Freitag, 30. März 2018

Rezension: Wenn das Volk sich erhebt

Kiepenheuer & Witsch
REZENSION   

Gero von Randow

Wenn das Volk sich erhebt     
Schönheit und Schrecken der Revolution

Gero von Randow geht den Revolutionen auf den Grund. Er fragt zu Beginn des Buches „...was ist eine Revolution?“ und stellt fest, dass Revolution ein Begriff ist, „dessen Ränder nicht begrenzt sind, sondern verlaufen.“ Und „Revolution heißt Umwälzung“.
In 15 Kapiteln wird der Begriff „Revolution“ definiert, erklärt und über die Formen und Arten von Revolutionen analysiert.

Das Buch befasst sich vor allem mit Revolutionen, bei denen sich Menschen erheben  und „Geschichte machen“ und weniger mit Umwälzungen der Industrie, Mode, Technik, Sexualität. Feminismus stellt eher eine Revolution dar, bei der das Patriarchat, die Männerherrschaft, erschüttert wird und gerade bei der französischen Revolution von 1789 spielten Frauen eine entscheidende Rolle, ebenso beim algerischen Unabhängigkeitskrieg (1954-1962) oder bei der Jasmin-Revolution in Tunesien und in Ägypten 2011. Leider haben die Frauen nach allen Revolutionen nicht langfristig ihre Rechte durchsetzen können und kämpfen bis heute um ihre Gleichberechtigung, überall auf der Welt.

Kernpunkt dieses Buches ist die „Veränderung der Staatsmacht“, „die eine veränderte Gesellschaft hinterlässt“. Ein gutes Beispiel dafür ist die Jasmin-Revolution in Tunesien, bei der die Bevölkerung das diktatorische Regime von Ben Ali hinweggefegt hat und nun eine Demokratie mit neuer Verfassung aufbaut. Und Revolutionen lassen sich nicht mehr rückgängig machen, auch wenn sie scheitern.

Wer macht Revolution? Das Volk. Es begehrt auf, lange ist es geduldig, nimmt Einschränkungen, Repressionen hin, aber dann, eines Tages ist es soweit, ein Funke (Selbstverbrennung in Tunesien) reicht und das „Fass ist übergelaufen“. Revolutionen haben den Lauf der Geschichte geändert, das war ihr „Job“, steht fast am Ende des Buches auf Seite 259.

Im dritten und vierten Kapitel werden die „Helden der Revolution“ beschrieben, Frauen und Männer, die eine Revolution in Gang brachten. Bewundernswert ist die Zielstrebigkeit der jungen Frau aus Tunis, Olfa Riahi, der Afghane Ajmal oder die Russin Nadja Tolokonnikowa in der heutigen Zeit, der Belgier Victor Serge, die Französin Louise Michel oder der Deutsche Erich Mühsam im 19. Jahrhundert.

Titel wie „Annäherung, Die Revolution spricht, Detonation, Dramaturgie, Konterrevolution, Weltrevolution“ hinterfragen die Anfänge, Bedeutung und Ziele von Revolutionen. Doch wie heißt es im 13. Kapitel: „war es das wert?“, das ist der Oberbegriff für die Frage nach dem „Ergebnis einer Revolution.“

Eigene Erlebnisse des Autors fließen in die Beschreibungen ein und machen das Buch noch authentischer.

Literaturhinweise und ein Register ergänzen das Geschriebene.

Autor:
Gero von Randow, geb. 1953, ist als Journalist und Buchautor mehrfach ausgezeichnet worden. 1992 wurde er Wissenschaftsredakteur der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT. Beim Aufbau der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wirkte er von 2001 bis 2003 mit, bevor er als politischer Redakteur zur ZEIT zurückkehrte. Von 2005 bis 2008 war er Chefredakteur von ZEIT ONLINE, bis 2013 als Korrespondent der ZEIT in Paris und arbeitet seither als ZEIT-Redakteur im Ressort Politik.


Fazit:
Wer etwas über die Hintergründe der aktuellen Weltlage erfahren will, sollte zu diesem aufschlussreichen Titel greifen. Revolutionen in der Geschichte werden genauso interessant dargestellt, wie die neuesten Revolutionen sachlich erläutert.
Aus Begegnungen in Tunesien oder Afghanistan oder der eigenen Teilnahme an den Ereignissen der 1968er Jahre ist ein persönliches, anschauliches Dokument entstanden.
Sehr gut geschrieben und deshalb empfehlenswert.


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Dienstag, 27. März 2018

Rezension: Die Flügel meines schweren Herzens

Manesse
Rezension

Die Flügel meines schweren Herzens     

Khalid al-Maaly


Schon der Untertitel lässt aufhorchen: Lyrik arabischer Dichterinnen. Natürlich dichten Frauen in Arabien, allerdings finden nur wenige Bücher geschweigen denn Gedichtbände den Weg in unsere Buchhandlungen. Dies ändert sich nun mit der Anthologie von Khalid al Maaly. Die ausgewählten Gedichte geben „einen … Einblick in das Selbstverständnis und die Interessen, in die Lebenssituation und gesellschaftliche Stellung arabischer Frauen“ vom 5. Jahrhundert bis heute.

Man staunt über die Freiheiten der arabischen Frau, die sich u.a. ihren Ehemann selbst aussuchen und ihn verstoßen konnte, wenn sie wollte. Viele Gedichte sind in der vorislamischen Zeit entstanden und einige davon recht „freizügig“ formuliert.

Niedergeschrieben wurden die mündlich weitergegebenen Gedichte erst ab Mitte des 9. Jahrhunderts. Zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert, während der Abbasidenherrschaft, „traten Sklavinnen vermehrt als Verfasserinnen ... hervor“. Araber hielten sich schwarze und weiße Sklaven, besonders Könige und Adelige legten Wert auf eine große Anzahl. Weiße, Frauen und junge Sklaven wurden bevorzugt und sie wurden unterrichtet, um später einen guten Preis auf dem Markt zu erzielen. Dichtkunst war neben „Gesang, Tanz, Schach, etc.“ und sexuellen Qualitäten ein wichtiger Punkt der Ausbildung.

Themen der gesammelten Lyrik sind neben der Liebe viele Gedanken zum Tod und Trauer, Verlust bei kriegerischen Auseinandersetzungen, „Ansporn und Aufstachelung zum militärischen Kampf“, Gedichte zum Gefallen der Herrscher oder „Spott- und Schmähgedichte gegen den Mann“, aber auch Lyrik über die soziale Stellung der Frau, beispielsweise während der kulturellen Blütezeiten in der abbasidischen Epoche ab dem 8. Jahrhundert oder später in Andalusien, in denen die Frauen einen größeren Anteil am kulturellen, künstlerischen und gesellschaftlichen Leben mit mehr Freiheiten hatten.

Gedicht von Bassma Shaikho aus Syrien (Auszug):

Was tu‘ ich noch hier?
Allein in dieser Stadt
Ich läute sonntags die Glocken ihrer Kirchen
Und rufe von jedem Minarett herab zum Gebet
Ich rufe nach den Verschollenen
Und Bete für alle, die fortgegangen sind
Ich gehe auf den Märkten umher
Käufer und Verkäufer bin ich
Ich schließe um acht
Die Schlüssel der sieben Tore hab‘ ich in der Hand
Ich schließe sie
Und gehe schlafen
Oder um zu sterben
Mir ist das einerlei
Denn ich bin die letzte Bewohnerin von Damaskus …

Die Dichterinnen stammen aus dem Jemen, heutigem Irak, der arabischen Halbinsel, Andalusien, Algerien, Ägypten, Marokko, Libyen, Äthiopien, Libanon, Kuwait, Damaskus, Bagdad, etc.
Es empfiehlt sich zuerst die kurze Vorstellung der 59 Frauen und das Nachwort zu lesen, um die Verschiedenheit der Gedichte und Hintergründe besser zu verstehen.

