Samstag, 24. September 2016

NEU. Die Leiden des letzten Sijilmassi

Merlin

FOUAD  LAROUI

DIE  LEIDEN  DES  LETZTEN  SIJILMASSI
Roman

Was Kulturen und Menschen verbindet ...
Ingenieur Adam Sijilmassi hat erreicht, was sich sein Großvater Hadj Maati nie hätte träumen lassen: International diplomiert ist sein Weg an die Spitze eines marokkanischen Industriekonzernes vorgezeichnet. Doch auf einer Geschäftsreise überkommt es ihn hinterrücks: Was um Himmels Willen macht er 30.000 Fuß über der Andamanen-See in einer umweltverpestenden Blechbüchse? Und warum nur diese Eile?

Als Adam beschließt, sein Leben grundlegend zu ändern und sich im Riad der Vorfahren auf die Suche nach seinen kulturellen Wurzeln zu machen, nimmt die Geschichte einen dramatischen Verlauf. Denn ehe er sich versieht, steht Adam im Fokus politisch-religiöser Machenschaften ...

„Die Leiden des letzten Sijilmassi“ erzählt vom Konflikt einer ganzen Generation von Menschen, deren kulturelle Wurzeln in der muslimischen Welt liegen und die zugleich durch einen Bildungs- und Berufsweg in der westlich aufgeklärten Welt sozialisiert sind. Während sie für sich selbst noch versuchen, einen versöhnlichen Weg des Kompromisses vermeintlich gegensätzlicher Kulturen zu finden, sind sie längst zum Spielball zwischen den Fronten geworden.

Autor:
Fouad Laroui (geb. 1958 in Oujda, Marokko) ist Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler. Heute lebt er in Amsterdam, wo er an der Universität französische Literatur und Philosophie unterrichtet. Fouad Laroui hat bislang acht Romane veröffentlicht und viele Essais und Erzählungen. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem prix Albert Camus, dem prix du meilleur roman francophone und dem prix Goncourt de la nouvelle. Larouis jüngster Roman "Les tribulations du dernier Sijilmassi" stand auf der Auswahlliste für den prix Goncourt 2014.

Roman aus dem Französischen von Christiane Kayser.

Fouad Laroui
Die Leiden des letzten Sijilmassi
fadengeheftetes Hardcover mit Schutzumschlag
288 Seiten
Euro 24,- inkl. MwSt.  Buch kaufen


Die alte Dame in Marrakech

Merlin

FOUAD  LAROUI

DIE  ALTE  DAME  IN  MARRAKESCH
Roman

François und Cécile sind ein glückliches Paar, sie lieben sich und führen ein komfortables, sorgenfreies Leben in Paris. Und doch fehlt etwas, denn François langweilt sich. Und während er vor seinem Fernseher sitzt, träumt er von der Ferne: Wie wäre es wenn wir einen Riad in Marrakesch kauften? Alle Welt in Paris hat einen Riad in Marrakesch, warum nicht wir? Um endlich Ruhe zu haben von ihrem Mann, den sie in der Midlifecrisis wähnt, gibt sich Cécile geschlagen und willigt ein. Zu ihrer eigenen Überraschung sind die Eheleute binnen kurzem stolze Besitzer eines alten Hauses im Herzen der Altstadt von Marrakesch. Ist nun alles gut? Nicht ganz, – vorher gilt es, die alte Dame umzusiedeln, die in der Zwischenzeit beschlossen hat, von nun an bei ihnen zu wohnen ...

Was als unterhaltsame Satire über die selbstgefällige europäische Mittelschicht beginnt, entwickelt sich zu einem in seiner Dichte beklemmenden und anrührenden Drama vor der Kulisse der jüngeren marokkanisch-europäischen Geschichte.

Ein großartiger, ebenso spannender wie unterhaltsamer Roman über Versöhnung und Verantwortung.

Autor:
Fouad Laroui (geb. 1958 in Oujda, Marokko) ist Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler. Heute lebt er in Amsterdam, wo er an der Universität französische Literatur und Philosophie unterrichtet. Fouad Laroui hat bislang acht Romane veröffentlicht und viele Essais und Erzählungen. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem prix Albert Camus, dem prix du meilleur roman francophone und dem prix Goncourt de la nouvelle. Larouis jüngster Roman "Les tribulations du dernier Sijilmassi" stand auf der Auswahlliste für den prix Goncourt 2014.

Der Roman wurde aus dem Französischen übersetzt von Christiane Kayser.

Die Übersetzung ins Deutsche wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes durch litprom gefördert. www.litprom.de

Fouad Laroui
Die alte Dame in Marrakesch
fadengeheftetes Hardcover mit Schutzumschlag.
200 Seiten
Euro 22,-  inkl. MwSt.    Buch kaufen




NEU: Roman von Boualem Sansal 2084 - Das Ende der Welt

Boualem Sansal 2084
NEU

BOUALEM  SANSAL

2084 - Das Ende der Welt    Roman

Einvernehmlich und im guten Glauben ...
In Abistan, Reich der fernen Zukunft, bestimmen die Verehrung eines einzigen Gottes und das Leugnen der Vergangenheit das Herrschaftssystem. Individuelles Denken ist abgeschafft: eine allgegenwärtige Elite unter Führung von Abi dem Entsandten steuert die Ideen und verhindert abweichendes Handeln.
Offiziell heißt es, die Bevölkerung lebt einvernehmlich und im guten Glauben.
Doch Ati, der Protagonist dieses Romans, der ausdrücklich anknüpft an Orwells Klassiker „1984“, hinterfragt die vorgegebenen Direktiven: Er macht sich auf die Suche nach einem Volk von Abtrünnigen, das in einem Ghetto lebt, ohne in der Religion Halt zu suchen ...

In seinem Roman entwirft Boualem Sansal ein Regime, das auf der religiösen Überhöhung einer Ideologie beruht und sich die Suche des Individuums nach persönlichem Glück auf erschreckende Weise zunutze macht: Das vom System auferlegte Streben nach spiritueller Erleuchtung diktiert das Leben eines jeden Bürgers und wird zum Motor der Gemeinschaft.

Sansals Vision ist zugleich faszinierend und beunruhigend – in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche mahnt sie zu gelebter Brüderlichkeit, toleranter Demokratie und einsichtiger Freiheit.

Aus dem Französischen von Vincent von Wroblewsky

Boualem Sansal
2084 - Das Ende der Welt
fadengeheftetes Hardcover mit Schutzumschlag     
288 Seiten
1.Auflage 2016 
Euro 24,- inkl. MwSt.   Buch kaufen


Samstag, 17. September 2016

NEU: Der Islam in Deutschland

Beck, Islam in Deutschland
MATHIAS  ROHE

DER  ISLAM  IN  DEUTSCHLAND
Eine Bestandsaufnahme

Seit Jahrzehnten leben Muslime in Deutschland, und doch werden sie von vielen als fremd, ja als Bedrohung empfunden. Mathias Rohe leistet mit seiner fundierten Bestandsaufnahme zum Islam in Deutschland einen Beitrag zur Versachlichung.

Das Buch beschreibt die Geschichte des Islams in Deutschland und die Vielfalt muslimischen Lebens in der Gegenwart. Es schildert die Bedeutung unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Kulturen und durchleuchtet die Vielzahl an muslimischen Organisationen, Initiativen und Positionen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich muslimisches Leben im Alltag entfalten kann:

Welche Hürden gibt es für Moscheen, Minarette, Gebetsrufe oder religiöse Kleiderordnungen?
Wie lassen sich im deutschen Alltag die Ritualvorschriften– etwa Fasten, Beschneidung, Schächten – beachten?
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Staat und muslimischen Organisationen?
Sind islamische Normen mit deutschem Recht vereinbar?
Abschließend fragt Mathias Rohe nach Perspektiven des Zusammenlebens in Zeiten von Flüchtlingen, muslimisch-religiösem Extremismus und Islamfeindlichkeit.

