht sich das Glück, „die Wahrheit durch Worte auf einer Buchseite zu finden“. Sie fragt sich, „warum wir an der Vergangenheit festhalten, warum wir Museen bauen, Bücher schreiben und konservieren?“

Maya wächst in Deutschland und England auf. Ihre Mutter ist Prinzessin Yaa des ghanaischen Königshauses, ihr Vater ist Arzt. In Deutschland geht Maya in den Kindergarten, in England zur Schule und wenn sie ungezogen  ist, droht ihr Vater sie nach Ghana zu schicken, in das Dorf aus dem die Eltern weggegangen sind. Sehnsüchtig warten sie auf eine politische Wendung nach dem Abzug der Kolonialherren.
Die Elterngeneration wurde nach Europa oder Amerika geschickt, um zu studieren und um dann das Land neu aufzubauen, aber der Vater hatte seine Zweifel und so blieb die Familie in Europa.

Eines Tages kommt Mayas Cousin Kojo aus Ghana in die Familie und er geht mit Maya zur Schule. Gleich am ersten Tag  gibt er einem Mitschüler eine Ohrfeige und wehrt sich gegen den „allgemeinen“ Rassismus, während Maya ihn eher hinunterschluckt. Kojo erzählt Maya allerlei Geschichten über ihr Heimatland, das sie kaum kennt und die beiden Kinder treiben einigen Schabernack.
Nach einem heftigen Streit zieht Mayas Vater aus und Kojo, Maya und ihre Mutter gehen nach England. Die Mutter arbeitet in einem Labor, die Jugendlichen gehen in ein Internat. Als die Mutter eine neue Aufgabe übernimmt, reist sie nach Ghana ab. Kojo und Maya kehren nach Deutschland zurück zu Mayas Vater.

Während all dieser Jahre beschäftigen sich Maya und Kojo mit einem „Buch der Geschichten“ ihrer Vorfahren und des Landes. Sie wollen die Geschichte korrigieren und weiterschreiben. Dazu wollen sie in England herausfinden, wie die Engländer es schafften, Ghana als Kolonialisten zu beherrschen, damit die neue Generation junger, gut ausgebildeter bzw. studierter Ghanaer nicht die Fehler ihrer Großväter, Väter und Mütter wiederholen. Kojo bittet Maya die wahre Geschichte weiterzuschreiben, denn sie ist die „Auserwählte“, die Wissen hat von früheren Epochen und „sieht, was andere nicht sehen“. Sie ist das Gotteskind.

Die jungen Ghanaer, die Eltern von Maya und deren Freunde und Verwandte leben in Bonn und London und so pendelt die Familie hin- und her, bis Mayas Mutter endgültig nach Accra zurückkehrt. Kojo folgt bald und Maya beginnt ein Studium.

Das Buch-Projekt nimmt Gestalt an, allerdings als „mythische Geschichte von einem Königreich, einer Nation, die sich reibungslos bildete trotz aller Widerstände, und der eine glorreiche und weltbeherrschende Zukunft vorausgesagt wurde“. 
Maya beschreibt u.a. die wichtigen königlichen Objekte, die „geraubt, verkauft oder verschwunden“ waren, für die nun ein Museum gebaut wird. Zu dem Eröffnungsfestival, werden „alle Führer der Welt“ eingeladen und auch die nächste Wahl steht bevor, bei der Kojo kandidiert.

Maya fliegt nach Accra mit einem Weihnachtsbaum für ihre Mutter im Gepäck. Während eines Festes trifft Maya viele Mitglieder ihrer königlichen Familie, die sie nur als Kind gesehen hat.  Kojo kümmert sich um das entstehende Museum und um die Objekte, deren Geschichte Maya aufschreibt. Nach einem Streit mit Gideon, einem falschen Freund, über den sich Kojo furchtbar aufregt, kommt es zu einem schrecklichen Unglück...

Fazit:
Schon als Kind erfährt die Autorin Ablehnung durch eine Mitschülerin, weil sie erzählt, dass sie die Enkelin des Königs ist und diese ihr nicht glauben will. Eine schwarze Prinzessin, das gibt es doch gar nicht, in Kinderaugen.

Ihre Mutter will den täglichen Rassismus nicht sehen und übergeht ihn durch lautes Auftreten und offensichtlichem Herrschaftsanspruch, in dem sie ihre Einkäufe übertrieben opulent betreibt und den Verkäufern direkt ins Gesicht sagt, dass sie eine Königstochter aus Ghana ist und damit die Verkäufer zu „Boten“ degradiert.

Immer wieder, allerdings mehr zum Ende des Buches, nimmt die Autorin indirekt ein ganz aktuelles Thema auf, die Rückgabe von Museumsstücken, die in ein neu gebautes Museum nach Accra zurückgeführt werden sollen. Auch als sie eine Ausstellung in London vorbereitet, fällt sie dem Rassismus zum Opfer, fast so wie ihr Cousin, denn derselbe, der sich in Ghana eingemischt hat, nimmt ihr nun rücksichtslos die Organisation der Ausstellung aus der Hand mit der Begründung, dass sie dadurch mehr Zeit zum Schreiben hat.

Nana Oforiatta Ayim verpackt den Roman in eine temperamentvolle Schreibweise, die manchmal ein zweites Lesen erfordert. Doch das Buch ist gut zu lesen und zu verstehen. Der Inhalt ist sehr interessant und aktuell.

Ein lesenswertes Buch und sehr zu empfehlen. Es zeigt, wie Weiße bis heute versuchen (Kolonial)-Geschichte nur nach ihrer Vorstellung zu akzeptieren und selbst die Organisation einer Ausstellung kann man Schwarzen nicht überlassen. Sie könnten ja die Wahrheit über die Kolonialmächte zeigen oder ein anderes Bild der ghanaischen Gesellschaft !!!

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Dienstag, 11. Mai 2021

Neuerscheinung: Wir Gotteskinder, Roman aus Ghana

Penguin
NEU

NANA OFORIATTA AYIM

WIR  GOTTESKINDER 
Roman

Brillanter Roman über das Leben zwischen Afrika und Europa und die identitätsstiftende Kraft des Geschichtenerzählens
Vom ghanaischen Königshaus in die deutsche Provinz – eine etwas andere Migrationsgeschichte
Inspiriert von der schillernden Familien- und Lebensgeschichte der Autorin

Maya Mensah ist im deutschen Exil täglich damit konfrontiert, anders zu sein. Auch ihre Eltern sind anders. Ihr Vater ist ein scheuer Intellektueller, und ihre schöne Mutter liebt es, das Geld mit vollen Händen auszugeben und an ihre königliche Abkunft zu erinnern. Doch wenn Maya in der Schule von ihrer glanzvollen Familie erzählt, wird sie verspottet. Beistand leistet ihr einzig ihr Cousin Kojo. Maya ist fasziniert von seinen farbenprächtigen Erzählungen aus Ghana, an das sie sich kaum erinnern kann. Sie klingen für sie wie Märchen, die mythisch und wirklich zugleich scheinen, und öffnen ihr den Blick: für ein Land, das seine Seele nach all den Jahren der Kolonialzeit erst wiederfinden muss, für ihre entwurzelten Eltern — und endlich erkennt sich Maya als Teil dieser Geschichte.

Poetisch, fesselnd, faszinierend — » Wir Gotteskinder« ist wahre Weltliteratur und eine Hymne an das Geschichtenerzählen als verbindendes Glied zwischen den Kulturen.

Autorin:
Nana Oforiatta Ayim ist Autorin, Filmemacherin und Kunsthistorikerin. Sie ist in Düsseldorf geboren und aufgewachsen. Ihr Großvater ist König der ghanaischen Region Akyem Abuakwa. Sie studierte Afrikanische Kunstgeschichte und Politikwissenschaften, arbeitete für die UN in New York und ist heute weltweit v.a. als Kunstvermittlerin und Kuratorin tätig. Als Gründerin des ANO Institute of Arts and Knowledge hat sie Projekte wie »Das mobile Museum« sowie die erste Enzyklopädie der afrikanischen Kultur angestoßen. Nana Oforiatta Ayim kuratiert weltweit Ausstellungen und hält Vorträge über kulturelle Narrative. 2019 verantwortete sie den ersten ghanaischen Pavillon auf der Biennale von Venedig.