Der Herausgeber Khalid al-Maaly hat zusammen mit Heribert Becker die Gedichte auch übersetzt. Auf der linken Seite steht das Original auf Arabisch, auf der rechten Seite die deutsche Übersetzung. Es wurde bewusst auf einen Reim im Deutschen verzichtet.

Fazit:
Ein beeindruckendes Buch mit Gedichten, die man so nicht erwartet und auch nicht kennt. Die Frauen beweisen sehr viel Mut und bringen die Dinge auf den Punkt.


Herausgeber:
Khalid al Maaly, geb. 1956 im Irak. Er floh 1979 aus politischen Gründen nach Frankreich, später nach Deutschland. In Köln lebte er ab 1980  als Schriftsteller und übersetzte unter anderem arabische Lyrik. Seit 2008 führt er in Beirut/Libanon seinen eigenen Verlag.

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Freitag, 23. März 2018

Rezension Reiselust und Gartenträume

DVA
Rezension
Heidi Howcroft


Reiselust und Gartenträume      

Mit den „Gartenzwergen“ unterwegs
 Schon der Schutzumschlag macht auf den Inhalt neugierig. Die Palme auf einem Boot, die zwischen den Mauern eines weißgetünchten Palais in den Himmel wächst vor einer Bergkulisse ist ein Gemälde der Künstlerin Binette Schröder.

„Reiselust & Gartenträume“ - welch wundervolle Zusammenstellung und dies in Verbindung mit einer Kreuzfahrt - besser kann eine Reise für Gartenliebhaber kaum sein. Und wenn eine Landschaftsarchitektin und Engländerin wie Heidi Howcroft die Ausflüge zu den Gartenparadiesen begleitet und fachkundig erläutert, ist der Urlaub perfekt.

Mit dem Kreuzfahrtschiff zu den Gärten in Europa, Afrika, Karibik und Asien

Von Reisen mit der MS Deutschland und Sea Cloud II, die zwischen 2006 und 2014 durchgeführt wurden, erzählt die Autorin ihre amüsanten Geschichten zu fernen Gärten und Parks. Beginnend im Westen Europas mit Irland, Schottland und den Orkney-Inseln, Madeira und den Azoren geht es über Italien, Sizilien und Marokko weiter in die Karibik und endet in Hongkong, Taiwan und Shanghai.

An Bord durch Vorträge vorbereitet, entdecken die „Gartenzwerge“, so der Name der vielen Teilnehmer, die die Ausflüge gebucht haben, die botanischen Paradiese mit Hilfe der ortskundigen Busfahrer, die manchen Geheimtipp beisteuern, Stadtführern, die eigene Rezepte für Spezialitäten weitergeben und weiteren Helfern, die die Erzählungen der Autorin bereichern.

Versteckte Gartenparadiese

Oft überraschen nicht die großen Parks sondern eher die versteckten Privatgärten mit üppiger Blütenpracht in schwierigsten Bedingungen, wie zum Beispiel auf den Orkney-Inseln, wo der Wind so kräftig weht, dass die Bäume nicht höher als eine Mauer wachsen können, bevor sie „zerfetzt“ werden. Durch den Golfstrom herrschen milde Temperaturen und zwischen Mitternachtssonne und dunklen Wintermonaten blühen hier alle Blumen kurz und gleichzeitig, besonders gut gedeihen Stauden.

In Marokko wird auf den Besuch des andalusischen Gartens in Chefchaouen verzichtet, dafür ist der Spaziergang durch die „blaue“ Medina umso aufregender. Doch ein Spaziergang durch den Jardin Majorelle in Marrakech sollte natürlich nicht ausgelassen werden.

Humorvoll, mit spannenden historischen und gärtnerischen Fakten zu den Gartenbesitzern und Parks reist der Leser von einem Gartenparadies zum nächsten und erfährt ebenfalls etwas über die Kreuzfahrterlebnisse der Autorin. Durch die detaillierte Beschreibung kann man sich als Leser die Anlagen und Anordnung der Pflanzen, Töpfe und Dekorationen im Garten gut vorstellen.

Autorin:
Heidi Howcroft ist eine bekannte Landschaftsarchitektin, Autorin und Gartenjournalistin. Die deutschsprachige Britin hat bereits 30 Bücher veröffentlicht, sie schreibt eine regelmäßige Kolumne für das Magazin Ratgeber Lust auf Natur und ist Gartenexpertin bei NZZ Bellevue, dem Online Lifestyle-Portal der Neuen Zürcher Zeitung, wo sie ihr Garten-Know-how vermittelt.
Wenn Heidi Howcroft nicht auf Reisen ist, arbeitet sie in ihrem Schreibatelier mit Blick auf den Cottage-Garten in einem kleinen Dorf in Somerset, England.

Fazit:
Ein unterhaltsam geschriebenes Buch, abwechslungsreich und spannend. Man spürt die Liebe der Autorin zu ihrer Tätigkeit.
Besonders hilfreich für Interessierte sind die Internetadressen der Gärten und Hotels, die das Geschriebene noch unterstreichen. Am besten legt man sich beim Lesen ein Tablet oder Handy daneben, um gleichzeitig die Bilder der Gärten und Pflanzen betrachten zu können, denn im Buch gibt es leider keine Bilder. So wirkt der Einblick noch intensiver und wenn eine Reise geplant wird, sind die Öffnungszeiten und Informationen zu Spaziergängen oder Blütezeiten eine gute Unterstützung.
Sehr empfehlenswert.

Zurecht erhielt dieses Buch den 2. Preis in der Kategorie „Bester Garten-Reiseführer 2018“ des Deutschen Gartenbuchpreises und European Garden Book Award auf Schloss Dennenlohe.

Weitere Informationen zur Autorin unter: www.heidi-howcroft.de

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HEIDI  HOWCROFT
REISELUST & GARTENTRÄUME
Geschichten über Reisen  zu fernen Gartenparadiesen
Gebunden mit Schutzumschlag
248 Seiten
1.Auflage 2017
Euro 14,95 inkl. MwSt.   hier kaufen



NEU: Die Islamische Aufklärung

S.Fischer

NEUERSCHEINUNG

CHRISTOPHER  DE  BELLAIGUE

DIE  ISLAMISCHE  AUFKLÄRUNG
Der Konflikt zwischen Glaube und Vernunft

Die islamische Aufklärung hat längst stattgefunden. In einer fulminanten Erzählung demontiert Christopher de Bellaigue die oft selbstgefällige westliche Sicht auf die arabische Welt. Auch in Ägypten, im Iran und der Türkei gab es nach 1800 eine breite Bewegung für Freiheit, Gleichheit und Demokratie und für einen weltlichen Staat, für Frauenrechte und Gewerkschaften, freie Presse und die Abschaffung der Sklaverei. In atemberaubender Geschwindigkeit modernisierten sich die arabischen Gesellschaften. Doch die Gegenaufklärung folgte auf dem Fuß, mit autokratischen Regimen und fundamentalistischem Terror. De Bellaigue schildert den Kampf zwischen Glaube und Vernunft und um eine neue muslimische Identität. Eine reiche, überraschende Geschichte, eine radikal neue Sicht auf den modernen Islam.

