Donnerstag, 7. Mai 2015

NEUERSCHEINUNG ERICA DE BARY - Eine Biographie

Horlemann

ALMUT  SEILER - DIETRICH 

ERICA  DE  BARY
"Hinter dem Seidenhimmel spannt sich die flockige Nacht wie Zunder"

Erica de Bary (1907– 2007) hatte von Kindheit an zwei Leidenschaften: Literatur und Reisen, vor allem nach Afrika, wo sie menschliche Begegnungen und kulturelle Entdeckungen suchte, die ihr das »alte Europa« nicht bieten konnte. In den dreißiger Jahren schon reiste sie mit ihrem Mann Herbert de Bary mehrere Wochen durch Spanien, nach Skandinavien, Russland und auf den Balkan. Während des Krieges lebte sie in Paris als Mitarbeiterin der »Pariser Zeitung«, verkehrte in Dichterkreisen, wo sie als »Muse« galt. Dort lernte sie auch afrikanische Politiker kennen, die später hohe Posten in ihren Ländern bekleideten, insbesondere Léopold Sédar Senghor und Jacques Rabemananjara, mit denen sie lebenslange Freundschaften pflegte. Nach dem Krieg vermittelte sie französische Kunst nach Frankfurt am Main, wo sie seit ihrer Heirat zu Hause war. Von 1952 bis 1981 unternahm sie fast jährlich ausgedehnte Reisen in verschiedene afrikanische Länder, bis nach Madagaskar. Mit poetischen Impressionen und kritischen Texten begleitete sie die Entkolonialisierung und den Aufbau der jungen afrikanischen Staaten. Als Autodidaktin, ohne den Hintergrund akademischer Institutionen, verwirklichte sie ihre intellektuellen Träume und lebte ihre Leidenschaften mit Mut und Beharrlichkeit bis ins hohe Alter.

Auszug aus dem Buch:
Die erste Begegnung mit der Sahara 1952 in Marokko war prägend gewesen. Auch wenn Erica später noch ein Dutzend afrikanische Länder mit den unterschiedlichsten Landschaften bereiste: die Wüste blieb ihre Leidenschaft. Die Wüste erfüllte alle Erwartungen. Sie war das Urbild der Erde, und die Oasen darin Horte archaischer Lebensformen, die das Ehepaar aus Deutschland teilte, so weit die Gastgeber es zuließen. So wurden sie über Jahrzehnte hinweg Zeugen des Wandels, den auch diese nur scheinbar unwandelbaren Gesellschaften durchmachten.

Autorin
Almut Seiler-Dietrich wurde 1947 geboren und wuchs in Weilburg an der Lahn auf. Von 1961 bis 1963 lebte sie mit ihrem Vater, der für die Unesco tätig war, in Léopoldville (Kinshasa), Republik Kongo, wo sie das Gymnasium der Herz-Jesu-Schwestern besuchte.
Das Studium der Romanistik und Slavistik in Gießen, Freiburg und Heidelberg schloss sie 1970 mit einer Examensarbeit über „neoafrikanische Dichtung“ ab. Danach war sie Mitarbeiterin von Janheinz Jahn bis zu dessen Tod 1973.  1974 legte sie das zweite Staatsexamen ab und arbeitete seitdem als Gymnasiallehrerin für Französisch, Russisch und Spanisch. 1975-76 lehrte sie im Auftrag des UNDP Französisch an der Ecole Nationale d’Administration in Niamey, Niger. Zahlreiche Reisen, die längste zehn Wochen lang, führten sie in die verschiedensten afrikanischen Länder. 2004 wurde sie mit einer Monographie über den madagassischen Dichter Jean-Joseph Rabearivelo Promotion von der Goethe-Universität, Frankfurt am Main, zum Dr. phil. promoviert. Sie hat Lehraufträge an den Universitäten Mainz und Frankfurt wahrgenommen und in zahlreichen Institutionen Vorträge gehalten.
Seit 1971 hat sie ca. 120 Artikel in Zeitungen, Zeitschriften und größere Aufsätze in Sammelbänden veröffentlicht und 40 Skripte für Rundfunksendungen geschrieben.
 Sie publizierte mehrere Bücher zum Thema „Afrikanische Literatur“ in französischen und deutschen Verlagen. Webseite: www.afrika-interpretieren.de
(Verlagstext)