Eine unentbehrliche Grundlage für alle, die jenseits von Illusionen und Ängsten profund über den Islam in Deutschland mitreden wollen.  

Autor:
Mathias Rohe, Jurist und Islamwissenschaftler, ist Professor für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Erlangen-Nürnberg sowie Gründungsdirektor des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa.

Mathias Rohe
Der Islam in Deutschland
Broschiert mit 16 Abbildungen
416 Seiten
1.Auflage 19. September 2016
nur Euro  16,95 inkl. MwSt.    Buch kaufen


Mittwoch, 14. September 2016

Erfolgreiches 36. Erlanger Poetenfest 2016

Claudia Ott, Ashraf Kateb und Salaheddin Maraqa
Photo: B.Agada

Über 12.000 Besucherinnen und Besucher ließen sich von tropischen Temperaturen während des 36. Erlanger Poetenfests nicht abschrecken 

Mit einem Porträt des griechisch-österreichisch-schwedischen Romanciers, Publizisten und Literaturwissenschaftlers Aris Fioretos fand das 36. Erlanger Poetenfest am Abend des 28. Augusts im Erlanger Markgrafentheater einen passenden Abschluss. In Person und Werk vereint Aris Fioretos prägende Themen der diesjährigen Poetenfest-Ausgabe, die wieder über 12.000 Besucherinnen und Besucher nach Erlangen lockte: Migration, kulturelle Vielfalt und die Zukunft Europas. Parallel zu den Lesungen im Erlanger Schlossgarten hatte kurz zuvor eine engagiert für Offenheit und Anerkennung kultureller Unterschiede plädierende Herta Müller über ihre eigenen Flucht- und Exilerfahrungen berichtet und mit Wilfried F. Schoeller diskutiert, welche Lehren daraus für die aktuelle Debatte um die Integration geflüchteter Menschen gezogen werden können.

Flucht und Exil war ein Themenkomplex, der sich wie ein roter Faden durch das Programm des diesjährigen Poetenfests zog, von den Lesungen im Schlossgarten bis zu den abendlichen Autorenporträts: Im überaus unterhaltsamen Gespräch mit Andreas Platthaus machte Ilija Trojanow deutlich, wie sehr seine weltläufige Biografie durch die Flucht als Kind aus Bulgarien geprägt ist. Nur wenige Kilometer von Erlangen entfernt, war die Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf damals seine erste Station. Trojanow plädierte dafür, die derzeitigen Herausforderungen im historischen Kontext immer wieder auftretender Flüchtlingswellen zu sehen und – als Kenner Afrikas und langjähriger Verleger afrikanischer Literatur – die historische Verantwortung Europas für die Probleme in vielen Ländern Afrikas stärker wahrzunehmen.

Im Zentrum des Erlanger Poetenfests standen auch in diesem Jahr die langen Lesenachmittagen mit zahlreichen Buchpremieren im Erlanger Schlossgarten. Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sharon Douda Otoo mit ihrem Klagenfurt-Text, Shida Bazyar, die aus ihrem druckfrischen Roman „Nachts ist es leise in Teheran“ las, die mit „Drehtür“ für den deutschen Buchpreis nominierte Katja Lange-Müller, Katharina Winkler und Abbas Khider, die aus ihren Frühjahrserscheinungen „Blauschmuck“ und „Ohrfeige“ lasen und die niederländische Bestseller-Autorin Connie Palmen, die ihren neuen Roman über Sylvia Plath und Ted Hughes vorstellte, zählten zu den Höhepunkten. Auch Emma Braslavsky, Mara-Daria Cojocaru, Kurt Drawert, Gerhard Falkner, Joshua Groß, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Isabelle Lehn, José F. A. Oliver, Teresa Präauer, Tilman Rammstedt, Eberhard Rathgeb, Ulrike Almut Sandig, Silke Scheuermann und Arnold Stadler faszinierten das Publikum bei den Freiluft-Lesungen im Park. Ihre Kinder- und Jugendbücher präsentierten Norbert Bohnsack, Andreas Collin, Mario Fesler, Antje Herden, Anja Hilling mit Simona Sabato, Bob Konrad, Ute Krause und Valija Zinck.

Zum Auftakt des 36. Erlanger Poetenfests übertrug Bayern 2 am Abend des 25. Augusts die „Nacht der Poesie“ aus dem Markgrafentheater, am 27. August wurde auch das Büchermagazin „Diwan“ live vom Poetenfest gesendet. Als ein großer Erfolg erwies sich die Buchpremiere von Raoul Schrotts Ende September im Handel erscheinenden Epos‘ „Erste Erde“ in Form einer „Langen Nacht der Ersten Erde“, in der zunächst Raoul Schrott von Michael Krüger befragt wurde. Im weiteren Verlauf interviewte Raoul Schrott dann die Naturwissenschaftler William F. Martin, Klaus Mecke, Axel Munnecke und Ralph Neuhäuser zur Entstehung des Universums, der Sterne, der Erde und des Lebens. Zu Gast in der Dreizehnten Erlanger Übersetzerwerkstatt waren Sharon Dodua Otoo, Terézia Mora, José F. A. Oliver, Klaus-Jürgen Liedtke, Iain Galbraith, Brigitte Döbert, Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel sowie – anlässlich des 150. Todestags von Friedrich Rückert – die Orientalistinnen Claudia Ott und Wiebke Walther. Dem Dichter, Übersetzer und frühen Vermittler fremder Literaturen war in Zusammenarbeit mit dem Erlanger Stadtmuseum ein vielbeachteter Programmschwerpunkt gewidmet, der mit der spontan angesetzten Zusatzvorstellung von Claudia Otts Lesekonzert altarabischer Lyrik einen abschließenden Höhepunkt fand.

Deborah Feldman erzählte von ihren Erfahrungen mit religiösem Fanatismus. Beim Aktuellen Podium „Die Türkei zwischen den Extremen“ diskutierten Autoren und Journalisten die gegenwärtige Lage. „Europa erzählen“ lautete der Titel der traditionellen Sonntagsmatinee mit Dieter Bachmann, Aris Fioretos, Wilfried F. Schoeller und Ilija Trojanow in der Moderation von Alexander Kissler. „Mobbing in Literatur und Leben“ war Gegenstand eines bewegenden Gesprächs mit Astrid Frank, Brigitte Hamacher und Wolfgang Kindler. Eine Werkstattschau beschäftigte sich mit drei neuen Biografien von Peter-André Alt, Simon Elson und Deborah Vietor-Engländer über Sigmund Freud, Max J. Friedländer und Alfred Kerr. Birgit Weyhe präsentierte ihren mit dem Max und Moritz-Preis 2016 ausgezeichneten Comic „Madgermanes“ und Hans Hillmans „Fliegenpapier“ nach Dashiell Hammett verwandelte sich unter der künstlerischen Leitung des israelischen Komponisten und Pianisten Itay Dvori in ein multimediales Comic-Konzert. Auf Einladung der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur entwickelte Gunter Gebauer im Gespräch mit Helmut Böttiger eine „Philosophie des Fußballs“. Einen künstlerischen Beitrag zur Flüchtlingsdebatte lieferte das Künstler-Kollektiv Rimini Protokoll mit „Evros Walk Water“, einer Performance, die die Erlebnisse jugendlicher Flüchtlinge erlebbar macht. Auf einem eigenen Podium lasen in Erlangen lebende Geflüchtete Lyrik aus ihrer Heimat auf Arabisch, Kurdisch, Farsi und Ukrainisch. Ausstellungen und Filme rundeten das Programm des 36. Erlanger Poetenfests ab.

Das 37. Erlanger Poetenfest wird vom 24. bis 27. August 2017 stattfinden.