»Christopher de Bellaigue gehört seit Langem schon zu den einfallsreichsten und anregendsten Interpreten einiger von Angst und Vorurteil verstellter Realitäten. In ›Die islamische Aufklärung‹ seziert er den selbstgefälligen Gegensatz zwischen Islam und Moderne und enthüllt dabei eine faszinierende Welt: eine Welt, in der Menschen sich unter dem Druck der Geschichte ständig verändern, improvisieren und sich anpassen. Es ist genau das richtige Buch für unsere in Unordnung geratene Welt: aktuell und erhellend.«
Pankaj Mishra

»Eine ausgesprochen originelle und informative Studie über die Zusammenstöße zwischen dem Islam und der Moderne in Istanbul, Kairo und Teheran während der letzten zweihundert Jahre.« Orhan Pamuk

»Erhellend, großartig geschrieben, ein Buch, das uns hilft, das Verhältnis zwischen islamischer Welt und Moderne zu verstehen.«  Yuval Noah Harari, Autor von »Eine kurze Geschichte der Menschheit«

»Zur rechten Zeit, tiefsinnig und provokativ.« Peter Frankopan   (Verlagstext)

Autor:
Christopher de Bellaigue, geboren 1971, studierte an der Cambridge University und war Fellow an der Harvard University und der University of Oxford. Er lebte über fünf Jahre in Teheran und bereiste als Journalist Südasien und den Mittleren Osten. Er schreibt für Economist, Guardian und die New York Review of Books und lebt in London. Für sein Buch »Die islamische Aufklärung. Der Konflikt zwischen Glaube und Vernunft« wurde Christopher de Bellaigue für den renommierten Baillie Gifford Prize 2017 nominiert. (Verlagstext)

Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Michael Bischoff

Christopher de Bellaigue
Die islamische Aufklärung
Hardcover          
544 Seiten
1.Auflage 2018
Euro 25,- inkl. MwSt.   hier kaufen

Dienstag, 20. März 2018

Reform des Islam

Claudius

ABDEL-HAKIM  OURGHI

REFORM  DES  ISLAM  - 40 THESEN

Eine Debatte polarisiert noch immer das Land: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Der in Algerien geborene und in Freiburg lehrende Religionswissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi bezieht klare Position. Ein Islam der Unterwerfung, der fehlenden Kritikfähigkeit gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Deshalb braucht es eine Reformation des Islam. Deshalb dürfen muslimische Kinder in Deutschland nicht durch den Koranunterricht aus ihrer westlichen Lebenswelt herausgerissen werden. Deshalb muss der politische Einfluss muslimischer Dachverbände und radikaler Imame eingedämmt werden.

Es ist höchste Zeit, die kanonischen Quellen des Islam – den Koran und das Leben des Propheten – reflektiert zu verstehen und zeitgemäß zu interpretieren. Im westlichen Kontext meint dies: die islamische Identität anhand der Vernunft kritisch infrage zu stellen und so den Rahmen für eine grundlegende Islam-Reform abzustecken. In seinem ersten, mit Spannung erwarteten Sachbuch benennt Ourghi Missstände, Chancen und Rezepte für einen weltoffenen und verfassungsloyalen Islam in Deutschland.

„Der Islam der Unterwerfung, der fehlenden Kritikfähigkeit gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Immanuel Kant hat vor mehr als 200 Jahren dazu aufgefordert, den eigenen Verstand ohne fremde Anleitung zu benützen. Genau dies sollten wir Muslime auch in Bezug auf den Islam tun.“
Abdel-Hakim Ourghi

„Ein wichtiger und mutiger Beitrag zur Debatte. Der Islamwissenschaftler Ourghi benennt die wirklichen Krankheiten im islamischen Denken, die eine Reform verhindern.“ Hamed Abdel-Samad
(Verlagstext)

Autor:
Abdel-Hakim Ourghi wurde 1968 in Algerien geboren. Er studierte in Oran und Freiburg i. Br. Philosophie und Islamwissenschaft. Seit 2011 leitet er den Fachbereich Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Er ist Initiator der viel beachteten "Freiburger Deklaration" für einen reformierten, säkularen Islam.


Abdel-Hakim Ourghi
Reform des Islam - 40 Thesen
Klappenbroschur
Format 14 x 21,5 cm
240 Seiten
1. Auflage Oktober 2017
Nur Euro 18,- inkl. MwSt.  jetzt kaufen

Montag, 19. März 2018

NEU: Kulturschock Islam

Reise Know How

SUSANNE  THIEL

KulturSchock ISLAM

Besucher islamischer Länder bewegen sich teilweise in modernen und weltoffenen Gesellschaften, treffen aber auch auf rigide Moralvorstellungen und für Fremde geschlossene Systeme. Erfolgreichen Geschäftsfrauen und Politikerinnen können in Ganzkörperschleier gehüllte Frauen gegenüberstehen, die ohne männliche Beschützer Haus und Hof nicht verlassen dürfen. Tolerante Religionsausübung befindet sich in einem Spannungsverhältnis mit fundamentalistischen Glaubensvorstellungen.

Dieser KulturSchock-Band beleuchtet, welche kulturellen und religiösen Werte viele der islamischen Gesellschaften kennzeichnen, beschreibt aktuelle Tendenzen des Islam in einer globalisierten Welt, eine Jugendkultur zwischen Tradition und Smartphone und setzt sich mit der Faszination extremistischer Bündnisse auseinander.

Mit zahlreichen Hintergrundinformationen zeigt die Autorin, wie ein verständnisvolles Miteinander sowohl in den bereisten Ländern als auch in Deutschland gelingen kann. Dabei hilft ein radikaler Perspektivenwechsel: KulturSchock Deutschland – Wie sehen uns Flüchtlinge aus islamischen Kulturen und wie kann man Missverständnisse und kulturelle Stolpersteine beseitigen?

Dazu: Verhaltenstipps A-Z mit vielen Hinweisen für angemessenes Verhalten, Verweise auf ergänzende und unterhaltsame Multimedia-Quellen im Internet, Literaturempfehlungen zur Vertiefung … (Verlagstext)

Aus dem Inhalt:
 Verhaltenstipps von A bis Z: Hinweise zum Umgang mit Muslimen auf Reisen und in Deutschland
 Kernelemente des Islam: der Koran, die fünf Säulen, die Scharia
 Weltoffener Islam versus Fundamentalismus?
 Was verbindet und trennt Sunniten und Schiiten?
 Die Familie: Loyalität und Versorgung
 Zahlreiche Nachkommen: ein Segen für die Gesellschaft
 Öffentlichkeit und Privatsphäre
 Rollen und Rechte von Männern und Frauen
 Der Streit um Schleier und Kopftuch
 Ehre und Ansehen
 Jugendkultur: zwischen Tradition und Smartphone
 Junge Muslime in der globalisierten Welt
 Die Faszination extremistischer Bündnisse
 Flucht vor Terror, Krieg und Unsicherheit
 Auf der Suche nach einem neuen Leben im Westen
 Kulturschock Deutschland: Wie sehen uns islamische Flüchtlinge und wie kann man Missverständnisse und kulturelle Stolpersteine beseitigen?

Autorin:

Susanne Thiel ist zurzeit als freie Gutachterin für Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit tätig (mit Schwerpunkt Süd- und Südostasien) und unterrichtet als Tutorin im Bereich „Landeskunde Afghanistans“ für InWent. Sie ist Autorin diverser Publikationen über Kultur und Gesellschaft Pakistans und Afghanistans. Die Autorin beschäftigte sich schon während ihres Ethnologiestudiums in Bonn und Köln mit der Region Südasien und spezialisierte sich in den 1980er Jahren auf Afghanistan und Pakistan. Viele Reisen und die Arbeit in unterschiedlichen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit führten sie immer wieder in beide Länder. Von 2002 bis 2004 arbeitete sie für die GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) in Afghanistan in Projekten, die für den Wiederaufbau Afghanistans relevant sind. (Verlagstext)



Susanne Thiel
KulturSchock Islam
durchgehend farbig illustriert, strapazierfähige Bindung
264 Seiten
Auflage: 1. Auflage   2018
Euro 14,90 inkl. MwSt.       

Extrainfos über das Buch hinaus
Um die anschaulichen Beschreibungen in den Titeln der Reihe Kulturschock noch lebendiger werden zu lassen, wird an passender Stelle auf ergänzende Medien verwiesen. Die Sounds, Videos und anderen Medien können einfach über die folgende Internet-Seite durch Auswahl der jeweiligen Extrainfo-Nummer aufgerufen werden: https://www.reise-know-how.de/kulturschock/islam18  
(Verlagstext)

Sonntag, 18. März 2018

Rezension: Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo

Bebra
REZENSION

JALID  SEHOULI

Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo

Die Eltern des Autors verlassen ihre Heimatstadt Tanger um über Umwege in Berlin zu landen. Hier wird Jalid Sehouli geboren und aufwachsen. Er hat eine Schwester und einen Bruder. In den Sommerferien fährt die Familie im Auto nach Marokko.