Für ihre bisherigen Leistungen wurde sie mit verschiedensten Ehrungen und Auszeichnungen bedacht. »Okay Africa« zählt sie zu den »12 wichtigsten Frauen aus Afrika, die Geschichte schreiben«. Sie gehört auch zu den »Apollo 40 unter 40« und damit zu »den talentiertesten und inspirierendsten jungen Personen, die die Kunstwelt heute voran-bringen«. 2015 erhielt sie den »Art & Technology Award« des Los Angeles County Museum of Art (LACMA); 2016 den »AIR Award«, mit dem »außergewöhnliche afrikanische Künstler geehrt und gefeiert werden sollen, die sich für provokative, innovative und sozial engagierte Arbeit einsetzen«. Nana Oforiatta Ayim war 2018 Teilnehmerin des ersten Soros Arts Fellowship und ebenfalls 2018 Global South Visiting Fellow an der Universität Oxford. Sie wurde in den Beirat des Kulturprogramms der Universität Oxford und ab April 2020 als Untersuchungsleitung der »Aktion zur Wiederherstellung Afrikanischer Kultur« berufen.

»Wir Gotteskinder« ist Nana Oforiatta Ayims hochgelobter Debütroman, der nun auf Deutsch erscheint. Sie lebt in Accra/Ghana.    Originaltitel The Godchild, Verlag Bloomsbury, London 2019

Übersetzung von Reinhild Böhnke

Nana Oforiatta Ayims
Wir Gotteskinder
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Format 13,5 x 21,5 cm
272 Seiten   
1.Auflage 13. April 2021
nur Euro 22,- inkl. MwSt.   jetzt kaufen

 

Neuerscheinung: Die Hofgärtnerin - Frühlingsträume, Roman

 
Penguin
Neuerscheinung

RENA  ROSENTHAL

DIE  HOFGÄRTNERIN − Frühlingsträume
Roman

Blumen sind ihre Leidenschaft. Liebe ist ihr Schicksal. Wird sie es schaffen, ihren großen Traum zu leben? Die große neue Familiensaga – so wundervoll wie frischer Flieder!

Oldenburg, 1891. Als Gärtnerin in der Natur zu arbeiten und die schönsten Blumen dieser Welt zu züchten, davon träumt Marleene schon ihr ganzes Leben. Doch ihr Wunsch scheint unerreichbar, denn eine Gärtnerlehre ist allein Männern vorbehalten. Aber Marleene gibt nicht auf: Kurzerhand schneidet sie sich die Haare ab und verkleidet sich als Junge – und bekommt eine Anstellung in der angesehenen Hofgärtnerei. Marleene ist überglücklich! Doch die anderen Arbeiter machen ihr den Einstieg alles andere als leicht, und es wird zunehmend komplizierter, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Als sie dann auch noch die beiden charmanten Söhne der Hofgärtnerei kennenlernt, werden ihre Gefühle vollends durcheinandergewirbelt. Marleene muss sich entscheiden – folgt sie ihrem Traum oder ihrem Herzen …

Der Auftakt der großen Familiensaga in hochwertig veredelter, liebevoller Ausstattung!

Autorin:
Rena Rosenthal hat schon als Kind jede freie Minute in der Baumschule ihrer Eltern verbracht. Dort wird unter anderem eine der größten Fliedersammlungen Deutschlands, die Kircher Collection®, kultiviert. Die Baumschule in einem kleinen Örtchen in der Nähe von Oldenburg wird heute von ihrer Schwester geführt.
Obwohl Rena Rosenthal – im Gegensatz zum Rest ihrer Familie – nicht den Beruf der Gärtnerin ergriffen hat, ist ihre Liebe zu Blumen geblieben. Daher war schnell klar, dass ihre erste Familiensaga von duftenden Fliederbäumen und prächtigen Rhododendren handeln soll. Rena Rosenthal lebt heute mit ihrer Familie in Köln.

Rena Rosenthal
Die Hofgärtnerei
Taschenbuch, Klappenbroschur
ORIGINALAUSGABE
Format: 12,5 x 18,7 cm
688 Seiten   
1.Auflage 22. März 2021
nur Euro 11,- inkl. MwSt.   jetzt kaufen

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Mittwoch, 21. April 2021

Rezension: Afrikas Kampf um seine Kunst

C.H. Beck
Rezension

BÉNÉDICTE  SAVOY

AFRIKAS  KAMPF  UM  SEINE  KUNST - Geschichte einer postkolonialen Niederlage

Seit der Unabhängigkeit vieler afrikanischer und asiatischer Staaten fordern diese mit Recht ihre Kunstschätze zurück, die sich in europäischen und deutschen Museen befinden.

Professorin Bénédicte Savoy untersucht in ihrem überaus lesenswerten Buch die „endlose“ Geschichte der Forderungen, Anfragen, Bitten auf der afrikanischen (und asiatischen) Seite und die Abweisung, Ablehnung, Verweigerung und Nichtbeachtung auf europäischer und deutscher Seite. 

Worum geht es genau ?

Konkret fordert Nigeria von Großbritannien den umfangreichen Schatz der wertvollen Benin-Bronzen, der 1897 von britischen Truppen „gewaltsam“ geraubt und von London aus in andere europäische Länder, darunter Deutschland (1900 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz) verkauft wurde.

Benin fordert von Frankreich 26 Gegenstände, Kongo von Belgien 200 Werke, ebenso Zaire, Ghana fordert von Großbritannien die „Asante-Regalien“, Sri Lanka möchte gern 16 Holzmasken von Deutschland und 20 Objekte vom Britischen Museum, Tanzania hätte gern einige Objekte von Deutschland zurück, ebenso Kamerun und Togo.

Für die afrikanischen Staaten geht es nicht nur um die Objekte, sondern auch um die Aufarbeitung ihrer Kolonialerfahrungen, ihre Geschichte und Kulturgüter, die den nachfolgenden Generationen vorenthalten werden.

Ab 1971 wurden aus den Forderungen nur noch Anfragen für (Dauer)Leihgaben einzelner Objekte mit symbolischer Bedeutung. 

Dass es sich bei den Anfragen nur um „einige wenige Objekte“ geht, wie bereits in der Einleitung im Buch dargestellt, und gar nicht einmal um ganze Sammlungen und dass diese auch oft nur ausgeliehen werden sollten, wurde von den europäischen und deutschen Museumsdirektoren großzügig überlesen oder überhört bzw. ignoriert. Befürchtete man doch „leere Museen“ in Europa, was so gar nicht stimmt, denn auch die Depots sind bis heute voll von „kolonialem Beutegut“.

Mitte der 1970er Jahre gelangte das Thema in den Blickwinkel der Öffentlichkeit, es erschienen Zeitungsartikel, Filme und auch das Fernsehen berichtete später.  Sofort verteidigten sich die Museumsverantwortlichen mit dem so oft wiederholten Phrasen die Objekte „kamen auf legalem Weg zu uns“ oder wurden „geschenkt“ bzw. „gekauft“ und eine Rückgabe sei strikt abzulehnen, um den „Nationalismus der Entwicklungsländer“ nicht nachzugeben. 

Nun einer scherte aus dem Kanon aus. Herbert Ganslmayr, Direktor des Bremer Übersee-Museums setzte sich für die Rückgaben ein und wurde von seinen Kollegen in Stuttgart, Berlin u.a. von künftigen Diskussionen ausgeschlossen, was diesen nicht hinderte auf internationalem Parkett weiter zu arbeiten, war er doch gut vernetzt und hatte einige Zeit in Nigeria gearbeitet.


Im Buch wird deutlich gemacht, wie sich und mit welchen fadenscheinigen Argumenten die Museumsdirektoren in Europa und gerade in Deutschland aus der Affaire zogen. Sie schoben die Restitutionsforderungen den Politikern zu und diese wiederum den Direktoren. Leider zogen die Afrikaner und Asiaten dabei den Kürzeren, bis sie allmählich entnervt ihre Anfragen fast aufgaben. Da wurde das Thema plötzlich in Europa interessant, denn nun forderte das europäische Griechenland vom europäischen Großbritannien den Pantheon-Fries (Elgin-Marmorstücke) zurück. Nun wurde die Restitutionsfrage eine europäische und die Afrikaner und Asiaten „rieben sich die Augen“.
Doch inzwischen hatten sie selbst Museen gebaut und gerade in Nigeria wurde eine Ausstellung auf Reisen geschickt, die 1985 auch in der ehemaligen DDR auf großes Interesse und Beachtung stieß. Schon 1980 konnte es sich Nigeria „leisten“ vier Objekte von London zurückzukaufen.

Bis heute gibt es keine klaren Aussagen von Seiten der Politik und den Museen zu den berechtigten Restitutionsforderungen. Immer noch werden Anfragen hinausgezögert und verdrängt und dass es noch immer keine vollständigen Bestandslisten der kolonialen  Objekte  gibt, zeigt die bis heute bestehende Arroganz, Ignoranz und Angst darüber, die Objekte zurückgeben zu müssen.