Veranstalter
Kulturamt der Stadt Erlangen
Abteilung Festivals und Programme


Freitag, 9. September 2016

Buchbesprechung: Bilqiss

Bilqiss
Rezension

SAPHIA  AZZEDDINE

BILQISS   Roman


Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Muezzin, der betrunken und unfähig ist, die Gläubigen zum Gebet zu rufen! Was macht seine Frau? Sie bittet ihre Nachbarin um Hilfe. Da es schnell gehen muss und die nächste Moschee weit entfernt ist, nimmt sich die Nachbarin die Freiheit und steigt selbst auf das Minarett und ruft zum Morgengebet. Eine verrückte Idee. Nicht nur, dass sie als Frau dieses Amt in diesem Moment übernimmt, sie erlaubt sich auch gleich den Bäcker, Gemüsebauern, Gärtner, die die Gemeinde ernähren und den Lehrer für Geschichte und Geographie, die sie vom Minarett aus sieht, im Namen Allahs für ihre vollbrachten und guten Taten zu loben. Welche Ungeheuerlichkeit in einem streng islamischen Land, in dem Frauen die Burka tragen müssen und auch sonst nichts zu sagen haben.

Es war einmal in einem islamischen Land
Das Land selbst wird nicht genannt. Man kann sich einige Länder vorstellen, in denen die Handlung spielen könnte. Einige amerikanische Soldaten sind in dem Ort stationiert, der nicht näher benannt wird.  
Nach dem sich die Leute den Schlaf aus den Augen gerieben haben und von der ersten Überraschung schockiert aufgeschreckt sind, wurde Bilqiss, so der Name der Nachbarin, verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Dieser Name wurde von der Autorin nicht grundlos ausgewählt. Bilqîs, Bilkis oder Balkis ist der Name der sagenhaften, klugen und schönen Königin, der Herrscherin von Saba, die nach Jerusalem zu König Salomon, im Islam unter König Suleyman bekannt, reiste.

Aubergine als Phallus-Symbol
Nach der Durchsuchung ihres Hauses kommen weitere „Todsünden“ zum Vorschein: Damenunterwäsche, Seidenstrümpfe, Make-up, Stöckelschuhe, Musikkassetten, Zeitungen, persische Gedichtsammlungen, also „alles, was Männer in Versuchung führen könnte“. Den Computer, das „Tor zur freien Meinungsbildung“ haben sie nicht gefunden. Sogar die Aubergine und Zucchini aus dem Kühlschrank werden beschlagnahmt! Sie dürfen nur in Stücke geschnitten auf dem Markt an Frauen verkauft werden, denn die Form könnte Frauen an einen Phallus erinnern und erregen, ereifert sich Herr Karzi, der Hauptankläger. Das Urteil kann also nur Tod durch Steinigung lauten. Für die Männer im Dorf gibt es keinen Zweifel.

Bilqiss und der Richter
Um vor tätlichen Angriffen geschützt zu sein, muss Bilqissin einem Käfig die Gerichtsverhandlungen überstehen. Der Richter zögert das Urteil vollstrecken zu lassen. Im Gegenteil, er geht zu Bilqiss ins Gefängnis. Was will er dort?  Nacht für Nacht diskutieren Bilqiss und der Richter, dem allmählich Zweifel an dem Urteil kommen. Wenn sie sich doch nur entschuldigen würde, dann könnte er Bilqiss retten…

Selbst ist die Frau
Aber Bilqiss denkt nicht daran, denn sie hat nichts Unrechtes getan. Bilqiss, die auch noch Witwe ist,  hat nichts zu verlieren. Sie wurde bereits verurteilt. Frei und selbstischer verteidigt sie sich und wehrt alle Anschuldigungen ab, im Gegenteil, sie führt dem Richter und auch den Zuhörern die absurden Gedanken der „Sittenwächter“ vor Augen und widerlegt mit Hilfe ihres gesunden Menschenverstands und des Korans, den sie nach ihrem Empfinden interpretiert, die Vorwürfe. Was hat sie getan? Sie rief die Gläubigen zum Gebet und fügte einige Sätze hinzu. Sollte das schon ausreichen, um sie zu steinigen? Islamische Rechtsgelehrte diskutieren um ein „juristisches Exempel zu statuieren“. Aber wie sollte die Strafe ausfallen?

Gotteslästerung oder Wahnsinn ?
„Handelte es sich um Gotteslästerung oder war es eine Ausgeburt des Wahnsinns? Darum drehten sich die Betrachtungen der Muslime von heute, während woanders Leute zum Mond flogen. … Seit sieben Jahrhunderten… zahlte die muslimische Welt einen hohen Preis dafür, dass sie ihrer weiblichen Hälfte Maulkörbe anlegte….Weit zurück lag die Zeit, als der geistige Wert eines Muslims sich nach der Anzahl der Bücher in seinem Besitz richtete, als Bibliotheken… aus dem Boden schossen und Moscheen nicht nur Gebetshäuser waren, sondern das Wissen verkörperten an dem Männer und Frauen unterschiedslos teilhaben konnten...“ klagen Bilqss und die Autorin zu Recht an.

Der Fall wird international
Inzwischen hat jemand die Gerichtsverhandlungen gefilmt und im Internet verbreitet. Dies sieht eine amerikanische Journalistin, die sich auf den Weg macht, um Bilqiss zu interviewen. Kann sie Bilqiss retten oder kommt sie zu spät?


Autorin:
Saphia Azzeddine wurde 1979 in Agadir/Marokko geboren. Als 9jährige zog sie nach Frankreich. Nach dem Soziologiestudium verbrachte sie ein Jahr in Houston, arbeitete als Diamantschleiferin in Genf  und etablierte sich dann als Journalistin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin.
Im Wagenbach-Verlag erschienen außerdem ihr Roman Zorngebete (Buchbesprechung hier) und Mein Vater ist Putzfrau.


Fazit:
Saphia Azzeddine beschreibt mutig und selbstbewusst die arrogante Sichtweise vieler Männer (nicht nur) in der islamischen Welt. Höhepunkt deren Genugtuung ist die Steinigung, die Vernichtung des Weiblichen, das sie reizt und von der religiösen Bigotterie ablenken könnte. Welche Absurditäten und Auswüchse dieses krude „Männerdenken“ zu Tage fördert, belegt die Autorin mit zahlreichen und auf den Punkt formulierten Beispielen. Sind die Szenen vielleicht übertrieben dargestellt ? Das mag der Leser selbst beurteilen, die Autorin stellt nur fest, sie verurteilt nicht.

Die Amerikaner, die „hilfreichen Soldaten“ und die „mitfühlende Journalistin“ werden vorgeführt und mit ihren eigenen „Waffen“ (Arroganz und Sensationslust) geschlagen.
Nur weil sich der Richter in Bilqiss verliebt, zögert er die Verhandlung in die Länge, das heißt auch er denkt vorrangig an sich und seine Phantasien…

Ein genial geschriebenes Buch, nicht nur über „muslimische“ Männerphantasien, das man gelesen haben sollte, eingebettet in einen Rahmen, der an die Geschichten aus 1001 Nacht erinnert. Gleichzeitig eine Anklage an die Rückständigkeit der islamischen Obrigkeit, während die Menschen schon viel weiter sind. Eine echte Bereicherung, sehr gut.