Seine Erlebnisse in Tanger und dem Heimatort seiner Mutter im Rifgebirge, seine Begegnungen mit der Stadt und den dort lebenden Menschen verarbeitet Sehouli im vorliegenden Buch. Wichtig sind ihm vor allem Menschen und ihre Schicksale.
Heute sind Tausende auf der Flucht. Auch Tanger ist eine Stadt, die Flüchtlinge aufnimmt, früher und heute. Früher flohen Menschen, viele Glücksritter, Schmuggler und Gesetzesbrecher nach Tanger, heute fliehen sie aus der Stadt nach Europa, Menschen, die voller Hoffnung auf die andere Seite des Mittelmeers schauen, doch leider oft enttäuscht werden.

Sehoulis Eltern hatten Glück und konnten ihren Kindern in Berlin eine gute Ausbildung ermöglichen. Heute ist der Autor ein anerkannter Krebsspezialist an der Charité.
Und nun reist Sehouli als Erwachsener in das Land seiner Eltern, um Tanger erneut zu erleben und zu entdecken, ebenso wie nach Marrakech, dessen sehr emotionales Porträt in einem anderen Buch 2017 veröffentlicht wurde.

Der Autor beschreibt in kurzen Abschnitten, die manchmal nur eine halbe Seite lang sind und in längeren Kapiteln die „weiße Perle Marokkos“, mal die Geschichte, dann die Geschichten anderer Menschen, die ihr Schicksal mit Tanger verbinden, wie Schauspieler, Romanschreiber, Modemacher. Er beschreibt die Gerüche, Farben, Plätze, Straßen, Entdeckungen mit offenen Augen und offenem Herzen.

Vor allem ist es ein Buch der Begegnungen. Jalid Sehouli trifft Menschen, die wie er nach Tanger reisen und ihm ihre Geschichten anvertrauen, Menschen aus Berlin, die ihm die Erlebnisse in Tanger erzählen und Begegnungen, die er mit den Menschen in Tanger hat oder auch Reisende, Schriftsteller, Historiker vor ihm.
Er wird sogar vom König eingeladen und das Fest der Thronbesteigung wird ausgerechnet in jenem Jahr in Tanger zelebriert.

Ein wichtiges und bewegend geschriebenes Kapitel ist der Abschied von der Mutter, das einen großen Raum im Buch einnimmt. In Berlin gestorben, war es ihr Wunsch in Tanger beerdigt zu werden und so fliegt die Familie nach Marokko.
Leider nimmt auch ein sehr unschönes Geschehen mehrere Kapitel ein - der Überfall zweier Männer, die den Arzt und seinen Mitarbeiter sehr schwer verletzen - wahrscheinlich aus Rache. Es dauert eine gewisse Zeit, bis er die Arbeit wieder aufnehmen kann, die Angst bleibt vorerst. Doch die Reisen nach Tanger helfen, das Geschehene zu verarbeiten.

17 Rezepte der Familie werden hier zum Nachkochen preisgegeben, von Harira über Pastilla bis Tajine. Anschließend schreibt Jalid Sehouli in seinem „kleinen Dossier über mich“, warum sein Vorname mit J beginnt, über seine Eltern, seine Lieblingsgerichte. Eine kurze Literaturliste beschließt das Buch.

Autor:
Jalid Sehouli wird 1968 in Berlin geboren, seine Eltern stammen auch Nordmarokko. Er studiert Humanmedizin an der Freien Universität Berlin und ist heute Ordinarius an der Charité. Sehouli gehört zu den führenden Krebsspezialisten der Welt. 2012 erschien sein Buch „Marrakesch“.

Fazit:
Auch dieses Buch von Jalid Sehouli ist eine sehr persönliche Begegnung mit der Stadt Tanger, an der der Leser teilnimmt. Interessant ist die Geschichte des Artisten Hassan, der als Akrobat in einer Zirkus-Gruppe in Europa unterwegs ist. Immer wieder fließen auch Patientengeschichten in das Buch ein, die den Autor sehr bewegen. Sehr schön ist das Treffen mit den Verwandten der Mutter beschrieben.
Ein interessantes Buch mit vielen Facetten, wie das Leben selbst.


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Rezension: Marrakesch

Bebra
REZENSION

JALID  SEHOULI


MARRAKESCH           

Für die Gründer, die Al Murabitun, war Marrakech schlicht „die Stadt“ - so der Name in ihrer Berbersprache „Tamazirt“. 1070 wurde sie zuerst als Zeltlager von Abu Bakr ibn Umar und seinem Vetter Yusuf ibn Taschfin gegründet, die aus dem Süden heraufzogen. Für den Arzt Jalid Sehouli ist die Begegnung mit der Stadt ein ganz besonderes Erlebnis. Er ist zwar Marokkaner, aber in Berlin geboren  und aufgewachsen. Nur während der Ferien fuhr die Familie mit dem Auto nach Marokko, aber nach Tanger, der Stadt des Vaters. Erst als Erwachsener besucht er auch Marrakech.

Wer sich vorab über den Jalid Sehouli informieren möchte, kann das Buch mit dem Lesen des Porträts am Ende beginnen, das den Lebensweg des Professors beschreibt, der in der Charité arbeitet. Der Titel „Weiterlaufen, wenn es weh tut“ ist auch sein Motto.

Es ist ein sehr persönliches Buch des Autors, der seine Gefühle beschreibt, gegenüber anderen Menschen und der Stadt Marrakech, in die er mehrmals gereist ist. Er schreibt: „Dieses Buch über Marrakech half mir, meiner inneren Stimme einen, meinen Charakter zu geben. Durch dieses Buch, durch mein Schreiben, werden meine stummen Worte sichtbar gemacht, wird den Worten die Kraft gegeben, mit anderen Menschen in Dialog zu treten.“

Abwechselnd werden Kapitel über seine Begegnungen mit anderen Marokkanern in Deutschland und Menschen in Marrakech notiert, so dass sich „viele Geschichten in einer Geschichte“ ergeben und  „eine Geschichte über die Stadt Marrakech, eine Geschichte über die Beziehung zu Menschen und eine Geschichte über mich und mein Herz und meine Seele“ entstehen. Oder auch die Suche nach der besonderen Geschichte der Pastilla, eines der Nationalgerichte Marokkos, das ein befreundeter Koch in Berlin oder einer in Hamburg ganz anders zubereitet als die Restaurants in Marokko selbst. Die Rezepte stehen am Ende des Buches.

Mal reist der Autor allein oder mit seiner Freundin, mal mit seinen Kindern und Brüdern. Immer sind die Eindrücke anders, einmal sind Gefühle eher romantisch, dann wieder steht die Sicherheit (der Kinder) im Vordergrund, und immer wieder zieht es den Arzt zum Djemaa el Fna, dem Versammlungsort der Toten.

Manche Kapitel sind nur eine Seite kurz, ein Gedanke nur. Zitate anderer Besucher über die Stadt fließen ebenso in den Text ein wie Gedichte. Es werden Orte in der Stadt beschrieben, wie der Garten Majorelle, die Koutoubiya-Moschee, der Djemaa el Fna oder die Souks, andere Kapitel beschreiben die Geschichte oder wie man sich am besten beim Handeln verhält.