Die 16 Kapitel des Buches umfassen 20 Jahre von 1965 bis 1985 zuzüglich Epilog, die die umfangreiche Recherche in (geheimen) Archiven, Museen, Fernsehbeiträgen, Korrespondenzen zur Restitutionsfrage aufzeigen. Zuzüglich Einleitung, Zeittafel, umfangreiche Anmerkungen, Quellen, Literatur, Bildnachweis und Personenregister auf insgesamt 256 Seiten.

Mit der für Dezember letzten Jahres geplanten Eröffnung des Humboldt-Forums in Berlin, das dazu Teile des  Benin-Schatzes zeigen wollte, wurde eine erneute Diskussion um Restitutionen angestoßen. Da erscheint dieses Buch genau zum richtigen Zeitpunkt, um die Geschichte aufzuzeigen und um die Öffentlichkeit nochmals auf diese jahrelangen Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen, und um Diskussionen, die bereits in den 1960er Jahren geführt wurden.

Fazit:
Ein wichtiges Buch, das hoffentlich dazu beiträgt, den berechtigten Restitutionsfragen nachzugeben und nur noch das „Wie“ zu diskutieren. Es macht betroffen und wütend über die Ausreden, die sich überhebliche Museumsdirektoren leisteten und darüber, dass bis heute keine Rückgaben erfolgten.

Es ist mit nichts zu entschuldigen, die geforderten Objekte sind zurückzugeben. Deutsche und europäische Museen werden dadurch nicht ärmer.

Nachtrag:

Am 30. April 2021 berichtet der Bayerische Rundfunk (B5 aktuell Kultur um 6.25 Uhr), dass die berühmten Benin-Bronzen im Laufe des nächsten Jahres nach Nigeria zurückgegeben werden. Dies teilte Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters gestern, am 29. April 2021 nach Diskussionen mit den betroffenen Museumsdirektoren, Ministerien und einem intensiven Dialog mit den Herkunftsländern mit. Sie sagte, dass Deutschland „sich seiner moralischen und historischen Verantwortung“ bewusst ist. Bis Mitte Juli sollen Inventarlisten vorliegen und „im Verlauf des Jahres 2022“ die Bronzen zurückgegeben werden. Es wird auch überlegt, „ob und wie einige Benin-Bronzen (als Leihgaben) in Deutschland als kulturelles Erbe der Menschheit gezeigt werden können.“ sagte Ministerin Grütters.

Weiterführende Informationen:
Gibt man heute im Internet den Begriff „Restitutionsforderungen“ ein, erscheinen viele interessante Ergebnisse.

2018 ging Paul Starzmann im Tagesspiegel der Frage nach: „Kolonialismus: Wie viel Raubkunst besitzen die Deutschen ?https://www.tagesspiegel.de/politik/kolonialismus-wie-viel-raubkunst-besitzen-die-deutschen/23225654.html 

Bereits am 12.05.2019 äussert sich Bénédicte Savoy im Deutschlandfunk Kultur zum Thema: An manchen Objekten klebt Blut https://www.deutschlandfunkkultur.de/benedicte-savoy-ueber-kolonialen-kunstraub-an-manchen.974.de.html?dram:article_id=448435


Und zur geplanten Eröffnung des Humboldt-Forums schreibt Marcus Woeller am 15.12.2020 in der Welt (Kultur): „Die Schloss-Party-Crasher“: https://www.welt.de/kultur/architektur/article222502978/Humboldt-Forum-Die-Schloss-Party-Crasher.html und die weiterführenden Links im Artikel: „Alles nur geklaut“ und „Von Togo lernen“.

Besonders aufschlussreich sind die Einträge bei Wikipedia unter: Benin-Bronzen, vor allem die Einzelnachweise von 2020 und ganz aktuell vom März 2021. https://de.wikipedia.org/wiki/Benin-Bronzen

Können sich die Verantwortlichen noch herausreden und werden die Museumsstücke nun zurückgegeben und wann ? „Versprechen oder Versprecher“ von Jörg Häntzschel in der Süddeutschen Zeitung vom 22.03.2021  https://www.sueddeutsche.de/kultur/museen-benin-bronzen-rueckgabe-humboldt-forum-1.5243677

 

 

Dienstag, 23. März 2021

NEU: Afrikas Kampf um seine Kunst

C.H.Beck
NEUERSCHEINUNG

BÉNÉDICTE  SAVOY

AFRIKAS  KAMPF  UM  SEINE  KUNST
Geschichte einer postkolonialen Niederlage

Schon vor 50 Jahren kämpfte Afrika um seine Kunst, die während der Kolonialzeit massenweise in europäische Museen gelangt war. Und es fand durchaus Unterstützung im Westen. Am Ende jedoch war der Kampf nicht nur vergebens, er wurde auch erfolgreich vergessen gemacht.

Auf der Grundlage von unzähligen unbekannten Quellen aus Europa und Afrika erzählt Bénédicte Savoy die gespenstische Geschichte einer verpassten Chance, einer Niederlage, die heute mit umso größerer Wucht auf uns zurückschlägt.

Afrikas Bemühungen um seine in der Kolonialzeit nach Europa verbrachte Kunst sind keineswegs neu. Schon bald nach 1960, als 18 ehemalige Kolonien die Unabhängigkeit erlangten, wurde von afrikanischen Intellektuellen, Politikern und Museumsleuten eine ungeheure Dynamik in Gang gesetzt.
In ganz Europa suchten daraufhin Politikerinnen und Politiker, Journalisten, Akademiker und einige Museumsleute einen Weg, afrikanische Kulturgüter im Sinne einer postkolonialen und postrassistischen Solidarität zurückzugeben.

Die Argumente aber, mit denen andere versuchten, die Forderungen aus Afrika zu entkräften und Lösungen zu verhindern, ähneln auf frappierende Weise denen von heute. Schließlich verlief alles im Sand.

Bénédicte Savoy verfolgt den postkolonialen Aufbruch und sein Ersticken und fragt, welche Akteure, Strukturen und Ideologien damals dafür sorgten, dass das Projekt einer geordneten, fairen Rückgabe von Kulturgütern traurig scheiterte.

Autorin:
Bénédicte Savoy ist Professorin für Kunstgeschichte an der TU Berlin und am Collège de France in Paris. 2016 erhielt sie den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie hat vielfältig zu Kunstraub und Beutekunst geforscht und ist eine der prominentesten Stimmen in der Debatte um die Rückgabe geraubter Kulturgüter in westlichen Sammlungen.


Bénédicte Savoy
Afrikas Kampf um seine Kunst
Hardcover mit 16 Abbildungen
256 Seiten
1.Auflage am 18. März 2021
Euro 24,- inkl. MwSt.    jetzt kaufen

 

Hier finden Sie den von Bénédicte Savoy ausgefüllten C.H.Beck-Fragenbogen 17aus63.

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Dienstag, 9. März 2021

Rezension: Oman mit Dubai und Abu Dhabi, Reisebuch


Bruckmann
ZENO VON BRAITENBERG,  BIRGIT MÜLLER-WÖBCKE,  UDO BERNHART

OMAN  MIT  DUBAI  UND  ABU DHABI
50 Ziele, die Sie gesehen haben sollten

Auf der touristischen Landkarte ist der Oman seit einigen Jahren präsent und das kleine Land am gleichnamigen Golf ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Schwerpunkt dieses Buches mit fünf großen Kapitelblöcken, die in mehrere Unterkapitel eingeteilt sind, ist natürlich Oman, wovon allein ein Block nur der heutigen Hauptstadt Masqat gewidmet ist.
Hat man diese verlassen, wird es gebirgig. In und um Nizwa erfährt der neugierige Leser etwas über die Geschichte des Landes.

Am Golf von Oman werden Sur mit der Schiffsbautradition der Daus und der Fischmarkt, Qalhat mit ausgegrabenen Ruinen, in deren Hinterland das Wadi Tiwi besucht und in Wahiba Sands lernt man die Beduinen und ihre Lebensweise kennen.

Im Süden um Salalah kommt man dem „Geheimnis des Weihrauchs“ auf die Spur, sowie den neuesten Ausgrabungen von Al Baleed und warum die Omanis so gern im Süden Urlaub machen.

Abgeschnitten vom Hauptland im Süden liegt die Halbinsel Musandam, die noch zum Oman gehört und hauptsächlich über das Meer oder von den Vereinten Arabischen Emiraten aus erreichbar ist. Die Autoren beschreiben eine Hochzeit, die kurze Verbindung nach Iran  per Boot und erleben eine interessante Fahrt mit einer typischen Dau.