Veranstaltungstermine
Mittwoch, 19. Oktober 2016
Stuttgart Stadtbibliothek

Donnerstag, 20. Oktober 2016
Karlsruhe, Centre Culturel Franco-Allemand

Montag, 28. November 2016
Berlin, Heimathafen Neukölln



Donnerstag, 8. September 2016

Reiseführer Tunesien

Tunesien
TUNESIEN   Reiseführer
POLYGLOTT on tour

Ganz entspannt reisen mit dem POLYGLOTT on tour Tunesien, der mit 14 TOUREN, einer FALTKARTE und 80 STICKERN für die individuelle Planung jede Menge authentische Entdeckungen bietet. Den Herzschlag Tunesiens spüren Sie mit den vielfältigen Tipps des TYPISCH Kapitel, z.B. mit 50 DINGE, die Sie erleben, probieren, bestaunen und bleiben lassen sollten. Dazu gibt es Informationen von 
A-Z, die Top-Sehenswürdigkeiten und ausgewählte Adressen zu Unterkunft, Kunst, Kultur, Shopping, Essen und Trinken. PLUS: Eine individuelle App macht Ihren Urlaub unvergesslich.

Friedrich Köthe, Daniela Schetar
Tunesien
160 Seiten
1.Auflage Juli 2015
Euro 12,99 inkl. MwSt.    Buch kaufen


NEU: Reiseabenteuer Wie ich die Prinzessin von Sansibar suchte....


Prinzessin von Sansibar
WOLF  ULRICH   CROPP

WIE  ICH  DIE  PRINZESSIN VON  SANSIBAR  SUCHTE....

Reihe  Reiseabenteuer

Das Abenteuer Sansibar beginnt auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Auf einem Gedenkstein entdeckt Wolf-Ulrich Cropp den Hinweis auf Emily Ruete, geborene Salme, Prinzessin von Sansibar. Neugierde und Entdeckerdrang wecken in Cropp den Wunsch, die ferne Inselwelt der Prinzessin zu erkunden.
Der Weg nach Sansibar führt ihn zunächst zum Fuß des Kilimandscharos, der höchsten Erhebung Afrikas und Lebensraum der Massai. Weiter geht es mit dem Überlandbus an die ostafrikanische Küste, entlang der alten Karawanen-, Sklaven- und Elfenbeinroute, nach Dar es Salaam und Bagamoyo. Auf abenteuerlichen Wegen erreicht Cropp schließlich mit einer schiffbrüchigen Dhau Sansibar, die afroarabische Welt aus Tausendundeiner Nacht. Er erkundet das Inselkleinod im Indischen Ozean, die Tour nach Stone Town wird zu einer Zeitreise zurück in die Welt der Sultane und Kalifen. Schließlich kommt es zu einer unerwarteten Begegnung: An den Palastruinen von il Mtoni erscheint eine geheimnisvolle Frau und berichtet dem Autor aus dem spannenden Leben der Prinzessin Salme ...
Autor
Wolf-Ulrich Cropp aus Hamburg lernte schon als Manager von Unternehmen im In- und Ausland alle Kontinente kennen. Nebenher schrieb er Bücher und zahlreiche fachkundliche Abhandlungen. Seit 1997 widmet er sich ganz dem Reisen und Schreiben. Seine Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitete er in zweiundzwanzig Büchern, darunter Bestsellern, sowie in Artikeln, Essays und Kurzgeschichten. Cropp ist Vorstandsmitglied der Hamburger Autorenvereinigung e. V. und Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller.


Wolf-Ulrich Cropp
Wie ich die Prinzessin von Sansibar suchte und dabei mal: kurz am Kilimandscharo vorbeikam
Format 13 x 19,7 cm
360 Seiten
1.Auflage Juli 2016
nur Euro 14,99 inkl. MwSt.  Buch kaufen


Montag, 5. September 2016

Rezension: Wir da draußen

duMont
Empfehlung

FIKRY  el AZZOUZI

WIR  DA  DRAUSSEN   Roman

Der Autor Fikry el Azzouzi beschreibt die Lage von jungen Männern, die in einem kleinen Ort in Belgien leben. 

Familienprobleme

Marokkanischer Herkunft ihrer Eltern, sind sie längst Flamen geworden, außer Kevin, ein echter Belgier, der mit seiner alkoholsüchtigen Mutter ohne Vater lebt, und sich Karim nennt, um den Marokkanern zu gefallen und der immer wieder „Anwandlungen eines Salafisten“ zeigt. „Karim ist bei uns eine Minderheit, und deshalb übernimmt er die meisten Angewohnheiten der Mehrheit. Das nennt man Integration. Sagen wir, Kevin ist ein Konvertit….Karims Problem ist, dass er sich ständig beweisen muss. Er will noch dunkelhäutiger und gläubiger sein als wir.“ So schreibt Ayoub, der Marokkaner, mal wieder in sein Notizbuch. Karim, Fouad und Maurice, seine anderen Freunde, zwicken Ayoub deshalb auf, aber er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und schreibt weiter.  

Gesellschaftsprobleme

Ayoub und seine Freunde fühlen sich ausgeschlossen aus der Familie und aus der Gesellschaft. Der Vater lebt sein Ego aus, schlägt die Söhne und die Mutter traut sich nicht, sie zu verteidigen, obwohl sie sich Vorwürfe macht. So leben Ayoub und seine Freunde auf der Straße und schlüpfen nur nach Hause, wenn der Vater schläft oder nicht da ist und die Mutter die Tür einen Spalt weit offen lässt. Die Jugendlichen versuchen ihr Leben „auf der Straße“ so angenehm wie möglich zu gestalten. Ayoub will Schriftsteller werden, natürlich ein erfolgreicher. Fouad sieht sich als Bodybilder und Frauenschwarm. Eines Tages stellt Fouad Ayoub seinen neuen Freund vor, Jean-Pierre, der ein Künstler werden möchte und sich an Fouads „tollem Körper“ ergötzt, den dieser gern zur Schau stellt. Mit Drogen und Aufputschmittel vollgepumpt, hält Fouad dem Druck nicht stand….. Ayoub macht sich große Vorwürfe.

Drogenprobleme

Maurice wohnt zur Untermiete bei einem älteren Marokkaner. Die Freunde freuten sich und dachten zuerst, sie könnten gleich mit einziehen, damit sie nicht mehr auf der Straße sein mussten. Doch Mo, der Marokkaner, wollte zunächst keine Besucher akzeptieren. Maurice hat eine flämische Mutter und einen Vater aus der Elfenbeinküste, die Eltern sind geschieden. Maurice versteht sich nicht sehr mit seinem Stiefvater. Da sind ihm seine Freunde näher. Eines Tages fällt Mo durch zu starken Drogenkonsum ins Koma…

Glaubensprobleme 

Plötzlich erscheint Karim/Kevin in einer Djalabiya (langes Gewand) bei Ayoub und Maurice und nennt sich Abu Karim. Er versucht beide davon zu überzeugen, dass ihr bisheriges Leben nichts gebracht hat und dass es nur im Glauben eine Erfüllung gibt.
Zur großen Überraschung der beiden erklärt Karim kurz darauf auch noch, dass er verheiratet ist. „Bruder“ Ayoub und „Bruder“ Maurice können es kaum glauben, bis sie der Frau und Witwe gegenübersitzen, die auch noch 3 Kinder hat, die Abu Bakr, Omar und Othman heißen, nach den ersten drei Kalifen im Islam. Natürlich soll der Sohn von Karim Ali heißen.
Die dreifache Witwe hat ihre Männer alle als Märtyrer verloren, in Afghanistan, Irak und Somalia. Nun soll Abu Karim seine Freunde davon überzeugen, mit ihm in Syrien zu kämpfen. Wird er Erfolg haben ?

Autor:
Fikry el Azzouzi, wurde 1978 in Temse (Belgien) geboren und ist ein flämischer Autor marokkanischer Herkunft. Einen Namen machte er sich als Kolumnist und Dramatiker. Er wurde u.a. 2013mit dem Autorenpreis für Theaterkunst  ausgezeichnet. 2010 erschien sein Debütroman „Het Schapenfeest“, 2014 folge die Novelle „De handen van Fatma“. „Wir da draußen“ ist das erste Buch von el Azzozi, das auf Deutsch erscheint. Der Autor lebt in Antwerpen.