Almut Seiler-Dietrich
Erica de Bary - Eine Biographie
Hardcover mit Schutzumschlag
344 Seiten mit zahlreichen schwarz-weiß-Fotos
1.Auflage 2015
Euro 19,90  Buch kaufen


Rezension - Der Kampf ums Paradies

Philipp von Zabern

Rezension

Paul M. Cobb

Der Kampf ums Paradies   
Eine islamische Geschichte der Kreuzzüge

Die Geschichte der Kreuzzüge ist ein beliebtes Thema, das, ob in Filmen oder Büchern, immer wieder gern aufgegriffen wird. Sogar in der heutigen Zeit wird das „mittelalterliche“ Wort Kreuzzug von amerikanischen Präsidenten in den Mund genommen, um ein Land des Nahen Ostens zu zerstören.

Nun erschien ein Buch des amerikanischen Islamwissenschaftlers Paul M. Cobb, der sich als Nichtmuslim an das Thema herangewagt hat, um eine „islamische“ Geschichte der Kreuzzüge zu beschreiben und er bezieht sich auf „Studien von Menschen, die in der islamischen Welt lebten,… in Gegenden, deren herrschende Elite und … Mehrheit der Bevölkerung aus Muslimen bestanden.“

Europa aus islamischer Sicht

Als Einstieg in das Thema beschreibt er das Bild Europas aus dem Blickwinkel von Harun ibn Yahia, der im 9. Jh. als Gefangener in Konstantinopel die Freiheit erlangte und bis nach Rom reiste, und des Geographen Abu Ubayd al-Bakri, der 1070 Rom besuchte und ähnliche Erfahrungen in seinen Beschreibungen wiedergab, als er in seine Heimat al-Andaluz zurückkehrte und Vergleiche zwischen dem Christentum und dem Islam der damaligen Zeit anstellte, die selbstverständlich zu Gunsten des Islam ausfielen. Der Geograph Ibn Khurradadhbih aus Persien hatte kaufmännische Interessen, für ihn waren Handelsgüter aus Europa wichtig. Und wieder ein anderer muslimischer Historiker bezeichnete die Franken als „fernste aller Feinde von Al-Andaluz“, arabisch Ifrandsch oder Firandsch, ein Ausdruck der später für alle Kreuzfahrer stand.

Christen im Haus des Islam

Schon zu Beginn der islamischen Zeitrechnung waren die Bewohner Syriens, Persiens und der arabischen Halbinsel mit Griechen, Römern, Christen vertraut. Als sich der Islam ausbreitete, hatten die Christen als Bekenner der Buchreligion einen Sonderstatus, lebten als „geschützte Minderheit“ und waren kaum eine Bedrohung für das Haus des Islam. Das änderte sich erst, als Muslime und Christen zu späteren Zeiten aufeinander trafen.

Am Vorabend der Kreuzzüge

Daraufhin beschreibt der Autor die verschiedensten Ereignisse, sei es die Eroberung Siziliens durch die Normannen, den Aufstieg der Fatimiden, die ersten Rückeroberungsversuche der nordspanischen Könige um die zersplitterten Taifakönigreiche in Al-Andaluz und die Entwicklung in Anatolien, in dem sich das Turkvolk der Seldschuken und andere turkmenische Nomaden ausgebreitet hatten und 1071 bei der Schlacht von Manzikert der byzantinische Kaiser gefangen genommen wurde. Ebenso klagten zurückkehrende Pilger von Belästigungen durch die türkischen Seldschuken, die gerade erst zum Islam übergetreten waren und es an der „arabischen Gastlichkeit“ fehlen ließen.
Als der byzantinische Kaiser Alexios I. Papst Urban II. um Hilfe gegen die „türkische Bedrohung“ bat, begannen die bekannten Kreuzzüge, die 1099 mit der Einnahme Jerusalems ihren Höhepunkt erreichten.