Manche Hotels wie das al Bustan, Grand Hyatt und Shangri-La werden in einem eigenen Kapitel beschrieben.

Interessant sind die farbig abgesetzten Spalten auf den rechten Seiten mit Hinweisen zu Museen, Hotels, Festivals, Besonderheiten des Landes und zum Einkaufen mit der entsprechenden Internetseite.

Die zehn Kapitel über Dubai und Abu Dhabi beschränken sich auf die touristischen Highlights.

Die Autoren schildern ihre Eindrücke und Gespräche mit Taxifahrern, Guides und dem vielleicht ältesten Mann der Welt und vermitteln ein gutes Bild vom Alltag der Menschen. Sie treffen sich in der „Love Street“ und besuchen die große Moschee von Masqat, die auch von Andersgläubigen betreten werden darf, schildern den modernen „Superhafen“ von Sohar und ein Tauchcentrum, schlendern über den Souk in Matrah und finden heraus, warum Sheikh Ahmad Farid Silbermünzen in seiner Hotelbar auslegte, es in Masqat eine Oper gibt und wie man im Oman eine Immobilie kauft.

Ein Highlight im Buch sind die Sehenswürdigkeiten in und um Nizwa und deshalb ist es ein Schwerpunkt mit 13 verschiedenen Themen. In der Gebirgsregion um die ehemalige Hauptstadt Nizwa wurde die Geschichte des Landes geschrieben. In ihrer Umgebung liegen Forts, die Königsstadt Bahla, schmucke Oasen wie Al Hamra und Misfah. Man liest über die typischen Töpfereien, verschiedene Dattelsorten und vor allem über das ausgeklügelte Bewässerungssystem, das Aflaj genannt wird und die Terrassen bewässert. Man kann über Berge wandern und Höhlen besichtigen.

Schöne Bilder begleiten die Texte und geben einen guten Einblick in die verschiedenen Landschaften und Städte.

Fazit:
Hat man das ewig wiederkehrende Bild der Geschichten von 1001 Nacht, deren Herkunft von Indien, China und Persien inzwischen belegt ist und dem sog. Orient in der Einleitung überflogen, wird das Buch interessanter. Allerdings fallen manche oberflächlich recherchierte Tatsachen auf. Beim Ibadismus handelt es sich nicht um eine Rechtsschule (S. 49) sondern um eine religiöse Abspaltung und Fatima war nicht mit dem Onkel sondern mit Ali, dem Cousin des Propheten Muhammad verheiratet (S. 71). Außerdem ist die große Moschee in Masqat nicht mehr die größte der Welt, wie auf Seite 42 (Bildunterschrift) dargestellt.

Insgesamt ein informatives Begleitbuch, das zur Vorbereitung einer Reise in den Oman empfehlenswert ist.

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Rezension: Warum Bayern ein orientalische Land ist und andere weiß-blaue Geschichten


KLAUS  REICHOLD 
Luftschiffer

WARUM  BAYERN  EIN  ORIENTALISCHES  LAND  IST: und andere weiß-blaue Wahrheiten.  

Auf diesen weiß-blauen Wahrheiten liegt der Schwerpunkt dieses amüsanten Buches mit 174 Seiten. 15 Kapitel, Prolog, Anmerkungen und Lesetipps nebst Register führen den interessierten Leser, er darf auch gern von außerhalb Bayerns sein, durch die doch umfangreiche Geschichte des Freistaates. 

Vorwiegend heiter manchmal kriegerisch, aber nicht zu sehr, verwegen, grantlerisch und traditionell, das ist der Bayer in den Augen der „Anderen“, die trotzdem gern in Bayern wohnen, und das nicht nur wegen der saftigen Wiesen, der Sennerin auf der Alm und des überwiegend weiß-blauen Himmels. 

Dass Bayern einst sogar bis nach Holland und zur Adria reichte, das Haus Wittelsbach mit seinen Königen, Herzögen, Fürsten, Grafen, u.a. und deren Eigenheiten prägend und am längsten (738 Jahre) regierte, wird in lockerem Stil und sehr aufschlussreich erzählt. 

Immer wieder wird ein kurzer „Bayerisch-Kurs“ eingestreut und schwierige Worte werden erklärt, zum Beispiel Auszogne, Obazda, Zwiefache, Grischperl, Zwiderwurzn, Loamsiader, Dablecka, usw..

Was Reisende über Bayern geschrieben haben, findet Platz und auch Bayern sind gern gereist, darunter Therese von Bayern, die 1875 eine Reise nach Algerien (schon von Frankreich besetzt) und Tunesien (noch unter osmanischer Herrschaft), Spanien und Portugal unternahm und „als erste Frau überhaupt … von der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet“ wurde. „Sie brachte sich im Selbststudium elf Sprachen bei und die Grundlagen von Botanik, Ethnologie und Zoologie“, weil Frauen bis dahin an Universitäten in Bayern nicht zugelassen waren, wie uns der Autor berichtet. 

Den größten Bezug zum Orient stellte zweifelsfrei König Ludwig II. her mit dem Interieur seiner Schlösser Linderhof und Neuschwanstein, dem Maurischen Kiosk am Hennenkopf, dem Marokkanischen Haus auf der Stockalpe u.a..

Abwechslungsreich schildert der Klaus Reichold Traditionen und Eigenarten der Bayern. Er geht zum Teil kritisch auf die neuere Geschichte ein, auf München mit seiner „Schicki-Micki-Gesellschaft“ und die Rolle der Frau.

Tatsächlich lebt in Bayern eine Vielzahl „Zuagroaster“, von anderswo Zugezogene meistens einträchtig nebeneinander, wobei auch ein Miteinander nicht zu kurz kommt.

Und der Satz „Außerhalb Bayerns gibt es kein Leben, und falls doch, dann kein solches“ (S. 69) fasst den Inhalt in einem Satz treffend zusammen.

Fazit:
Ein liebevoll geschriebenes und weitreichend recherchiertes Buch über Bayerns Geschichte, Land und Leute, Kultur und Gewohnheiten.
Humorvoll verpackt, ironisch angehaucht, soll der weltoffene Freistaat dem interessierten Leser nähergebracht werden. Man lernt einige Worte Bayerisch, etliches über den Charakter der Leute und vieles selten gelesene, was dieses inhaltsvolle Buch so interessant macht.

Allerdings werden die fränkischen Regionen, die ja immerhin auch zu Bayern gehören, wenn auch noch nicht so lange, ein wenig vernachlässigt (Wein und tatsächlich Orient). Das ist schade, denn auch wenn Franken damals erst kurz zu Bayern gehörte, ist der Dichter Friedrich Rückert (1788-1866), der den ersten Lehrstuhl Orientalistik (1826) an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen erhielt, zahlreiche persische, arabische u.a. „orientalische“ Texte übersetzte, auf jeden Fall eine Erwähnung in einem „bayerischen“ Buch mit „Orient“ im Titel wert. Und in heutiger Zeit, sollten Professor Hartmut Bobzin, der die neueste Ausgabe des Koran übersetzte (2010) und Professor Mathias Rohe, u.a. Richter für islamisches Recht und Inhaber des Lehrstuhls Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung, beide in Erlangen, um nur zwei Beispiele zu nennen, nicht unerwähnt bleiben. Sie und ihre Kollegen, auch an anderen Universitäten in Bayern, pflegen die sehr wichtigen Beziehungen zum sog. Orient mit den Nah-Ost-Studien, Orientalistik, u.a.  

Ob der Titel so glücklich gewählt ist ? Die „weiß-blauen Wahrheiten“ überwiegen eindeutig und was mein Interesse (Orient) an dem Titel weckte, könnte andere davon abhalten dieses Buch zu erwerben, was allerdings schade wäre.

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Freitag, 5. März 2021

Oman mit Dubai und Abu Dhabi

Bruckmann
ZENO VON BRAITENBERG,  BIRGIT MÜLLER-WÖBCKE,  UDO BERNHART

OMAN  MIT  DUBAI  UND  ABU DHABI
50 Ziele, die Sie gesehen haben sollten

Märchenhafte Paläste und Moscheen, zerklüftete Hochgebirge, endlose Sandwüsten, idyllische Oasen, weiße Strände und eine fantastische Unterwasserwelt: der Oman besticht vor allem durch seine einzigartige Landschaft.

In der pulsierenden Metropole Dubai wird dagegen Luxus großgeschrieben und das innovative Abu Dhabi lockt als Kultur-Mekka. Begleiten Sie uns in die moderne und zugleich archaische Welt des Orients.