Fazit:
Mit der Umgangssprache der jungen Leute von heute hat der Autor die Gedankenwelt der Jugendlichen 16-18jährigen treffend beschrieben. Ein wenig derb, mit dunklem Humor ausgestattete Protagonisten, die im Geiste alles kurz und klein hauen, jeden erschlagen, der sich ihnen in den Weg stellt, trifft er die Reden der sich ständig provoziert Fühlenden genau. Er hat zwar auch die Klischees nicht ganz ausgelassen, aber dennoch ein zum Nachdenken anregendes Buch geschrieben.
Ein amüsanter Roman aus einem Milieu, das es zur Zeit überall in Europa geben dürfte. Ein Buch für Eltern, die Veränderungen ihrer Kinder beachten sollten.  

Ein Roman, der den Leser in die Handlung einbezieht, denn Ayoub, der Schriftsteller spricht Sie als Leser direkt an. Dies ist ein geschickter Zug, der Autor erreicht damit, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will.  



Freitag, 26. August 2016

NEU: Die Flüchtlingsrevolution

Pantheon
Neuerscheinung
MARC  ENGELHARDT (Hrsg.)

DIE  FLÜCHTLINGSREVOLUTION
Wie die neue Völkerwanderung die ganze Welt verändert- Sachbuch

Eine Welt auf der Flucht
Flucht ist ein globales Phänomen. Die Welt ist in Bewegung. Menschen flüchten vor Krieg und Gewalt, vor Ungleichheit und Verfolgung, aus Angst vor dem Untergang ihrer Heimat oder aus Sorge um die Zukunft ihrer Kinder. Die neue Völkerwanderung ist dabei, die Welt, wie wir sie kennen, zu verändern. Die 60 Millionen Flüchtlinge, die das UN-Flüchtlingshilfswerk 2015 registrierte, sind dabei nur der Anfang. Wir erleben nicht die so oft beschworene »Flüchtlingskrise«, sondern eine Flüchtlingsrevolution.

Die Weltreporter haben die neuen Flüchtlinge überall auf dem Globus getroffen und ihre Geschichten aufgeschrieben. Sie berichten von Hoffnung und Leid, Hilfsbereitschaft und Verunsicherung, von Ideen und Plänen für eine Zukunft, von der die ganze Welt profitieren kann: wenn sie Veränderung zulässt und Herausforderungen auf innovative Art und Weise löst.

Autor:
Marc Engelhardt, Jahrgang 1971, arbeitet seit zwölf Jahren als freier Auslandskorrespondent, zunächst aus Nairobi und inzwischen aus Genf. Er berichtet u.a. für den Deutschlandfunk, ARD Hörfunk und Fernsehen sowie die Nachrichtenagentur epd. Bis 2015 war er Vorsitzender des Korrespondentennetzwerks Weltreporter. Zuletzt gab er bei Pantheon „Völlig utopisch. 17 Beispiele einer besseren Welt“ (2014) heraus.
Die Weltreporter sind das größte Netzwerk freier deutschsprachiger Auslandskorrespondenten, die aus mehr als 160 Ländern berichten. Die 45 Korrespondenten sitzen überall auf der Welt von Athen bis Washington, D.C.


Marc Engelhardt
Die Flüchtlingsrevolution
Paperback, Klappenbroschur 
Format 13,5 x 21,5 cm
352Seiten
1.Auflage 29. August 2016
Nur Euro 16,99 inkl. MwSt.   Buch kaufen


Buchpräsentationen:

Montag, 19.09.2016  Berlin
taz Café,  Rudi-Dutschke-Straße 23,  10969 Berlin 


Mittwoch, 02.11.2016  Düsseldorf  19:00 Uhr  
Lesung und Gespräch mit den Autoren Marc Engelhardt u.a.
Bücherei Bilk, Friedrichstraße 127, 40217 Düsseldorf 


Donnerstag, 03.11.2016  Herne  19:30 Uhr  
Lesung und Gespräch mit den Autoren Marc Engelhardt und Birgit Kaspar
Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Literaturbüro Ruhr im Rahmen der Reihe 'Ausgebootet. Macht & Subversion in der Literatur'
Literaturhaus Herne Ruhr e.V. , Bebelstraße 18, 44623 Herne 


Dienstag, 15.11.2016  Pressath  19:30 Uhr  
Lesung und Gespräch mit Philipp Hedemann
Katholisches Pfarramt, Hauptstraße 9  Pfarrsaal, 92690 Pressath 


Dienstag, 06.12.2016   Bonn   19:30 Uhr
Lesung und Gespräch mit Philipp Hedemann
Im Rahmen der Bonner Woche der Kulturen
In Kooperation mit der Evangelischen Akademie im Rheinland
Bonner Institut für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen e.V.
Brüdergasse 16-18,  53111 Bonn 


Mittwoch, 07.12.2016  Köln
Lesung und Gespräch mit Philipp Hedemann
FREIRAUM e.V., Gottesweg 116a,  50939 Köln 


NEU. Die Sprache des Terrors - Sachbuch

Pantheon

Neuerscheinung
PHILIPPE - JOSEPH  SALAZAR

DIE  SPRACHE  DES  TERRORS - Sachbuch
Warum wir die Propaganda des IS verstehen müssen, um ihn bekämpfen zu können

Der Mann, der die Sprache des IS spricht
Worte können unzählige Menschen zu Taten antreiben, wie man an der Propaganda der Dschihadisten sehen kann.

Wer sind die?, lautet eine von Salazars Ausgangsfragen, die er sogleich selbst beantwortet: ein Feind, dem wir noch nicht einmal einen einheitlichen Namen geben können. Und das ist nicht das Geringste unserer Probleme. Solange wir uns weigern zuzuhören und zu sehen, wen wir hier vor uns haben, werden wir weiterhin auf den Straßen und öffentlichen Plätzen unserer eigenen Städte angegriffen werden – wie es in Paris, Brüssel und andernorts geschehen ist.

Der Dschihadismus bedient sich einer schlagenden Redekunst, die jedoch nichts mit dem zu tun hat, was wir in der Politik für logisch, vernünftig und überzeugend halten, so Salazars Analyse. Wollen wir den Kampf mit dem IS aufnehmen, müssen wir verstehen, worin die Wortgewalt und Überzeugungskraft seiner Sprache besteht. Und – falls man es bei den Waffen der Worte belassen will – islamisch denken, sprechen und argumentieren.

Autor:
Philippe-Joseph Salazar, 1955 in Casablanca geboren, hat an der Ecole Normale Supérieure Philosophie studiert und ist Schüler von Jacques Derrida, Roland Barthes und Emmanuel Levinas. Seine Arbeiten und Publikationen zum Thema politische Versöhnung haben ihm internationale Anerkennung verschafft. Von 1998 bis 2004 war er Programmdirektor für Rhetorik und Demokratie am renommierten Collège International de Philosophie ‎in Paris, seit 2004 ist er Professor für Rhetorik an der Universität Kapstadt. ‎Für "Die Sprache des Terrors" erhielt er 2015 den Prix Bristol des Lumières.

Aus dem Französischen von  Christiane Seiler  
Originaltitel: Paroles armées - Comprendre et combattre la propagande terroriste
Originalverlag: lemieux éditeur

Philippe-Joseph Salazar
Die Sprache des Terrors
Paperback, Klappenbroschur 
Format 13,5 x 21,5 cm
224 Seiten
1.Auflage 29. August 2016
Nur Euro 14,95 inkl. MwSt.   Buch kaufen


NEU: Die Entstehung des Islam, Geschichte

Entstehung des Islam
Neuerscheinung

LUTZ  BERGER

DIE  ENTSTEHUNG  DES  ISLAM
Die ersten hundert Jahre
Von Mohammed bis zum Weltreich der Kalifen

Innerhalb von nur hundert Jahren entstanden der Islam und das Weltreich der Kalifen und veränderten tiefgreifend die politischen und kulturellen Koordinaten der Welt. Lutz Berger erklärt dieses "Wunder" aus dem Wandel der spätantiken Gesellschaften und beschreibt anschaulich, wie sich der Islam Hand in Hand mit den arabischen Eroberungen formiert hat.