Im Vordergrund stehen die Gefühle, die Jalid Sehouli zur Stadt entwickelt, wie Sehnsucht, später Liebe. Viele Ratschläge fließen in den Text mit ein, wie zum Beispiel „Schöne Dinge sollten schönen Dingen folgen. Fühlt man eine Sehnsucht, fühlt man einen Wunsch, sollte man diesem folgen und ihn nicht bei dem ersten Hindernis, der ersten Hürde, egal wie unüberwindbar sie zunächst erscheint, loslassen.“ Und diese Sehnsucht ist stark in ihm und er wird immer wieder in die „Perle des Südens“ reisen. Für den Arzt ist dieses Buch eine Herzensangelegenheit und seine Liebeserklärung an Marrakech.

Autor:
Jalid Sehouli wird 1968 in Berlin geboren, seine Eltern stammen auch Nordmarokko. Er studiert Humanmedizin an der Freien Universität Berlin und ist heute Ordinarius an der Charité. Sehouli gehört zu den führenden Krebsspezialisten der Welt. 2016 erschien sein Buch „Und von Tanger fahren die Schiffe nach irgendwo“.

Fazit:
Sein Liebesbekenntnis zur Stadt können wahrscheinlich nur die Leser nachempfinden, denen es genauso geht, vielleicht ist es auch eine andere Stadt, zu der sich der Leser hingezogen fühlt, aber die beschriebenen Gefühle können dieselben sein.
Der Autor fühlt sich so sehr angezogen, dass er sich schon mit ihr identifiziert, „Ich bin Marrakesch“ (S. 107)
Man kann das Buch auch als Ratgeber für Gefühle verstehen. Ob man dafür nach Marrakech fahren muss, bleibt dem Leser überlassen. Es ist auf jeden Fall kein Reiseführer oder Städteführer, obwohl auch die besuchten Riads oder das Hotel Mamounia beschrieben werden. Hier geht es mehr um die Herzenswünsche und Herzenswärme, die die Besucher von den Besuchten zurückerhalten oder beim Besuch empfinden.
Ein Buch für wahre Fans des Autors und der Stadt Marrakech.


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Montag, 5. März 2018

Die Wunden unserer Brüder

Hanser Verlag

JOSEPH  ANDRAS

DIE  WUNDEN  UNSERER  BRÜDER
Roman

Die wahre Geschichte des einzigen Europäers, der 1957 im algerischen Unabhängigkeitskrieg hingerichtet wurde – ein preisgekröntes, poetisches Debüt.

Fernand Iveton ist dreißig, als er im November 1956 für die algerische Unabhängigkeitsbewegung in einem verlassenen Gebäude eine Bombe legt. Der Algerienfranzose will ein Zeichen setzen, ohne Opfer zu riskieren. Doch Iveton wird verraten und noch vor der Detonation verhaftet. Nach tagelanger Folter verurteilt ein Militärgericht in Algier ihn zum Tode, und unter Mitterrand, dem damaligen Justizminister Frankreichs, wird er am 11. Februar 1957 hingerichtet. Ein Franzose auf Seiten der Algerier ist nicht tragbar. Joseph Andras erzählt diese wahre, ungeheuerliche Geschichte in all ihrer Aktualität. Sein gefeiertes Debüt ist ein literarisches Kunststück, „kurz und dicht birgt es eine unerhörte Kraft.“ (Le Monde) (Verlagstext)

Autor:
Joseph Andras wurde 1984 geboren. Er lebt in der Normandie. Für sein Debüt „Die Wunden unserer Brüder“ wurde er mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, den er jedoch abgelehnt hat. (Verlagstext)

Aus dem Französischen von Claudia Hamm.


Joseph Andras
Die Wunden unserer Brüder
Fester Einband
160 Seiten
1.Auflage 2017
nur Euro 18,- inkl. MwSt.   jetzt kaufen

Eine sehr gute Rezension lesen Sie hier


Donnerstag, 1. März 2018

Marrakesch von Jalid Sehouli, NEU

be.bra
NEUERSCHEINUNG

JALID  SEHOULI

MARRAKESCH

Marrakesch ist einer der geheimnisvollsten und faszinierendsten Orte der Welt. Der Djemaa el Fna, der »Platz der Gehängten«, mit seinen Markt ständen, Gauklern und Schlangenbeschwörern, die engen Gassen, die Basare und die in Innenhöfen verborgenen Gärten haben die »rote Stadt« zu einem Inbegriff orientalischen Lebens werden lassen.
Jalid Sehouli widmet Marrakesch ein vielschichtiges Porträt, in dem sich Farben, Gerüche, Schicksale und Geschichten auf magische Weise miteinander verbinden.

»Sehouli traut seinen Augen und Ohren. Er verbirgt kein Gefühl und entdeckt in den kleinen Geschichten die große Geschichte.« Wolfgang Kohlhaase (Verlagsinformationen)



Autor:
Jalid Sehouli, geboren 1968 in Berlin, ist das Kind marokkanischer Eltern. Er studierte Humanmedizin an der Freien Universität und ist heute Ordinarius an der Charité. Sehouli gehört zu den führenden Krebsspezialisten der Welt.  (Verlagsinformationen)


Jalid Sehouli
Marrakesch
Gebunden mit Schutzumschlag
19 kleine Schwarz-weiß Fotografien
Format 14 x 22 cm
176 Seiten
1.Auflage Februar 2018
nur Euro 20,- inkl. MwSt.   jetzt bestellen 


Sonntag, 25. Februar 2018

Rezension: Meine algerische Familie

KiWi
REZENSION

ALICE  SCHWARZER


MEINE  ALGERISCHE  FAMILIE       

Alice Schwarzer stellt „ihre“ algerische Familie vor, die in Tipaza, im Großraum Algier, in Setif im Osten lebt, aber auch in Kanada oder Paris. Es ist eine gut situierte Großfamilie, bei der Cousinen und Cousins, Nichten und Neffen eingeschlossen sind.

Bei der Hochzeit eines Familienmitglieds wird die Braut traditionell ihr Kleid siebenmal wechseln, auch die anderen Frauen haben mehrere Kleider zum Wechseln dabei. Aber was macht Alice Schwarzer, die nur zwei Kleider mitgenommen hat?
Ist eine Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald wirklich das passende Geschenk für eine algerische Famlie? Warum schauen Algerier wohl das französischsprachige Fernsehen an, obwohl die Kolonialvergangenheit noch in den Köpfen präsent ist? Warum werden Alice Schwarzer, die Fotografin Bettina Flitner und Djamila, die besuchte Freundin der Autorin während einer Wahlkampfveranstaltung zur Polizeiwache gebracht? Und was ist algerische Identität? Auf diese und weitere Fragen gibt die Autorin und ihre Gesprächspartner Antworten.

Das Buch zeigt einen offenen Blick in das Leben einer algerischen Familie, den man gewöhnlich nur erhält, wenn man die Familie schon sehr lange kennt, wie bei der Autorin seit 1989. Dabei hilft auch, dass es in der Familie ebenfalls Journalisten gibt.
In 17 Kapiteln kommen vor allem Frauen zu Wort, die sich ungeniert äußern, über Familie, Beruf, Politik, Tradition, Moderne und nicht zuletzt das Kopftuch.

Djamila erzählt, wie sie und andere Frauen bei der Beerdigung von Assia Djebar, der bekannten Schriftstellerin den Sarg getragen haben, eigentlich ist dies Männern vorbehalten.
Es kommt zu einem Wiedersehen mit Khalida Toumi, der ehemaligen Ministerin für Kultur und Kommunikation, die in den 1990er Jahren in Deutschland von Alice Schwarzer im Fernsehen interviewt wurde und schon damals beklagte, dass der Westen die Augen vor dem Erstarken der Islamisten verschloss und Algerien nicht im Kampf gegen die religiösen Extremisten geholfen habe.    
Da Alice Schwarzer und Bettina Flitner erst 2017 nach Algerien gereist sind, ist das Buch sehr aktuell und in vieler Hinsicht aufschlussreich, besonders bei den Fragen zum Islam, den Islamisten, zur aktuellen Politik in Europa und dem Nahen Osten. Alle sind sich einig, dass Algerien den arabischen Frühling nicht erlebt hat, weil das „schwarze Jahrzehnt“ mit 200.000 Toten die Ereignisse von 2011 bereits in den 1990er Jahren vorweggenommen haben und die Algerier, nicht nur die Familie von Alice Schwarzer, die Folgen bereits erlebten, unter denen heute die Menschen in Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien zu leiden haben.
Allerdings liest man auch die Meinungen von der anderen Seite des Mittelmeers zur Deutschen Politik, den Ereignissen in Köln und Mme Merkel.