Die Kreuzzüge und ihre Akteure

Die folgenden Kapitel beschreiben die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen und Personen von Alp Arslan bis Saladin und seine Nachfolger, zwischen Muslimen und Christen. Dabei kam es zu ständigen Wechseln der Machtverhältnisse im Nahen Osten und an der Levanteküste, die der Autor manchmal verwirrend detailreich und präzise schildert. Franken kämpften gegen Herrscher der Stadtstaaten Antiochia, Edessa oder Aleppo, diese wiederum sahen die Eindringlinge zunächst nicht als Eroberer an. Später einigte man sich sogar teilweise mit den Franken, um unliebsame muslimische Kontrahenten zu überfallen.
Geschehnisse in Nordafrika und Andalusien, die meistens nicht als Kreuzzüge sondern als Teil der Geschichte der islamischen Welt beschreiben werden, finden Eingang in Cobbs Buch.

Islamische Geschichte nach den Kreuzzügen

Für viele westliche Historiker ist 1291 mit dem Fall von Akkon, der letzten Kreuzfahrerbastion, die Epoche der Kreuzzüge beendet. Für muslimische Chronisten waren die Konfrontationen an den Grenzen im Osten viel bedeutsamer, die Kreuzzüge der Christen blieben eine Episode in der islamischen Geschichte, da sie die für den Islam wichtigen Orte wie Mekka oder Medina nicht bedrohten. Sie hinterließen kaum Eindruck auf die zivilisierte islamische Welt. Franken blieben auf Zypern und überfielen Ägypten und die  mongolischen Il-Khane drangen auf syrisches Gebiet vor. Ein Höhepunkt der türkischen Ausbreitung war 1453 die Einnahme von Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.  

Autor:
Paul M. Cobb wurde 1967 in den USA geboren und ist Professor für Islamische Geschichte an der Universität Pennsylvania mit Schwerpunkt Geschichte der Kreuzzüge.  

Fazit:
Bevor man in die „Geschichte“ einsteigt, ist es ratsam, den Epilog zu lesen, um zu verstehen, was der Islamwissenschaftler eigentlich vermitteln will. Auf die im Klappentext gestellte Frage, ob die Kreuzzüge bis heute im Zusammenprall der Kulturen nachwirken, gibt er am Ende zur Antwort, dass die islamische Geschichtsschreibung die „weitverbreitete moderne Darstellung der Kreuzzüge als Geburtsstunde eines angeblich epochalen Zusammenpralls zwischen Islam und Christentum“ auch nicht erklären kann.
Im Prolog geht der Autor auf die symbolische Bedeutung Salah ad-Dins als Kämpfer für den Glauben ein, der im Westen als Saladin bekannt ist und eine ebenso große Bedeutung hat. Er betont, dass sein Buch „so gut wie gänzlich“ auf „islamische Originalquellen“ basiert und „die Ereignisse aus Sicht der mittelalterlichen Muslime selbst“ erzählt werden.
Schade, dass er nicht direkt in den Text schreibt aus welcher islamischen Quelle er zitiert und wo welcher westliche Kollege zu Wort kommt. Zu den arabischen und islamischen bekannten Quellen, aus denen Paul M. Cobb schöpft, kommen keine neuen islamischen Quellen hinzu, sondern er füllt sein Buch mit Ansichten westlicher Kollegen, die ebenfalls die bekannten Quellen zitieren. Wo ist also der „neue“ Ansatz, die „neue Seite der Kreuzzugsgeschichte“, wie es der Klappentext verspricht?