Über das plötzliche Auftauchen des Islams im 7. Jahrhundert ist viel spekuliert worden: Handelte es sich ursprünglich um eine christliche oder jüdische Sekte? Auf welche Quellen geht der Koran zurück?

Lutz Berger zeigt auf der Grundlage neuester Forschungen, wie sich in der Konkurrenz monotheistischer Erlösungsreligionen von Mekka aus eine arabische Spielart mit eigenem Propheten und heiligem Buch verbreitete und die zersplitterte arabische Halbinsel befriedete.
Dies war die Voraussetzung für weiträumige Eroberungen, die überall da erstaunlich reibungslos verliefen, wo man sich dem Zugriff des byzantinischen oder sassanidischen Großreichs entziehen wollte. Durch die Aufnahme des persischen Erbes entstand eine ganz neue Kultur, die die Zivilisation der Antike bewahrte - während der Nordwesten Europas kulturell zurückfiel.

Lutz Berger vollbringt das Kunststück, den Aufstieg des Islams ganz aus den Bedingungen der Zeit zu erklären und zugleich in eine welthistorische Perspektive zu stellen, die das Buch zu einer faszinierenden Fallstudie über die Geburt von Imperien macht.

Autor:
Lutz Berger ist Professor für Islamwissenschaft und Turkologie an der Universität Kiel. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zum vormodernen Islam sowie zum Islam in der Gegenwart vorgelegt.


Lutz Berger  
Die Entstehung des Islam
Gebunden mit Schutzumschlag
16 Abbildungen, 2 Karten
334 Seiten
1.Auflage 29. August 2016
Euro 26,95 inkl. MwSt.   Buch kaufen


Buchemfpehlung für Kinder: Lucky - ein Gecko auf Reisen

Lucky

NEU
MARTIN  AVI  ABRAHAM

LUCKY  -  EIN  GECKO  AUF  REISEN  
Kinderbuch auch für große Leser

Lucky – ein Gecko auf Reisen erzählt die Geschichte eines jungen Geckos, der sein Zuhause auf der tropischen Insel Bali verlässt und sich auf eine große Reise begibt. Neugier und Wissensdurst locken den kleinen Gecko zu neuen Ufern. Der Versuch, sich selbst und die Welt zu verstehen, treibt ihn an. Island wird dabei zu seinem Sehnsuchtsort. Auf dem Weg dahin durchlebt Lucky Abenteuer in Asien, Afrika und Europa. Er lernt fremde Kulturen, Tiere und Menschen kennen und erfährt immer mehr über sich selbst.
 All diese Erfahrungen steuern den kleinen Gecko letztlich nicht nur nach Island, sondern führen ihn zu der größten aller Fragen, der Frage nach dem Sinn des Lebens.

 Lucky lässt kleine und große Leser unmittelbar an seinen Erfahrungen, Gefühlen und Erkenntnissen teilhaben. Er nimmt sie mit auf seine abenteuerliche Antwortsuche um die Welt.

 Der erste Teil Lucky, der Gecko erschien 2013 als Bilderbuch im Kommode Verlag. Das Vorlesebuch Lucky - Ein Gecko auf Reisen versammelt alle fünf Abenteuer.

Autor:
Martin Avi Abraham, 1968 in Wien geboren, studierte Germanistik, vergleichende Literaturwissenschaften und Architektur. Nach einer Ausbildung zum Gruppendynamiker ergab sich eine erfolgreiche Karriere als Unternehmensberater. 2001 hat es ihn in die Ferne gezogen, über Granada und die Toskana hat ihn die Reise in die Schweiz geführt, wo er bis dato ansässig ist. Vom Reisen, oder besser gesagt vom Unterwegs sein und vom Suchen handelt auch sein literarisches Schaffen.

Illustrator:  
John Bendall-Brunello wuchs als jüngstes von neun Kindern außerhalb von Cambridge auf. Nach seinem Abschluss an der Kunsthochschule in Cambridge in den Bereichen Illustration und Design arbeitete er für verschiedene didaktische Verlage bis er 1985 sein erstes Kinderbuch veröffentlichte. Seither wurden in England und den USA über 60 Bilderbücher von ihm veröffentlicht. Einige davon entstanden in Zusammenarbeit mit den renommiertesten englischen Kinderbuchautoren.


Martin Avi Abraham
Lucky - Ein Gecko auf Reisen
Hardcover, Halbleinen, Format: 19,5 x 24,5 cm
160 Seiten
1.Auflage  Juli 2016
Euro 32,- inkl. MwSt.   Buch kaufen 



NEU: Bilqiss - Roman aus Marokko

Bilqiss
Neuerscheinung


SAPHIA AZZEDDINE

BILQISS - Roman

Die junge Witwe Bilqiss soll gesteinigt werden, weil sie anstelle des (betrunkenen) Muezzin zum Morgengebet gerufen hat und zudem (bewiesenermaßen) Make-up, Stöckelschuhe und sogar einen Lyrikband besitzt…

Wütend, witzig und weise erzählt dieser Roman die Geschichte einer freien Frau in einem islamischen Land. Saphia Azzeddine schreibt mit viel Ironie und leichter Hand, dabei ist es ihr bitter ernst. Bilqiss wird sich nicht beugen, nicht um Verzeihung bitten. Und schließlich wird das Urteil gesprochen.

Wie irre muss man sein, um in einer Aubergine einen Phallus zu sehen und ihren Kauf nur zerstückelt zu erlauben? Das fragt Bilqiss, die widerspenstige Heldin dieses tragikomischen Romans. Man hat sie verurteilt, man hat sie verdammt, man wird sie steinigen. Bilqiss jedoch lässt sich den Mund nicht verbieten, sie verteidigt sich selbst vor dem überforderten Richter. Tags im Gerichtssaal, nachts in ihrer Zelle, wo er sie bald regelmäßig besucht. Rhetorisch geschickt und außerdem klug entlarvt sie die obszöne Fehlinterpretation des Korans und die scheinheilige Moral, erzwingt Tag um Tag den Aufschub ihrer Hinrichtung.

Die Weltöffentlichkeit verfolgt das Ganze in Echtzeit, schon ziert das Antlitz der Angeklagten amerikanische Solidaritäts-Tassen. Eine jüdische Journalistin reist an, um sich selbst ein Bild und eine große Reportage über den Fall zu machen.

Autorin:
Saphia Azzeddine, 1979 in Agadir, Marokko, geboren, zog mit neun Jahren nach Frankreich. Sie studierte Soziologie, verbrachte ein Jahr in Houston, arbeitete als Diamantschleiferin in Genf und etablierte sich dann als Drehbuchautorin und Schriftstellerin.
Ihr erster Roman Zorngebete (Buchbesprechung hier) wurde bereits als Theaterstück inszeniert und ins Spanische, Italienische und Schwedische übersetzt. Bei der Verfilmung ihres zweiten Romans Mein Vater ist Putzfrau führte die Autorin selbst Regie.

Aus dem Französischen

Übersetzerin:
Birgit Leib arbeitet als freie Übersetzerin von Literatur, Film und Theater in München.

Saphia Azzeddine
Bilqiss
Quartbuch.
176 Seiten. Gebunden mit Schutzumschlag
1.Auflage August 2016
Euro 20,- inkl. MwSt.   Buch kaufen

Donnerstag, 25. August 2016

Neuerscheinung: Von Aleppo nach Paris

die andere bibliothek
NEU
HANNA  DIYAB

VON  ALEPPO  NACH  PARIS
Die Reise eines jungen Syrers bis an den Hof Ludwig XIV.