Autorin:
Alice Schwarzer ist eine politische Journalistin und Herausgeberin der Zeitschrift EMMA. Sie lebte und arbeitete in Paris, wo sie u.a. nordafrikanische Kollegen kennen lernte. Seit einem Besuch im Iran 1979 beschäftigt sie sich mit dem politisierten Islam.

Fazit:
Ein gelungenes, persönliches Buch. In einer lockeren und lebhaften Art beschreibt die Autorin ihre Erlebnisse. Persönliche Begegnungen von heute und frühere Ereignisse in der algerischen Geschichte werden gut aufbereitet beschrieben.
Auffällig, nicht nur in dieser Familie ist der Zusammenhalt, jeder hilft jedem und man steht sich bei, das ist auch bei meiner Familie so, denn ich habe in eine Familie der algerischen Sahara eingeheiratet. Und vor allem wird die Gastfreundschaft immer wieder betont.

Die vielen Bilder bereichern und unterstreichen die Erzählungen.

Das Buch ist sehr empfehlenswert, vielen Dank an Alice Schwarzer und vor allem herzlichen Dank der algerischen Familie für die Erlaubnis „hinter die Kulissen blicken zu dürfen“ und der offenen Worte. Unbedingt lesen.




Dienstag, 20. Februar 2018

Wenn das Volk sich erhebt

Kiepenheuer & Witsch
GERO  VON  RANDOW

WENN  DAS  VOLK  SICH   ERHEBT
Schönheit und Schrecken der Revolution - Die Zeit der Revolutionen ist nicht vorbei

Warum ist es so ein besonderer, geradezu erhabener Moment, wenn das Volk sich erhebt, auf dem Tahrir-Platz in Kairo oder auf dem Maidan in Kiew? Warum begeistern wir uns für Revolutionen, auch wenn wir wissen, dass sie ihre eigentlichen Ziele nicht erreichen, niedergeschlagen oder verraten werden – meist von den Revolutionären selbst? In seinem packend geschriebenen, sehr persönlichen Buch schildert von Randow sein Erleben von Revolutionen und geht der Frage nach, ob sie noch ein Zukunftsmodell sind. Seine Antworten sind hochaktuell und überraschend.

Vor 100 Jahren siegte die russische Oktoberrevolution. Und vor 50 Jahren glaubte eine ganze Generation junger Leute, es sei wieder die Zeit der Revolutionen gekommen. Was blieb davon? Nur Resignation? Und was ist das überhaupt – eine Revolution?

Dem Autor wurde im Jahr 2011 Anschauungsunterricht erteilt, als er Augenzeuge der tunesischen Revolution wurde. Seine These: Revolutionen kommen unversehens. Und doch lassen sich Muster erkennen.

Der Blick des Autors richtet sich auf den amerikanischen Kontinent, auf West- und Osteuropa, Afrika und Asien. Er durchstreift die Jahrhunderte, von den aufständischen Sklaven des Altertums über die Revolutionäre von 1789 und die kommunistische Weltbewegung bis zu den Rebellen der Gegenwart, immer auf der Suche nach Tatsachen und Ideen, die das ungewöhnlichste, facettenreichste Phänomen der Geschichte erhellen können, die Revolution. (Verlagstext)


Autor:
Gero von Randow ist ein mehrfach preisgekrönter Journalist und Buchautor, geb. 1953  Er wurde 1992 Wissenschaftsredakteur der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT. Von 2001 bis 2003 wirkte er am Aufbau der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als Chef des Wissenschaftsressorts mit und kehrte dann zur ZEIT als politischer Redakteur zurück. Von 2005 bis 2008 war er Chefredakteur von ZEIT ONLINE, 2008 bis 2013 Korrespondent der ZEIT in Paris, seither arbeitet er als ZEIT-Redakteur im Ressort Politik.    (Verlagstext)


Gero von Randow
Wenn das Volk sich erhebt
320 Seiten, Pappband
1.Auflage 2017
Euro 22,-  inkl. MwSt.   hier kaufen

Sonntag, 18. Februar 2018

Madame Lafrance NEUERSCHEINUNG

Sujet
 MAISSA  BEY

MADAME  LAFRANCE   Roman

Der Roman Madame Lafrance umfasst die 132 Jahre währende Geschichte Algeriens unter französischer Kolonialherrschaft. In 25 Bildern (Kapiteln) zeichnet die Autorin deren Hauptetappen von der Landung der französischen Armada am 14. Juni 1830 über den von Emir Abdel Kader geführten Widerstand bis hin zum blutigen Befreiungskrieg (1954–1962), das Wüten der Terrororganisation OAS und die Ausrufung der Unabhängigkeit, die mit einer Fluchtbewegung nahezu aller Algerienfranzosen einherging.

Dennoch vermittelt die Autorin das Thema nicht als Historikerin, sondern als Schriftstellerin, die mit Worten spielerisch umzugehen versteht. Durch die Geschichte führt uns das Kind, Hüter der Erinnerung, es ist Beobachter der Situation und zugleich vorsichtiger Kommentator, der im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr Position ergreift.

Autorin:
Maïssa Bey, geb. 1950 lebt in Sidi Bel Abbès in Westalgerien. Sie studierte Romanistik in Algier und übte danach eine Lehrtätigkeit aus. Sie schreibt in Französisch. Maïssa Bey hat bewusst ihr Land Algerien nicht verlassen. Sie ist Gründerin und Vorsitzende der Frauenvereinigung "Parole et écriture". Von ihr liegen Romane, Novellen und Theaterstücke vor.  (Verlagstext)

Aus dem Französischen übersetzt von Christine Belakhdar.

Maïssa Bey
Madame LaFrance
Gebunden mit Schutzumschlag
180 Seiten
1. Auflage Oktober 2017  
Euro 21,90 inkl. MwSt.  jetzt kaufen


Zeitungsartikel anlässlich der Buchpremiere zu Maïssa Beys neuem Roman vom 16./17.09.2017.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Meine Algerische Familie NEUERSCHEINUNG

Kiepenheuer Witsch
ALICE  SCHWARZER

MEINE  ALGERISCHE  FAMILIE

Der Muezzin und die Kuckucksuhr.
Dieses Buch ist eine Überraschung. Denn wer wusste schon, welch enge und liebevolle Beziehung Alice Schwarzer seit Jahrzehnten zu einer Familie in Algerien hat, einer Familie, die in ihrer Vielfalt und Lebendigkeit ein regelrechtes Abbild dieses nordafrikanischen Landes zwischen Tradition und Moderne ist, zwischen islamistischer Bedrohung und demokratischen Hoffnungen?

Zuerst traf Alice Schwarzer 1989 Djamila, eine algerische Journalistin, die nach dem drohenden Wahlsieg der Islamisten und dem von ihnen angezettelten Bürgerkrieg mit über 200.000 Toten in den 90er-Jahren wie viele andere um ihr Leben fürchten musste und für einige Jahre nach Deutschland emigrierte. Doch Djamila hat Eltern und Großeltern, Brüder und Schwestern, Neffen und Nichten, die Alice Schwarzer in deren Heimat bei Neujahrsfeiern, Ferienbesuchen und Hochzeiten kennen und lieben lernte. Diese Familie lässt Alice Schwarzer zusammen mit der Fotografin Bettina Flitner in ihrer ganzen Vielfalt lebendig werden: die Generation der Alten, geprägt von der Kolonialzeit, dem Befreiungskrieg und den Jahren des Aufbruchs, in dem Algier »das Mekka der Revolution« war; die Generation, die die »schwarzen Jahre« des islamistischen Terrors und der politischen Repression durchlebte – und die jungen Leute von heute zwischen High Heels und Verschleierung, zwischen Instagram und spätsozialistischer Stagnation.