Obwohl der Autor das Buch „Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht“ von 1973 kritisiert, schreibt er fast wörtlich davon ab und übernimmt ganze Abschnitte des italienischen Übersetzers und Herausgebers Francesco Gabrieli. Er kritisiert, dass dieser vom Arabischen ins Italienische übersetzte Text nochmals ins Deutsche bzw. Englische, also zweimal übersetzt wurde. Zugleich bemerkt er auf Seite 11 seines Buches, dass „die Fülle an Material fast unerschöpflich ist“ und bisher kaum „als Grundlage einer eigenen Geschichte dienten“, weil „viele Forscher nicht in der Lage waren, das Material zu entschlüsseln“. Da stellt sich die Frage, warum er als Professor für islamische Geschichte mit Schwerpunkt Kreuzzüge nicht „aus dieser Fülle an Material“ zitiert, sondern aus den bekannten Quellen? Oder verstärkt auf die Beiträge seiner ägyptischen oder syrischen Kollegen zurückgreift, die er als Koryphäen auf diesem Gebiet herausstellt, sondern auf europäische oder amerikanische? Zugleich beantwortet er diese Frage mit „letztlich alles eine Frage der Perspektive“. (S. 12)
Hierbei vergaß er seinen amerikanisch-afghanischen Kollegen  Tamim Ansary, der das äußerst interessante Buch „Die unbekannte Mitte der Welt“ 2010 schrieb und ebenfalls aus islamischer Sicht das Thema Kreuzzüge darin aufschlussreich schilderte.

Zusammengefasst kann man sagen, dass dieses umfangreiche Buch interessant ist, für Leser, die sich vorher noch nicht über die Kreuzzüge aus islamischer Sicht informiert haben.


Mittwoch, 29. April 2015

Rezension - Der Islam, der uns Angst macht

Tahar Ben Jelloun

Der Islam, der uns Angst macht      Rezension

Tahar Ben Jelloun

In seinem neuesten Buch setzt sich Tahar Ben Jelloun, der marokkanische Schriftsteller, einmal mehr mit der Frage auseinander, wie man „den Islam“ am besten erklärt oder darüber aufklärt.

Sieben Worte
Den Text des ersten Teils „Sieben Worte“ schrieb er kurz nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Zu den sieben Worten Freiheit, Wut, Islam, ein Lächeln, Rache, Unwissenheit, Wiederstand schreibt er seine Gedanken auf, die in der Französischen Zeitung Le1 erschienen.
In den 1970er Jahren verließ Tahar Ben Jelloun seine Heimat Marokko, der Freiheit willen, die er in Frankreich glaubte gefunden zu haben, bis jetzt. Nun wird seine Freiheit der Sicherheit unterworfen und als Nordafrikaner in Frankreich hat er es nicht leicht. Immer begleiten ihn Fragen und Gedanken zum Islam.

Fragen zum Islam
Im zweiten Teil beantwortet er in einem fiktiven Gespräch die Fragen seiner Tochter. „Muss man Angst haben vor dem Islam ? - „Von welchem Islam redest Du ?“, fragt er zurück. Und darum geht es bei allen Diskussionen. Es gibt verschiedene Auslegungen der religiösen Texte, genauso wie es unterschiedliche Ansichten im Christentum gibt.
Sehr interessant sind seine Antworten auf die folgenden Fragen: „Wie wird man zum Djihadisten?“, „Was wissen sie über den Islam?“, „Ist der Islam gewaltsam?“, „Kann ich als Mädchen muslimischer Kultur…Witze über die Religion machen?“, „…Ist der Islam…möglich in einer laizistischen Demokratie wie der Frankreichs?“ oder „Wann wird endlich Schluss sein mit der sogenannten Islamophobie?“.

Im Zeichen des Bösen
In diesem Kapitel denkt sich der Autor in die Person von Mohamed Merah, der 2012 sieben Menschen das Leben nahm. Er beschreibt den Werdegang des jungen Mannes, der sich zwar sehr bemüht und versucht, es allen recht zu machen, aber bald feststellen muss, dass die Franzosen ihn nicht richtig akzeptieren. Er will nicht auffallen, befolgt den Ramadan, will ein guter Muslim sein, aber trotzdem läuft es nicht so, wie er sich sein Leben vorstellt und rutscht ab. Er fühlt sich gedemütigt, missverstanden.