Das erst 1993 in der Vatikanischen Bibliothek entdeckte Manuskript des Berichts von einer Reise von Aleppo nach Paris im Zeitalter Ludwig XIV.

 Orient und Okzident begegnen sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Der französische Reisende Paul Lucas trifft 1707 in Aleppo auf den zwanzigjährigen Hanna Diyāb. Er wird von Lucas eingestellt und begleitet diesen auf der Heimreise nach Frankreich; ihre Route führt sie von Aleppo über Tripolis, Saida, Zypern, Ägypten, Libyen, Tunis nach Livorno, Genua und Marseille, von dort durch das Rhônetal nach Paris.

Anschaulich und lebendig beschreibt Diyāb Begegnungen und Gespräche, Karawanenzüge und Angriffe von Korsaren, er nimmt Legenden und Heiligengeschichten in seinen Bericht auf. Hanna Diyāb wird in den Gemächern Ludwigs XIV. empfangen.

Die Beschreibung seines Aufenthalts am Hof und in der Stadt Paris gehört zu den Höhepunkten seines Reiseberichts. Dort trifft er auch auf den Orientalisten Antoine Galland, den Herausgeber und Übersetzer von „1001 Nacht“, dem er, neben anderen, die Geschichten von „Ali Baba“ und „Aladdin“ erzählt, die dieser in seine berühmte Märchensammlung aufnehmen wird. Mit ihnen hat sich Hanna Diyāb bereits vor über dreihundert Jahren anonym in das europäische Kulturgedächtnis eingeschrieben.

Aus dem Französischen übersetzt von Gennaro Ghirardelli unter Hinzuziehung der arabischen Handschrift und von diesem mit einem Vorwort versehen. Mit einem Nachwort des französischen Arabisten Bernard Heyberger und Bemerkungen zur Sprache Hanna Diyābs

Buchgestalterin: Paulina Pysz.

Bandnummer: 378
Originalausgabe, nummeriert und limitiert.
Mit 13 Abbildungen und einer Landkarte. Bezug und Vorsatzpapier mit einem von der islamischen Ornamentik beeinflussten geometrischen Muster. Fein gelbleuchtender Bundsteg, Fadenheftung, Lesebändchen.

Hanna Diyab
Von Aleppo nach Paris
492 Seiten, Hardcover
1.Auflage 2016
Euro 42,- inkl. MwSt. Buch kaufen


NEU Ibn Khaldun, Das Buch der Beispiele

reclam
IBN KHALDUN

DAS  BUCH  DER  BEISPIELE
Einführung in die Weltgeschichte

Das Werk ist so enorm, wie es sein Titel andeutet: »Buch der Beispiele und Sammlung der Ursprünge wie der nachfolgenden Geschichte in den Zeiten der Araber, Nichtaraber und Berber sowie der mächtigsten Herrscher, die ihre Zeitgenossen waren«.
Der in Tunis geborene Historiker und Universalgelehrte Ibn Khaldun schrieb es im 14. Jahrhundert als Weltgeschichte und Grundlegung einer Philosophie der Geschichte.

Das Buch hat drei Teile, deren erster hier vorgelegt wird: ES ist die »Muqaddima«, die »Einführung in die Weltgeschichte«, die die allgemeinen Grundlagen jeder Geschichte umreißt: die zyklische Zeit, die menschlichen Lebensweisen, die von der Umwelt geprägt sind und wiederum auf diese einwirken.

Diese Ausgabe vermittelt ein eindrückliches Bild von diesem islamischen Klassiker der Geschichtsschreibung.
(Verlagstext)

Übersetzt, kommentiert und hrausgegeben.:  Mathias Pätzold

Inhaltsverzeichnis:

Vorbemerkungen
Vorwort der Muqaddima

Einleitung
Der Vorzug der Geschichtswissenschaft. Die Ermittlung ihrer Methoden. Hinweise auf Fehler, die den Historikern unterlaufen können, sowie einige Ausführungen zu deren Ursachen

KAPITEL I
Das Wesen der menschlichen Kultur in der von Allah erschaffenen Welt und was in ihr vorkommt: nomadisches und seßhaftes Leben, Obmacht, Verdienst, die Arten, sich den Lebensunterhalt zu erwirtschaften, menschliche Fertigkeiten, Wissenschaften und anderes. Die Ursachen und Gründe hierfür

KAPITEL II
Abschnitte und Präliminarien zur nomadischen Kultur, den wild und ungebunden lebenden Völkerschaften und Stämmen sowie allen Zuständen, die hiermit verbunden sind

KAPITEL III
Grundlegende und ergänzende Darlegungen zu großen Dynastien, zu Königtum, Kalifat und Regierungsämtern sowie zu all den Dingen, die hiermit im Zusammenhang stehen

KAPITEL IV
Vorbetrachtungen und Anschlußbemerkungen zu Ländern, Städten, Ortschaften und sonstigen Formen der (seßhaft-städtischen) Kultur sowie zu den Dingen, die hiermit im Zusammenhang stehen

KAPITEL V
Fragestellungen zu den verschiedenen Arten, sich den Lebensunterhalt zu erwirtschaften, so zum Erwerb und den menschlichen (praktischen) Fertigkeiten sowie zu allen damit im Zusammenhang stehenden Umständen

KAPITEL VI
Einleitende und anschließende Bemerkungen zu den verschiedenen Arten von Wissenschaften, zu den Methoden und übrigen Aspekten der Unterweisung sowie zu all den
Dingen, die hiermit im Zusammenhang stehen

(Schlußbemerkungen der Muqaddima)
 Anmerkungen
 Erläuterungen zum Text

Ibn Khaldun
Das Buch der Beispiele
Softcover, Taschenbuch
315 Seiten
1.Auflage 2016
nur Euro 14,95 inkl. MwSt.   Buch kaufen


Neuerscheinung Wir da draußen

dumont
NEU
FIKRY  EL  AZZOUZI

WIR  DA  DRAUSSEN  - Roman
Sie stehen am Rand und wollen rein – in die Gesellschaft, ins Leben

Ayoub ist zu Hause rausgeflogen, genauso wie seine besten Freunde. Zusammen mit dem hübschen, etwas schlichten Fouad und dem Halbafrikaner Maurice schlägt er seine Zeit in ihrem belgischen Heimatdorf tot und versucht, irgendwie über die Runden zu kommen. Und dann ist da noch Kevin, ein überdrehter junger Konvertit, der sich selbst in Karim umgetauft hat. 

Die vier wollen rein ins Leben. Sie wollen Spaß haben und Mädchen finden und eine Perspektive, aber sie bleiben isoliert, abgeschoben auf die Strafbank der Gesellschaft. 

Authentisch, drastisch und mit scharfem, hintergründigem Humor beschreibt El Azzouzi, wie die Clique erst in die Kriminalität abrutscht und sich dann allmählich radikalisiert. Ayoub, der weder mit Gewalt noch Islamismus etwas am Hut hat, muss miterleben, wie die Situation Schritt für Schritt eskaliert. Einen Teil der Freunde wird es noch weiter ins Aus treiben, die anderen nach Syrien in den Dschihad.

›Wir da draußen‹ erzählt, wie aus ganz normalen jungen Männern Täter werden und was mit Menschen passiert, für die sich niemand interessiert. (Klappentext,Verlag)

Autor:
Fikry el Azzouzi, geboren 1978 in Temse, Belgien, ist ein flämischer Autor marokkanischer Herkunft. Er machte sich einen Namen als Kolumnist und Dramatiker und wurde u. a. mit dem Autorenpreis für Theaterkunst 2013 ausgezeichnet. 2010 erschien sein Debütroman ›Het Schapenfeest‹, 2014 folgte die Novelle ›De handen van Fatma‹ (2014). ›Wir da draußen‹ ist das erste Buch El Azzouzis, das auf Deutsch erscheint. Er lebt in Antwerpen.