Autorin:
Alice Schwarzer, ist eine deutsche Journalistin und Essayistin. In ihrer Zeit als politische Korrespondentin in Paris war sie zu Beginn der 1970er Jahre eine der Pionierinnen des Mouvement de la liberation des femmes (MLF). Ihre Gespräche mit Simone de Beauvoir in den Jahren 1971-1983 erschienen als Buch in mehreren Sprachen. 1971 initiierte sie in Deutschland die Aktion „Ich habe abgetrieben – und fordere das Recht für jede Frau dazu“. Der Kampf gegen Abtreibung wurde zum Auslöser für die deutsche Frauenbewegung. 1977 gründete sie das politische Frauenmagazin EMMA, dessen Verlegerin und Chefredakteurin sie bis heute ist. Sie veröffentlichte bisher insgesamt 21 Bücher als Autorin und 22 Bücher als Herausgeberin. Darunter 1975 den in 12 Sprachen übersetzten Bestseller »Der kleine Unterschied und seine großen Folgen« (über die Rolle von Liebe und Sexualität bei der Unterdrückung von Frauen), sowie Biografien u.a. über Gräfin Dönhoff und Romy Schneider. 2013 publizierte sie als Herausgeberin: »Prostitution – ein deutscher Skandal«.

Über den Islamismus veröffentlichte Schwarzer seit 1979 zahlreiche Artikel und gab bei KiWi drei Bücher heraus: »Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz« (2002), »Die große Verschleierung. Für Integration, gegen Islamismus« (2010) sowie »Der Schock – Die Silvesternacht von Köln« (2016). 2011 erschienen die Lebenserinnerungen von Alice Schwarzer: »Lebenslauf«.
Mehr Informationen auf www.aliceschwarzer.de.   (Verlagstext)

Mit zahlreichen Fotos von Bettina Flitner

Alice Schwarzer
Meine algerische Familie
224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Fotografien  
1.Auflage 2018
Erschienen am: 15.02.2018
Euro 22,- inkl. MwSt.    jetzt kaufen



Montag, 20. November 2017

Rezension Jenseits von Afrika

Manesse
REZENSION

TANIA  BLIXEN

JENSEITS  VON  AFRIKA

„Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngong-Berge.“ Wer kennt ihn nicht, den ersten Satz des Films über das Leben der Baronin von Blixen in Kenia. Auch das vorliegende Buch beginnt damit. Es ist die Übersetzung des dänischen Originals „De afrikanske Farm“ auf Deutsch „Jenseits von Afrika“.

Karen-Tania Dinesen, geboren 1885, wächst in der Nähe von Kopenhagen auf. Mal nennt sie sich Tania, dann wieder Karen. Weil sie ihre Liebe in Dänemark nicht heiraten kann, begnügt sie sich mit dem Zwillingsbruder Bror, reist im Dezember 1913 nach Kenia und wird Anfang 1914 Baronin von Blixen-Finecke. Die Ehe wird 1925 geschieden, aber Karen-Tania betreibt die gekaufte Kaffeefarm weiter. Obwohl die Lage an den Ngong-Bergen eigentlich zu hoch ist, wird Kaffee angebaut und daran festgehalten, mit mal mehr und mal weniger Erfolg. Die vielen Missernten, die verschwenderischen Ausgaben von Ehemann Bror und andere Umstände führen dazu, dass die Farm verkauft werden muss und Karen-Tania Blixen 1931 nach Dänemark zurückkehrt.  

Der 1. Weltkrieg ist ausgebrochen und in Kenia stehen sich Briten und Deutsche gegenüber, doch es sind die einheimischen Afrikaner, die als Kanonenfutter vorgeschickt werden. Doch davon erfährt der Leser nur indirekt.

Im Buch reihen sich Geschichten, die teils in Kenia und teil als Erinnerung in Dänemark verfasst wurden, aneinander. Mal ist man „mitten im Geschehen“, dann merkt man beim Lesen schon den Abstand zu den beschriebenen Ereignissen. Etliche Szenen, die in der Verfilmung groß  dargestellt werden, sind im Buch nur beiläufig erwähnt, wie der große Brand der „Kaffeemühle“.
Vieles andere fehlt im Film, was das Buch sehr lesenswert macht: Da gibt es die Frauen des somalischen Dieners Farah, zu denen sich Tania Blixen besonders hingezogen fühlte, die Auseinandersetzungen der Kikuyu auf der Farm, der Junge Kamante, der nach einem Krankenhausaufenthalt zum Christen wurde und viele andere.
Interessant sind ebenso die Beschreibungen über die Massai, die Kikuyu, die verschiedenen Leute, die zeitweise auf der Farm lebten oder sie besuchten, wie der alte Knudsen, ein Däne, der in Nordschweden als Köhler arbeitete und auf die Idee kam, den Indern in Nairobi Holzkohle zu verkaufen.
Einige Erzählungen sind kurz und wirken eher wie Randnotizen oder flüchtige Gedanken.

Tania Blixen schreibt als Frau ihrer Zeit und gebraucht Ausdrücke, die heute nicht mehr üblich sind (Negermädchen). Für heutige Leser scheinen manche Passagen diskriminierend und rassistisch („Was ich vom Wild gelernt hatte, konnte ich im Umgang mit den Eingeborenen anwenden.“), für die damalige Zeit im ersten Weltkrieg und danach aber normal, denn die Länder Afrikas waren noch fest in weißer Hand mit all ihren negativen kolonialistischen Auswirkungen.

Obwohl sich Tania Blixen sehr für „ihre“ Kikuyu einsetzte und die Massai, Somali („Was mich betrifft, so habe ich die Eingeborenen, die ich in Afrika antraf vom ersten Tage an geliebt.“ … „Die Begegnung mit den dunklen Leuten war für mich ein Erlebnis wie für Kolumbus die Entdeckung Amerikas und in gleicher Weise eine Erweiterung meiner gesamten Welt.“) sowie die anderen Besucher und vorübergehende Gäste der Farm mit Respekt behandelt, findet sie doch keinen rechten Zugang zu ihnen. Sie versucht sich in ihre Mitbewohner und Mitmenschen hineinzuversetzen, um sie besser zu verstehen, was ihr aber kaum gelingt. Doch mit der Zeit „entwickelte sich aus meiner Bekanntschaft mit den Eingeborenen (auf der Farm und bei Jagdexpeditionen) allmählich eine gewohnheitsmäßige, persönliche Beziehung. Wir wurden gute Freunde“ schreibt die Baronin.

Und diese Freundschaft und dadurch der persönlichere Einblick, den ihr die Kenianer gewähren, den Tania Blixen im Buch festhält, macht die Lektüre besonders lesenswert, denn oft weicht der Blick vom Oberflächlichen ab und man erfährt als Leser viel mehr über Land und Leute, Gefühle, Schmerz, Heiterkeit und Tod.

Erst nach über 250 Seiten werden im Kapitel „Gäste auf der Farm“ Weiße vorgestellt. Die Beziehung zu Denys Finch Hatton, die von 1918 bis 1929 dauerte, im Film ein Schwerpunkt, wird im Buch eher beiläufig beschrieben. Erst als er 1931 stirbt, nach zweijähriger Trennung von  Tania Blixen, schreibt sie mehr über ihn und beschreibt die Umstände seiner Beerdigung auf den Ngong-Bergen.
Kaum eine Erwähnung findet ihr Mann Bror.

1931 kehrt Baronin Blixen-Finecke nach Dänemark zurück und bleibt dort bis zu ihrem Tod 1962.  