Der ideale Bildband für die Urlaubsplanung stellt Ihnen die 50 attraktivsten Ziele im Oman, in Dubai und Abu Dhabi vor. Damit Sie nichts verpassen, ist in diesem Reiseführer-Bildband wirklich alles drin: die interessantesten Städte, faszinierende Landstriche, Insidertipps zu Hotels, Restaurants, Museen u. v. m.

Zusätzlich führen Sie zahlreiche von den Autoren erprobte Reiserouten durch alle Regionen und zeigen Ihnen die absoluten Highlights. Eine bildgewaltige Inspirationsquelle und ein praktisches Nachschlagewerk zugleich.

Autoren:
Birgit Müller-Wöbcke (Text) lebt und arbeitet im Rheingau. Nach ihrem Studium machte sie ihr Hobby zum Beruf und arbeitet seitdem erfolgreich als Reisejournalistin und Buchautorin. Ihre zahlreichen Publikationen führen sie in alle Welt

Zeno von Braitenberg (Text) lebt in Südtirol, arbeitet als leitender Redakteur beim öffentlich rechtlichen TV Sender Rai Südtirol und verreist ansonsten gerne zum Schreiben und Erleben in die Welt. Besonders gerne zieht es ihn dabei immer wieder in das Sultanat Oman, das bei jedem Besuch wieder neu beschrieben werden kann. Im Bruckmann Verlag erschienen von Braitenberg Bücher über den Oman, das Elsaß und Südtirol.

Udo Bernhart (Fotos) lebt abwechselnd im Vinschgau oder in Frankfurt am Main. Seit mehr als 40 Jahren arbeitet als freier Fotograf und Fotojournalist. Seine Aufträge führen ihn in die ganze Welt: Feuerland, China, Alaska, Kamtschatka und mehrmals auch in den Oman und nach Dubai. Seine Aufnahmen sind in deutschen sowie internationalen Magazinen erschienen. Er hat zahlreiche Fotoreportagen und mehr als 150 Bildbände veröffentlicht. Davon 40 bei Bruckmann.  


Birgit Müller-Wöbcke, Zeno von Braitenberg, Udo Bernhart
Highlights Oman mit Dubai und Abu Dhabi
Hardcover mit Schutzumschlag
ca. 250 Abbildungen
Format 22,7 x 27,4 cm
192 Seiten
1.Auflage 2020
Euro 27,99 inkl. MwSt.  jetzt kaufen  

Warum Bayern ein orientalisches Land ist ....

Tingeltangel
KLAUS  REICHOLD
 
WARUM  BAYERN  EIN  ORIENTALISCHES  LAND  IST...
Erzählendes Sachbuch  
 
Der Ausspruch "Mia san mia" ist schon immer ein ausgemachter Schmarrn. Denn kein Mensch weiß, wer die Bayern wirklich sind und woher sie kommen. Aus Bayern jedenfalls nicht. Selbst die Landespatronin, die Muttergottes, ist eine "Zuagroaste"« aus Galiläa.
 
Zugegeben: Der Orient ist nur eine der Quellen, aus denen sich das weiß-blaue Wesen speist. Bayern ist aber ähnlich exotisch, geheimnisvoll und rätselhaft – viel bunter und widersprüchlicher, als man gemeinhin denkt. Seine Identität schöpft das Land vor den Bergen daraus, dass es seit Jahrhunderten Menschen, Kulturtechniken und Traditionen aus aller Herren Länder höchst erfolgreich integriert und vereinnahmt.
 

Von der Weite der bayerischen Welt erzählt Klaus Reichold auf ebenso amüsante wie kenntnisreiche Weise.
 
Autor:
Klaus Reichold ist gebürtiger Münchner und wuchs in einem Bauerndorf vor den Toren der Stadt auf. Für die Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung zog er schon als Schüler durchs Land. Nach dem Studium der Geschichte und der Philosophie in München und Siena arbeitete er als Autor kulturhistorischer Publikationen, Hörfunksendungen und Fernsehdokumentationen für den Bayerischen Rundfunk und für Verlage wie Hoffmann und Campe, Prestel und Pustet. Er ist Programmleiter des bavaricum@histonauten, einer Akademie für die Kulturgeschichte Bayerns.
 
Klaus Reichold
Warum Bayern ein orientalisches Land ist
174 Seiten
Hardcover mit Lesebändchen
1.Auflage Dezember 2020
Nur Euro 17,00  inkl. MwSt.    jetzt kaufen  
 

Freitag, 4. Dezember 2020

Rezension: Die Geschichte einer afrikanischen Farm, Olive Schreiner

Manesse
Rezension
Die Geschichte einer afrikanischen Farm         

Olive Schreiner

Eine Farm in der südafrikanischen Karoo. In der Zeit, in der dieser Roman spielt, leben die Menschen noch nicht so eng beieinander wie heute. Die Farm auf der Kopje wird von Tant’Sannie, der Burenfrau mit ihren afrikanischen Dienstboten bewirtschaftet. Außerdem helfen der deutsche Aufseher Otto und sein Sohn Waldo bei der Schafzucht  mit. Die beiden Kusinen Em und Lyndall sind noch minderjährig und Em wird die Farm erben, wenn sie volljährig ist.

Die Natur mit stürmischen Unwettern, die strahlende und brennende Sonne, der weite Himmel, die klaren Sternennächte werden immer wieder beschrieben, auch um die Stimmung und Gedanken der Menschen zu verdeutlichen.

Alle Bewohner sind gottesfürchtige und abergläubische Menschen, dieser Faden zieht sich durch das ganze Buch. Diese Gottergebenheit geht sogar so weit, dass Tant’Sannie klagt: „…Ich weiß wirklich nicht, weshalb man neuerdings Soda in den Topf tun soll. Wenn unser himmlischer Vater gewollt hätte, dass wir Soda unter die Seife mischen, hätte er doch keine Milchbüsche erschaffen und sie so fett wie Lämmer zur Lammungszeit überall auf dem Veld verteilt!“

In den folgenden Jahren findet sich Em mit ihrem Leben auf der Farm ab, die ihr bald gehört. Lyndall reicht das nicht. Sie ist rebellisch und geht fort, zuerst in ein Internat, später in andere Städte. Sie trifft einen Mann, den sie zwar nicht heiratet, aber ein Kind von ihm erwartet, was zu dieser Zeit natürlich eine Schande ist.

Auch Waldo verlässt die Farm, um später zurückzukehren. Sie Vater ist inzwischen gestorben, in den Tod getrieben von einem Hochstapler, der sich Bonaparte nennt und Tant’Sannie gegen den Deutschen aufhetzt. Allerdings wird auch Bonaparte die Farm nicht bekommen.

Waldo mag Em, aber er bewundert Lyndall, die so ganz anders ist als er. In Waldo findet Lyndall einen geduldigen Zuhörer ihrer Pläne und modernen emanzipatorischen Ansichten. Die Figur der Lyndall spiegelt auch die realen Gedanken der Autorin wieder, die sich in Südafrika für Gleichberechtigung einsetzt.

Als der Engländer Gregory Rose Em einen Antrag macht, zögert sie, denn sie ahnt, was kommen wird…

Fazit:
Olive Schreiner beschreibt die typische Landschaft der steppenartigen, weitläufigen Karoo und die Stimmungen der Bewohner, ihre Konflikte und ihren Alltag auf einer afrikansichen Farm im späten 19. Jahrhundert eindrucksvoll. 
Doris Lessing, eine ebenso bekannte Schriftstellerin, schildert das Leben von Olive Schreiner, der frühen Feministin und Menschenrechtlerin im Nachwort zu einer Neuauflage von 1968.

Zum 100. Todestag der Autorin am 11. Dezember 2020 wurde der Roman vom Manesse Verlag (Manesse Bibliothek) neu aufgelegt.

zum Angebot

Sonntag, 15. November 2020

Mit offenem Blick, Begegnung mit fremden Kulturen

Klett-Cotta
GERHARD  SCHWEIZER 

MIT  OFFENEM  BLICK
Begegnung mit fremden Kulturen

In der Fremde lernen wir nicht nur unbekannte Kulturen kennen, sondern auch unsere eigene.

Gerhard Schweizer hat Europa und den Westen immer wieder hinter sich gelassen. Er ist nach Nordafrika, in die Arabische Welt und nach Asien aufgebrochen, um unbekannte Welten zu erkunden. Eindrucksvoll schildert er Länder, Menschen und Abenteuer, die sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt haben.