Übersetzung: Ilja Braun  
Originalverlag: Uitgeverij Vrijdag, Originaltitel: ›Drarrie in de nacht‹

Fikry El Azzouzi
Wir da draußen
224 Seiten, Hardcover
1.Auflage 17.08.2016
Euro 20,- inkl. MwSt.   Buch kaufen


Veranstaltungstermine:
22.09.2016   Hamburg  19.00 Uhr
Lesung mit Fikry el Azzouzi, Benno Köpfer und Peter Mathews
Moderation: Jan Valk
Lesung des deutscher Textes: Rolf Erdorf
Veranstalter: Harbour Front Literaturfestival
Cap San Diego, Luke 4,  Überseebrücke


30.09.2016   Frankfurt   17.00 Uhr
Ilja Braun als "Gläserner Übersetzer"
Vorstellung der Übersetzung von Fikry El Azzouzis "Wir da draußen"
Im Rahmen des Internationalen Übersetzertages. Eintritt frei
Veranstalter: Weltlesebühne e.V.
Bibliothekszentrum Sachsenhausen,   Hedderichstraße 32



Sonntag, 21. August 2016

Rezension: Mit Feuer und Schwert

Styria
Buchempfehlung

Hans-Joachim Löwer



Mit Feuer und Schwert    

Hans Joachim Löwer schildert in seinem neuen Buch „Mit Feuer und Schwert“ die Schicksale der Christen im heutigen Nahen Osten. Man sollte nicht vergessen, dass zu Beginn des Islam im 6. Jh. diese Gebiete von Christen, Juden, Zoroastriern und Menschen anderen Glaubensvorstellungen bevölkert waren und auch Araber, Jemeniten u.a. in Kirchen gingen. Leider wurde durch den Verlauf der Geschichte die Zahl der Christen immer kleiner, von einer deutlichen Mehrheit ist heute kaum noch etwas zu bemerken und zur Zeit nimmt die Zerstörung von Kirchen und des christlichen Lebens dramatisch zu.

Der Autor besuchte im letzten Jahr Städte und Gemeinden in Ägypten, Irak, Israel, Libanon, Palästina, Syrien, Türkei und erlebte erschütternde Berichte über Christenverfolgung, zerstörte Kirchen und das Leiden der Menschen.
In 30 Kapiteln stellt er nicht nur die Menschen sondern auch die einzelnen christlichen Gruppen in einem Info-Kasten vor, darunter die Kopten, Nestorianer, Rum-Orthodoxe, katholische Kopten, syrisch-orthodoxe und syrische Christen, Maroniten u.a.

„Weshalb eine Bibliothek in Tripoli in Brand gesetzt wird, wie Kirchen in Syrien in Trümmer sinken, wie ein aufgepeitschter Mob in Ägypten Jagd auf Christen macht, wie ein Priester in Bagdad von Milizen gefoltert wird, wie radikale Juden in Jerusalem auf Kirchenmänner losgehen, weshalb Christen den Geburtsort Christi verlassen, weshalb eine Schule in Baalbek unter Feuer genommen wird, wie christliche Assyrer ihre Zukunft im Irak sehen, wie Christen und Muslime in Beirut aufeinander zugehen, wie Flüchtlinge in Irak sich nach der verlorenen Heimat sehnen, wie die sich Tochter eines Scheikhs in Baalbek gegen ihren Vater auflehnt“ sind einige Überschriften und machen deutlich, worum es in diesem Buch geht.

Ein aktuelles Thema ist der Völkermord an den christlichen Armeniern im Jahr 1915, zur selben Zeit wurden auch an die 300 000 Assyrer im Osmanischen Reich im Südosten der Türkei um den Van-See in Turabdin vernichtet. Auch im Irak wurden 1933 Tausende Assyrer ermordet. Christliche Assyrer oder auch Nestorianer gehören zu den Kirchen des Ostens. „Sie übersetzten Werke griechischer Wissenschaftler und Philosophen ins Arabische“ und lernten später Mathematik und Astronomie von Muslimen. Ihre Blütezeit war um 900 v. Chr. in Mesopotamien und ihre Nachkommen leben im heutigen Syrien, im Khabur-Tal, sie sprechen die Sprache Jesus,  das Aramäische.
Der „Islamische Staat“ wütete 3 Monate lang und zerstörte das Dorf Marbusnayeh oder auf Arabisch Tel Shamiran, mit 9 Kirchen. Die meisten Menschen sind geflohen.

Im kurdischen Gebiet des Irak leben seit 2014 rund 3,5 Millionen Flüchtlinge - Christen, Jesiden und Muslime in Camps und Notunterkünften. Sie flohen vor dem IS aus der Ebene von Ninive, selbst Peschmerga und Kirchenschützer verließen ihre Heimat, in der in der biblischen Zeit nach der Überlieferung der heilige Judas Thaddäus das Evangelium predigte.

Wie Muslime und Christen aufeinander zugehen zeigt ein Beispiel aus dem Libanon. In Beirut trifft der Autor auf Muslime, die als Staatsoberhaupt einen Christen akzeptieren. Hans-Joachim Löwer will  hier mit Muslimen über Christen reden und erfährt Erstaunliches.
Der schiitische Gelehrte hat ein „Religions- und Kulturforum für Entwicklung und Dialog“ gegründet, in dem 50 Geistige und Intellektuelle, Christen und Muslime über Freiheit, Menschenrechte, Beziehungen zwischen Sunniten und Schiiten, Beziehungen zwischen Muslime und Christen diskutieren.
Der sunnitische Generalsekretär für den „Islamischen Gipfel“ und das „Nationale Dialog-Komitee“  steht zwei Gremien vor, in denen religiöse Führer des Libanon, Sunniten, Schiiten, Alawiten und Drusen, öffentlich „jeden Zwang in religiösen Angelegenheiten“ verurteilen, Blasphemie ablehnen und Pluralismus fordern. Andersgläubigen Gotteslästerung vorzuwerfen ist ein „Abweichen von der Toleranz im Islam“. Der Nationale Dialog steht für die Akzeptanz von einem Christen als Präsidenten, der auch Oberbefehlshaber der Armee ist und ist überzeugt, dass eine nationale Identität auf „Pluralität, Meinungs- und Religionsfreiheit“ basiert und dass diese Botschaft über den ganzen Nahen Osten verbreitet werden muss!

Fazit:
Ein äußerst wichtiges, aber auch ein erschütterndes Buch. Hans-Joachim Löwer fuhr in die Gebiete, aus denen die Menschen zu uns kommen. Hier kann man nachlesen und nachfühlen, um zu verstehen, was die Christen, Jesiden und auch Muslime dazu bewogen hat, ihre Heimat, nicht nur Syrien, auch Ägypten und andere Länder des Nahen Ostens schweren Herzens zu verlassen.
Vielleicht sieht man diese Menschen dann mit anderen Augen als  nur als „Flüchtlinge“ an.  
Viele Menschen, die in ihren Ländern ausharren und nicht fliehen, geben die Hoffnung nicht auf, dass ihre Landsleute wieder zurückkehren, wenn der Krieg beendet ist, aber viele glauben auch, dass die Hilfe nur aus dem Ausland kommen kann, um die Grausamkeiten zu beenden.

Dieses Buch ist ein sehr zu empfehlender Beitrag, auch für Leute, die sich als Ehrenamtliche für die geflohenen Menschen engagieren und vor allem für diejenigen, die die Flüchtlinge nur als Last oder ungebetene Ausländer abtun.