Am Ende des Buches befinden sich das Inhaltsverzeichnis, eine editorische Notiz und das Nachwort von Ulrike Draesner.

Fazit:
Diese Neuübersetzung von Gisela Peret aus dem Manesse Verlag von 2017 ist einmal mehr ein Buchkunsthandwerk deutscher Qualität, trotz des kleinen, aber handlichen Formats gut zu lesen und passt in jede Handtasche.
Wer sich nach Afrika bzw. nach Kenia träumen will hat mit diesem Buch einen interessanten, aber melancholischen Reisebegleiter des frühen 20. Jahrhunderts, der die Natur und die Situation von damals gut beschreibt.

Sehr empfehlenswert 

zum Angebot


NEU: Iran verstehen

Klett-Cotta
GERHARD  SCHWEIZER

IRAN  VERSTEHEN  -  Geschichte, Gesellschaft, Religion

Mit profunder Kenntnis schildert der Kulturwissenschaftler Gerhard Schweizer Höhen und Tiefen iranischer Geschichte, von Persien, über Zarathustra bis zur Islamischen Republik, und schenkt Kultur wie Politik gleichermaßen Aufmerksamkeit.

Gerhard Schweizer verknüpft seinen historischen Rückblick mit der Analyse von Zeitgeschichte und Politik und wagt eine vor- und umsichtige Prognose für den Iran, durch den er im Herbst 2016 erneut gereist ist. Unmittelbar und authentisch gelingen ihm Einblicke in die neuesten Entwicklungen des schiitischen Gottesstaates.

Gerhard Schweizer ist ein bedeutender Kenner des Iran und Vermittler zwischen den Welten.
Die aktualisierte Neuausgabe bietet eine klischeefreie Neubewertung des Iran nach der Iran-Reise Gerhard Schweizers im Herbst 2016.


Autor:
Gerhard Schweizer, 1940 in Stuttgart geboren, promovierte an der Universität Tübingen in Empirischer Kulturwissenschaft. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Wien, wenn er nicht gerade auf Reisen recherchiert und Material für neue Reportagen und Bücher sammelt.
Er ist einer der führenden Experten für die Analyse der Kulturkonflikte zwischen Abendland und Orient und gilt als ausgewiesener Kenner der islamischen Welt. Gerhard Schweizer hat dazu mehrere Bücher veröffentlicht, die als Standardwerke gelten. Einem breiten Publikum wurde er vor allem durch seine Bücher über den asiatischen und arabischen Raum bekannt.  (Verlagsinformationen)


Gerhard Schweizer
Iran verstehen
broschiert
720 Seiten
1. Auflage  Oktober 2017
nur Euro 12,95  inkl. MwSt.  jetzt kaufen



Mittwoch, 15. November 2017

NEU und aktuell: Diktatoren als Türsteher Europas

Ch.Links

CHRISTIAN  JAKOB,  SIMONE  SCHLINDWEIN

DIKTATOREN  ALS  TÜRSTEHER  EUROPAS
Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert

Europa zieht seine Grenzen durch Afrika. Migrationskontrolle ist in der EU zu einer Frage von höchster innenpolitischer Bedeutung geworden. Mit Hochdruck baut sie daher ihre Beziehungen zu den Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent aus. Diese sollen ihre Bürger daran hindern, nach Europa zu gelangen. Die EU bietet dafür Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe. Sie arbeitet mit Regimen zusammen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, und bildet deren Polizei und Armeen aus.

Die Bewegungsfreiheit in Afrika wird eingeschränkt, Entwicklungshilfe wird umgewidmet und an Bedingungen geknüpft: Wer Migranten aufhält, bekommt dafür Geld. Am meisten profitieren IT-Unternehmen sowie Rüstungs- und Sicherheitskonzerne in Europa.

Seit Jahren recherchieren Simone Schlindwein und Christian Jakob zu diesem Thema. Ihr Buch ist die erste umfassende Darstellung der neuen europäischen Afrikapolitik.

»Von geschützten Grenzen und der Öffnung der Märkte träumt die EU. Von geschützten Märkten und offenen Grenzen träumt Afrika. Solange dieses Interessensdilemma nicht gelöst ist, wird es keine echte Partnerschaft geben.«  Christian Jakob, Simone Schlindwein

Autoren:
Susanne Schlindwein, Jahrgang 1980, von 2006 bis 2008 u. a. Moskau-Korrespondentin des Spiegel, seit 2008 in Uganda basiert und Korrespondentin der taz für die Region der Großen Seen: DR Kongo, Ruanda, Burundi, Uganda, Zentralafrikanische Republik, Südsudan, 2016 Auszeichnung mit dem Journalistenpreis »Der lange Atem« (zusammen mit Dominic Johnson) für ihre Recherchen über die FDLR in Ruanda, der DR Kongo und Deutschland sowie das dazugehörige Buch »Tatort Kongo«.

Christian Jakob, Jahrgang 1979, Studium der Soziologie, Volkswirtschaft, Philosophie in Bremen und Mailand, Global Studies in Berlin, Buenos Aires und Delhi. Seit 2006 Redakteur der tageszeitung, zuerst bei der taz Nord in Bremen, dann im taz1-Ressort in Berlin, seit 2014 Reporter. Für seine Berichterstattung zur Asylpolitik wurde er 2015 für den Journalistenpreis »Der lange Atem« nominiert.
 (Verlagsinformationen)


Christian Jakob   Simone Schlindwein  
Diktatoren als Türsteher Europas
Broschur
320 Seiten
Format: 12,5 x 20,5 cm
1.Auflage Oktober 2017
Nur Euro 18,-  inkl. MwSt.  jetzt kaufen


NEU Das goldene Rhinozeros - Afrika im Mittelalter

Beck

FRANCOIS - XAVIER  FAUVELLE

DAS  GOLDENE  RHINOZEROS
Afrika im Mittelalter

Afrika im goldenen Zeitalter – das sind die verschollenen acht Jahrhunderte von den nubischen Königreichen bis zu jenem Tag im Jahr 1498, an dem die Karavelle von Vasco da Gama im Indischen Ozean auftaucht und die Kolonisation durch die Europäer beginnt. François-Xavier Fauvelle nimmt uns in seinem wunderbar geschriebenen Buch mit auf eine außergewöhnliche Reise durch das historische Afrika und zeigt uns seine zu Unrecht vergessenen Schätze.

Dürers Rhinozeros kennt jeder. Aber das goldene Rhinozeros von Mapungubwe? In 34 Kapiteln führt dieses Buch durch die faszinierende Geschichte Afrikas vor der Ankunft der Weißen – ein Thema, über das es bezeichnenderweise bis vor kurzem nicht ein einziges Buch in deutscher Sprache gab.

Wer sich mit François-Xavier Fauvelle auf seine Spritztour durch das afrikanische „Mittelalter“ einlässt, der wird jedoch reich belohnt. Von Ostafrika und Nubien, der Zentralsahara und Marokko, Äthiopien, Mali und dem Senegal bis nach Madagaskar und ans Horn von Afrika geht die Reise durch eine unbekannte Welt der versunkenen Wüstenreiche und Stammesherrschaften, auf der es viel zu entdecken gibt: das reiche Erbe eines bis heute unterschätzten Kontinents.  

Autor:
François-Xavier Fauvelle ist Professor für Afrikanische Geschichte an der Universität Toulouse und ein international anerkannter Fachmann für Afrika vor der Kolonialzeit. Sein Buch „Das goldene Rhinozeros“ wurde mit dem Großen Preis des Geschichtsfestivals „Rendez-vous de l’histoire“ von Blois ausgezeichnet.
(Verlagsinformationen)

Aus dem Französischen übersetzt von Thomas Schultz

François-Xavier Fauvelle
Das goldene Rhinozeros
Gebunden mit Lesebändchen
47 Abbildungen, 3 Karten
320 Seiten
1.Auflage August 2017
Euro 29,95  inkl. MwSt.  jetzt kaufen