Durch die weltweite Globalisierung und Vernetzung sind die Menschen immer näher zusammengerückt. Aber gleichzeitig fehlen uns ein tieferes Verständnis und die Akzeptanz für andere Kulturen. Nationalismus, Populismus und Rassismus sind auf dem Vormarsch. Und Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit sind in vielen Ländern Fremdwörter geblieben. 

Um die gegenwärtigen Entwicklungen, Veränderungen und Konflikte zu verstehen, brauchen wir eine breitere Kenntnis unseres eigenen und der fremden Kulturräume. Schlüsselbegriffe wie Individuum, Familie, Gesellschaft, Staat, Glaube und Freiheit haben von Land zu Land völlig andere Bedeutungen. Oft endet die Verständigung an deren Grenzen. 

Gerhard Schweizer plädiert für einen offenen Blick gegenüber dem Fremden, aber auch für eine reflektierte Wertschätzung der eigenen Kultur. Dies ist der Schlüssel zu einem friedlichen Miteinander in den kommenden Jahrzehnten.

Autor:
Gerhard Schweizer, 1940 in Stuttgart geboren, promovierte an der Universität Tübingen in Empirischer Kulturwissenschaft.
Heute lebt er als freier Schriftsteller in Wien, wenn er nicht gerade auf Reisen recherchiert und Material für neue Reportagen und Bücher sammelt.
Er ist einer der führenden Experten für die Analyse der Kulturkonflikte zwischen Abendland und Orient und gilt als ausgewiesener Kenner der islamischen Welt. Gerhard Schweizer hat dazu mehrere Bücher veröffentlicht, die als Standardwerke gelten. Einem breiten Publikum wurde er vor allem durch seine Bücher über den asiatischen und arabischen Raum bekannt.

Gerhard Schweizer
Mit offenem Blick
gebunden mit Schutzumschlag
319 Seiten
1. Auflage 2020
Euro 22,00 inkl. MwSt.   jetzt kaufen

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Rezension: Eine fremde Tochter

Orlanda
Eine fremde Tochter           

 
Najat el Hachmi
 
Sie ist eine von vielen jungen Marokkanerinnen, die in Spanien leben. Mit ihrem Vornamen wird die Ich-Erzählerin in Dialogen nicht gerufen - eine unbekannte Marokkanerin in Europa also. Sie steht für viele Frauenschicksale, egal ob sie aus Marokko, ganz Nordafrika oder dem arabischen Raum stammen, alle könnten dasselbe erlebt haben wie die Protagonistin.
 
Ihr Vater gehört zu den frühen Marokkanern, die in  Spanien eine Arbeit gefunden haben. Nachdem die Unterstützung für die Familie im marokkanischen Rifgebirge ausbleibt, machen sich Frau und Tochter auf den Weg, um ihren Mann und Vater zu suchen. Als sie ihn gefunden haben, müssen sie erkennen, dass er eine andere Familie hat. Die Ehefrau wird mit dem Spruch abgewiesen, dass er sie nicht gebeten habe zu kommen.
 
Doch Mutter und Tochter bleiben in Katalonien und nehmen ihr Leben selbst in die Hand. Die Tochter steht ihrer Mutter bei und hilft ihr so gut sie kann. Daneben gibt es noch die Marokkanerinnen, die ebenfalls in Spanien leben und die Familie der Mutter in Marokko, die sich über den Besuch freut.
 
Die Tochter geht zur Schule, lernt nicht nur die katalanische und spanische Sprache, sondern auch die europäische Literatur und Kultur. Sie steht sogar einmal im Rampenlicht der Stadt.
So wächst die Tochter zur Erwachsenen heran, hört von den Traditionen, die ihr die Mutter und deren Freundinnen versuchen näher zu bringen, lernt auch die Sprache der Mutter, aber nie so ganz. Sie lebt im Spanien von heute. Bei den Besuchen in Marokko kommen ihr Kindheitserinnerungen in den Sinn. Aber so ganz kommt sie nicht in Marokko an und will es auch nicht.
 
Nun ist die Tochter volljährig, sie will die Mutter verlassen, sich aus der Umklammerung lösen, aber sie bringt es vorerst nicht über ihr Herz, die Mutter allein zu lassen. Immer mehr stellt sie ihre eigenen Ziele (Studium, eigene Wohnung, etc.) zurück. Sie gibt sogar nach, als ihre Mutter, die keine Rücksicht nimmt, aber sehr auf den guten Ruf der Familie bedacht ist, die Ehe mit dem Sohn ihres Bruders, also ihren Cousin, arrangiert. Da es der Cousin ist, soll sie doch froh sein, dass die Hochzeit „in der Familie“ bleibt und sie keinen Fremden heiratet, obwohl sie ihn seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat.
 
Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf, einen Weg, den sich die Tochter nicht gewünscht hat, aber aus Liebe zur Mutter geht.
Mutter und Tochter arbeiten noch mehr, damit sie das Geld für die Hochzeit und die Überfahrt für den zukünftigen Cousin-Ehemann aufbringen können, damit er nach Spanien kommt.
 
Innerlich rebelliert die Tochter gegen ihre eigenen Entscheidungen und dies geht so weit, dass sie eines Tages zusammenbricht.
 
Fazit:
Najat el Hachmi greift ein Thema auf, das viele Frauen (nicht nur Migrantinnen) betrifft. Um dem Ruf der Familie nicht zu schaden, nimmt die Tochter zu viel auf sich und kommt aus der Abstiegsspirale nicht mehr heraus.
Ich möchte einen Gedanken zitieren, den die Autorin am Ende des Buches zu Recht formuliert, einen Vorwurf, den sich die europäische Gesellschaft gefallen lassen muss. „Alle Prophezeiungen haben sich erfüllt, die über mir dräuten, wie über allen Töchtern der Marokkanerinnen hier: Es lohnt sich eigentlich nicht, sie zur Schule zu schicken, hörte ich einmal jemanden sagen: Sobald sie ein bisschen älter sind, werden sie in ihrem Land verheiratet, und zack Kopftuch, Hausfrau, Kinder kriegen. Aber die Leute, die so reden, denken nie an unsere Einsamkeit und bieten uns keine Alternative; wenn wir gegen unsere Familien aufbegehren, stellen sie uns keinen Ort zur Verfügung, an dem wir Zuflucht finden könnten. Lasst euch nicht gängeln, rebelliert gegen die altmodischen und primitiven Traditionen eures Volks, entflieht der Diskriminierung und dem Sexismus. Aber wenn wir die Brücke überqueren, was erwartet uns auf der anderen Seite? Eine tröstende Umarmung und Hilfe, die wir bräuchten? Oder nicht vielmehr eine eisige Gleichgültigkeit, ein „Sieh zu, wie du zurechtkommst, hier gibt es nichts geschenkt? Und habt ihr je darüber nachgedacht, wer diejenigen sind, die nicht über die Brücke kommen? Versteht ihr nicht, dass man die Schwächsten nicht im Stich lassen darf, jene, die weder das Wissen haben noch die Möglichkeit, frei entscheiden zu können, wie sie leben wollen ? …“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Ein aufwühlendes Buch, sehr gut geschrieben, absolut empfehlenswert.



Dienstag, 27. Oktober 2020

Rezension: Dezemberkids, Roman von Kaouther Adimi

Lenos
  Rezension

 DEZEMBERKIDS

 Kaouther Adimi

  Und wieder hat Kaouther Adimi einen brillanten Roman veröffentlicht,   der die algerische Gesellschaft von heute treffend beschreibt.


 Das vierte Buch führt den Leser nach Algier, der Hauptstadt des     größten  Landes in Afrika. Sie hat zwar nicht so viele Einwohner wie   Kairo oder Lagos, aber der tägliche Verkehr und die Wohnungsnot   nerven die Leute genauso wie in den anderen Metropolen. Von daher   weichen die Leute, die es sich leisten können, an die Ränder östlich und   westlich von Algier aus, im Idealfall mit Meerblick oder gleich nach   Europa.

In Dély-Ibrahim, einem Vorort im Westen, leben die Familien der ehemaligen Armeeangehörigen in der Cité 11. Dezember 1960, die ab 1987 gebaut wurde. Der Roman dreht sich um Kinder, Jugendliche, ihre Familien und einen, etwa eineinhalb Hektar großen Platz, der brach liegt und nach jedem starken Regen von Schlamm bedeckt ist und den die Kinder zum Fußballspielen hergerichtet haben. Seit Jahren kümmert sich niemand um den Platz, die Straßen herum sind immer noch nicht asphaltiert. Auch die drei zehnjährigen Kinder, Ines, Mahdi und Dschamil treffen sich regelmäßig, um hier Fußball zu spielen, wobei Ines mächtig stolz ist, dass sie mit den Jungs so gut mithalten kann. Sie ist die Enkelin von Adila.

Eines schönen Tages, es regnet in Strömen, Jussef und seine Freunde rauchen am Platzrand, hält eine schwarze Limousine direkt am Platz. Der Chauffeur reißt die Tür auf und hält einen Regenschirm über die beiden Männer, die aussteigen. Sie tragen dunkle Anzüge, darüber Wollmäntel und -Sonnenbrillen. Es können nur Generäle sein. Sie gehen auf den Platz und schauen sich um. Da kommt Adila, die Freiheitskämpferin auf sie zu, grüßt und fragt, was sie hier wollen? Die beiden reden von Bauarbeiten, die bald anfangen werden, weil ihnen jetzt der Platz gehört, behaupten sie, doch jeder weiß, dass sie sich den Platz unter den Nagel gerissen haben, und freuen sich auf eine gute Nachbarschaft. Doch mit der Reaktion haben sie nicht gerechnet.

Just in dem Moment, in dem sie die Baupläne aus der Tasche ziehen, hören sie ein lautes Kreischen. Die alte Rothaarige, ein bisschen verrückt soll sie sein, schreit wütend: „Man will euch hier nicht. Man will euch hier nicht.“ Adila zieht sie zur Seite und sie kommen auf Jussef zu, der die Alte reden hört: „Sie nehmen ihn euch weg, alles nehmen sie euch weg!...“  Die Jugendlichen gehen auf die Generäle zu und schimpfen auf sie ein. Es kommt zu einem Handgemenge und Jussef gelingt es dabei die Waffe des einen Generals aus der Hand zu schlagen. Sogar Adila schlägt mit ihrem Stock zu. Die pensionierten Obersten Mohamed und Sherif beobachten zuerst die Szene aus sicherer Entfernung, doch dann laufen sie auch auf den Platz. Der Chauffeur kauert ängstlich hinter dem Lenkrad und ruft die Polizei, die den Tumult auflöst. Jussef, sein Vater Mohamed und Adila werden abgeführt und zum Verhör gebracht.

Die Aufregung ist groß. Schnell spricht sich herum, was auf dem brachliegenden Bolzplatz passiert ist und sehr schnell verbreitet sich die Geschichte über zwei verprügelte Generäle in den sozialen Medien, zu schnell für manche. Die Zeitungen schreiben darüber, die Leute lachen und freuen sich über den Mut der Jugendlichen.


Auf Ines, Mahdi und Dschamil hat keiner mehr geachtet. Sie haben sich die Geschichte von den Jugendlichen erzählen lassen und gut zugehört. Sie schmieden ihre eigenen Pläne. Sie lassen sich Zeit mit den Vorbereitungen und dann im März, an einem Freitag, geht es los.

Die Autorin beobachtet genau, wie ihre Landsleute kennt sie natürlich die Machenschaften der Oberen. Wie sie selbst sagt, ist Fußball nicht nur das Spiel sondern auch eine Möglichkeit der Gesellschaft sich zu äußern, sei es mit Gesängen, sei es mit Schlachtrufen, die versteckt die Regierung treffen sollen.


Die Romanfiguren symbolisieren die algerische Gesellschaft: Adila, die Freiheitskämpferin steht für die erste Generation. Sie hat die Franzosen aus dem Land vertrieben, hat Bomben in Cafés versteckt. Jasmin, ihre Tochter steht für die Frauen des Landes, die zusehen muss, wie ihre Rechte immer mehr beschnitten werden. Mohamed und Sherif waren Obersten während des „schwarzen Jahrzehnts“ und mussten dem Erstarken der Islamisten zusehen, wobei Mohamed vom Glauben abfiel, was er natürlich niemandem erzählte. Die Generäle stehen für die übermächtige Armee bzw. die Mächtigen des Landes, die sich alles erlauben können und die Diktatur der Politiker überwachen. Jussef und seine Freunde sind die jetzige Generation, die die Kriege nicht mehr erlebt haben. Sie haben ganz andere Sorgen. Sie sind gut vernetzt, wissen was in der Welt passiert, sind im Internet aktiv. Sie ducken sich nicht vor den „Mächtigen“, weil sie ihnen nichts „verdanken“ müssen, außer der Misere des Landes. Mit den Kindern, die im Buch den Höhepunkt herbeiführen, bilden sie die Zukunft. Die junge Generation, die seit Februar 2019 auf die Straße geht und einen friedlichen Übergang zur wirklichen Demokratie fordert, wird bereits im Buch mit Jussef und seinen Freunden angedeutet, womit die Autorin den aktuellen Hirak, die Bewegung, vorausgesehen hat. Sie hat eine Auseinandersetzung zwischen jungen Leuten  und Generälen zum Anlass für diesen Roman genommen, die tatsächlich 2016 stattgefunden hat.

Auch das Nachwort der Übersetzerin Regina Keil-Sagawe soll erwähnt werden. Seit Jahren  bringt sie uns die Schriftsteller Nordafrikas näher. Sie übersetzt nicht nur aus dem Französischen, ebenso kennt sie die Situation in den Ländern des Maghreb.

Fazit:
Mit ihrer heiteren, bisweilen witzigen und ironischen Art beschreibt Kaouther Adimi treffsicher die Art und Weise, wie sich die algerische Regierung verhält, die Angst vor der neuen Situation hat, die sie nicht mehr beherrscht, was sie aber nicht einsehen will. Sie spannt mit ihren Figuren einen Bogen von der Geschichte (Adila) bis zur Gegenwart (Jussef und die Kinder) und bringt wie immer die Tatsachen genial auf den Punkt.

Ein absolut lesenswerter amüsanter Roman, der eine Auszeichnung verdient.


Donnerstag, 15. Oktober 2020

NEU: Die Geschichte einer afrikanischen Farm, Olive Schreiner

Manesse 
NEU
OLIVE  SCHREINER
 
DIE  GESCHICHTE  EINER  AFRIKANISCHEN  FARM
 
Ein bewegendes Meisterwerk über weibliche Emanzipation und Selbstbestimmung in der kolonialen Männerwelt
 
«The Story of an African Farm» gilt als das südafrikanische «Wuthering Heights». Der autobiografisch inspirierte Roman der deutsch- und englischstämmigen Autorin, erschienen 1883, schildert das Schicksal einer eigenwilligen Heldin namens Lyndall. Schon als junges Mädchen lernt sie die Bigotterie und Ignoranz der Menschen kennen und erfährt, wie beschränkt die Lebensperspektiven für ihresgleichen sind. 
Doch dank einer großen inneren Stärke verteidigt sie in der Farmerswelt der südafrikanischen Karoo ihre Unabhängigkeit und verliert dabei das Ziel nie aus den Augen: weibliche Selbstbestimmung bis zuletzt. Schreiners Erzählkunst fasziniert nicht nur durch ihren einfühlsamen Ton und ihre große künstlerische Sensibilität, sondern widmet sich auch emanzipatorischen Themen wie Sexualität, voreheliche Schwangerschaft sowie die unrühmliche Rolle des Christentums bei der Bevormundung des «schwachen Geschlechts». Das Buch, seinerzeit ein Welterfolg, erscheint anlässlich des 100. Todestags der Feministin und Menschenrechtlerin am 11.12.2020 nun in einer Neuübersetzung.
 
Mit Nachwort von Doris Lessing
 
Autorin:
Olive Schreiner (1855–1920), frühe Exponentin der südafrikanischen Literatur und des weiblichen Schreibens, gilt als Vorläuferin so großer Autorinnen wie Tania Blixen oder Doris Lessing. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, aber hochtalentiert, gelang der Autodidaktin mit «The Story of an African Farm» (1883 unter dem Pseudonym Ralph Iron erschienen) ein internationaler Überraschungserfolg. Rasch wurde sie zu einer der einflussreichsten Stimmen des südlichen Afrika, engagierte sich als Feministin, Sozialistin und Pazifistin und trat gegen Cecil Rhodes’ imperialistische Politik auf. 2003 wurde sie posthum mit dem südafrikanischen Order of Ikhamanga in Gold ausgezeichnet.
 
Aus dem Englischen übersetzt von Viola Siegemund
 
Olive Schreiner
Die Geschichte einer afrikanischen Farm
Hardcover mit Schutzumschlag
608 Seiten
Format 9,0 x 15,0 cm
1.Auflage 12. Oktober 2020
Euro 28,00 inkl. MwSt.  Buch bestellen


Dienstag, 13. Oktober 2020

May Ayim, Weitergehen - Gedichte, Sonderedition zum 60. Geburtstag

Orlanda
MAY  AYIM
 
WEITERGEHEN - Die Sonderedition zum 60. Geburtstag
Gedichte
 
 In „weitergehen“ erscheinen die Gedichte der Wortkünstlerin May Ayim erstmals gesammelt in einem Band. Die Lyrikbände „nachtgesang“ und „blues in schwarzweiß“ stoßen auch knapp zwei Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen auf große Resonanz bei Menschen aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen.
 
Aus dem Vorwort von Natasha A. Kelly: „…Und so sind May Ayims Worte nicht verstummt, sondern ertönen lauter als je zuvor. Deutschsprachiges Spoken Word wurde durch die afrodeutsche Dichterin, Poetin, Wissenschaftlerin und Aktivistin salonfähig. Heute feiern wir mit Formaten wie „One World Poetry“ oder „Hip Hop Meets Poetry“ Schwarze Stimmen und Schwarze Vielstimmigkeit, die in afro-deutscher Literaturtradition Intersectional Justice fordern und fördern und Empowerment feiern.“
 
May Ayim (1960-1996) war Dichterin, Pädagogin, Logopädin, Wissenschaftlerin und politische Persönlichkeit. Sie ist Mitherausgeberin und Mitautorin der Bände „Farbe bekennen“ und „Entfernte Verbindungen“. Posthum erschien neben dem Gedichtband „Nachtgesang“ der Essayband „Grenzenlos und unverschämt“, ebenso der Dokumentarfilm von Maria Binder „Hoffnung im Herz“.
 
May Ayims Lyrik erscheint regelmäßig in Schulbüchern und Anthologien und wurde in Theaterprojekten und filmischen Arbeiten zitiert. 2009 wurde das Kreuzberger Gröbenufer in Berlin dank einer zivilgesellschaftlichen Initiative in May-Ayim-Ufer umbenannt.
(Verlagstext)
 
May Ayim
Weitergehen
Klappenbroschur
270 Seiten
Euro 24,50 inkl. MwSt.   jetzt kaufen
 
 

NEU: Schwarze Wurzeln, Afro-deutsche Familiengeschichten von 1884 - 1950

 
Orlanda
Katharina Oguntoye  (Hrsg.)
 
Schwarze Wurzeln
Afro-deutsche Familiengeschichten von 1884 - 1950
 
 Katharina Oguntoye beleuchtet die Lebenssituation von Afrikaner*innen und Afro-Deutschen in Deutschland von 1884 bis 1950. Diese wegweisende historische Forschungsarbeit diente zahlreichen nachfolgenden wissenschaftlichen Untersuchungen als wichtiger Quellennachweis. Bisher war der Blick auf Schwarze Menschen in Deutschland bestimmt von der Sicht der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Gefragt wurde danach, wie Schwarze Menschen in dieser Gesellschaft wahrgenommen bzw. ausgegrenzt werden und dabei wurden ihre Geschichte und ihr Leben lediglich als exotisches Beiwerk oder marginale Einzelfälle dargestellt.
 
Die Historikerin Katharina Oguntoye stellt dem erstmals einen Überblick über die Situation der Afrikaner*innen und Afro-Deutschen für die gesamte Periode der neueren deutschen Geschichte bis nach dem Zweiten Weltkrieg entgegen, dessen Schwerpunktinteresse den Lebenswirklichkeiten und der Perspektive der Schwarzen Menschen in Deutschland gilt.
 
Autorin:
Katharina Oguntoye, nigerianisch-deutsche Historikerin, Jahrgang 1959, hat die afro-deutsche Bewegung mitgeprägt, unter anderem als eine der Herausgeberinnen des Buches „Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte.“ (1986) und als Gründungsmitglied der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“. Seit 1996 ist sie Leiterin des von ihr mitbegründeten Interkulturellen Netzwerks in Berlin, Joliba e.V.  (Verlagstext)
 
Katharina Oguntoye (Hrsg.)
Farbe bekennen.
Klappenbroschur
200 Seiten
Euro 18,00 inkl. MwSt.   jetzt kaufen

NEU: Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte

 

Orlanda
May Ayim, Katharina Oguntoye, Dagmar Schultz (Hg.)

 FARBE  BEKENNEN. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte.

Seit über 30 Jahren der Klassiker der afro-deutschen Bewegung in Deutschland!

 „Sie sprechen aber gut deutsch“, sagt man zu ihnen. „Woher kommen Sie denn?“ fragt man sie. Und tröstet sie schließlich mit den Worten: „So schwarz sind Sie ja gar nicht.“

 Alltäglicher Rassismus, dem sie ausgesetzt sind: Die afro-deutschen Frauen, die hier zu Wort kommen, fühlen sich oft fremd in ihrem eigenen Land.

 Sie sind hier geboren und aufgewachsen, als Kind schwarzer Väter und weißer Mütter. Sie wurden als „Mischlinge“ bezeichnet oder als „Besatzungskinder“, heute nennt man sie oft „Farbige“. Sie sind Deutsche und werden doch wie Fremde behandelt, ausgegrenzt, „bestenfalls“ als exotisch angesehen. Mit ihrem Buch versuchten die Autorinnen, sich auf die Suche nach ihrer Geschichte zu begeben, gesellschaftliche Zusammenhänge von Rassismus offenzulegen und auf ihre besondere Situation aufmerksam zu machen. Eine Situation, die sich derzeit, im Zeichen zunehmend rassistischer Übergriffe und des Ausländerhasses, verschärft hat.

 „Farbe bekennen war ein Anfang und ist nach wie vor ein aktuelles Handbuch zum Verständnis afro-deutscher Lebensrealitäten sowie ein nützliches Werkzeug zur Vernetzung und Aufklärung.“ Katharina Oguntoye

Mit neuem Vorwort von Katharina Oguntoye.

May Ayim, Katharina Oguntoye, Dagmar Schultz (Hrsg.)
Farbe bekennen.
Klappenbroschur
308 Seiten
Neue Ausgabe 2020
Euro 18,50 inkl. MwSt.   jetzt kaufen

 Alle Gewinne aus den Verkäufen der Bücher von May Ayim fließen in ein May Ayim-Förderstipendium für Schwarze deutsche Autor*innen, das Orlanda zusammen mit Katharina Oguntoye und Natasha A. Kelly 2021 ins Leben rufen wird. Weitere Infos folgen …

 

NEU, Mist, die versteht mich ja ! Roman

Orlanda
FLORENCE  BROKOWSKI-SHEKETE
 
MIST,  DIE  VERSTEHT  MICH  JA!
Aus dem Leben einer Schwarzen Deutschen
Roman
 
Die kleine Florence, geboren in Hamburg als Kind nigerianischer Eltern, wird Ende der 60er-Jahre in Buxtehude von einer alleinstehenden Frau in Pflege genommen. Mit neun Jahren nehmen die Eltern sie mit nach Lagos, in ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht, dessen Kultur ihr fremd ist, zu einer Familie, die sie nicht kennt. Durch das beherzte Eingreifen einer Lehrerin schafft sie es zurück nach Deutschland und macht dort ihren Weg …
 
In ihrer Autobiografie beschreibt die Autorin mit einer guten Prise Humor die Erlebnisse einer Schwarzen Frau in einer weißen Gesellschaft, den schmalen Grat zwischen witzigen Anekdoten und unschönem Alltagsrassismus, zwischen der Herausforderung, Brücken zu bauen, und der Grenzen zu setzen, zwischen Integration und Identitätsfindung, zwischen Beruf und dem Muttersein als Alleinerziehende – kurz: die Lebensgeschichte einer beeindruckenden Frau.
 
 „Ein Mensch mit einer anderen Hautfarbe muss einfach woanders herkommen, die Sprache nicht verstehen und auch sonst kulturell anders gestrickt sein. Anders kann es einfach nicht sein, sonst würde das Weltbild einiger erschüttert.“
 
Autorin:
Florence Brokowski-Shekete ist Schulamtsdirektorin in Baden-Württemberg, als erste Schwarze in Deutschland. Sie ist Gründerin der Agentur FBS intercultural communication, bei der sie seit 1997 als freie Beraterin, Coach und Trainerin tätig ist. Sie arbeitete als Lehrerin, Schulleiterin und Schulrätin. Und sie mischt sich ein und setzt Grenzen, wenn sie auf Alltagsrassismus stößt. (Verlagstext)
 
Florence Brokowski-Shekete
Mist, die versteht mich ja!
Klappenbroschur
250 Seiten
1.Auflage 2020
Euro 22,00 inkl. MwSt.   jetzt kaufen

weitere Informationen unter: Florence Brokowski-Shekete