Frankreich hat Angst vor den zurückkehrenden Djihadisten, doch wie kann man verhindern, dass Jugendliche dem „Abenteuer Djihad“ erliegen und sie den Werbern entreißen? Der Autor versucht auch auf diese Frage zu antworten.

Islamischer Staat
Das nächste Kapitel dreht sich um den Islamischen Staat. Am Anfang dieses Kapitels steht Georg W. Bush, der in den Irak einmarschiert ist und die reguläre irakische Armee aufgelöst hat, aus dessen Überbleibseln sich der IS entwickelt hat, finanziert von den Golfstaaten und Saudi-Arabien. Tahar Ben Jelloun beleuchtet die Geschichte der Entstehung des IS, die bereits 1966, lange vor al-Baghdadi begann und durch den Krieg in Syrien den „Durchbruch“ schafft. Was Russland und Europa damit zu tun haben liest sich wie ein Krimi.

Arabischer Frühling
Im Kapitel „Der Arabische Frühling“ zieht der Autor eine durchwachsene Bilanz. Während Tunesien sich zunehmend stabilisiert, von einzelnen Rückschlägen abgesehen, steht Libyen vor einem Scherbenhaufen und Ägypten ist zur Militärdiktatur zurückgekehrt. In Marokko hat der weitsichtige König rechtzeitig Reformen eingeleitet und Algerien hat diese ganzen Ereignisse bereits hinter sich und in den 1990er Jahren schmerzliche Erfahrungen gemacht. Die geplante Tragödie in Syrien geht weiter.

Widerstand
Im letzten Kapitel geht Tahar Ben Jelloun auf die neuesten Anschläge in Paris und Kopenhagen ein.
Am Beispiel Dänemark zeigt er auf, dass dort Demokratie und „absolute Freiheit“ des Einzelnen gelebt wird und arabische Muslime diese Freiheit des Einzelnen nicht kennen und verstehen, weil bei ihnen die Gesamtheit der Umma, der Klan, die Gruppe zählt, aber nicht das eigenverantwortliche Individuum. Er fordert zum Widerstand gegen den Islamismus auf.


Autor
Tahar Ben Jelloun, geb. 1944 in Fès (Nordmarokko), lebt seit den 1970er Jahren in Paris. Er gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur des Maghreb.


Fazit:
Tahar Ben Jelloun beleuchtet die aktuelle Situation in Europa, nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo in Paris und auf das Kulturzentrum in Kopenhagen. Er macht sich Gedanken, wie man die verschiedenen Auslegungen des Islam erklären kann und was man heute gegen die Bedrohung von islamistischen Gruppen machen kann.
Das Buch ist unterhaltsam geschrieben durch das gedankliche Zwiegespräch mit der Tochter und regt zum Nachdenken an. Auf jeden Fall empfehlenswert.


Sonntag, 26. April 2015

Kusch, Meroe, Nubien, Sudan - Bildband zur kuschitisch-meroitischen Geschichte

Kusch, Meroe, Nubien, Sudan

RUDOLF  FISCHER

KUSCH, MEROE, NUBIEN, SUDAN
- Bilder zur wichtigsten alten Süd-Nord-Handelsroute im Innern Ostafrikas

Das neue Buch enthält zahlreiche unveröffentlichte Bilder zur kuschitisch-meroitischen Geschichte und zusätzlich viele fundierte Hinweise zur faszinierenden, bei uns beinahe unbekannten christlichen Zeit Nubiens sowie zur nachfolgenden islamischen Epoche, die dem modernen Staat Sudan zu seinem heutigen Gepräge verhalf: Landschaftsbilder, Nubier, die tanzenden Derwische von Omdurman, Fresken aus der Kathedrale von Faras, Kirchen und Klöster, ägyptische Tempel in der subsaharischen Savanne und vieles mehr.  

Die dunkelhäutigen Könige von Kusch und Meroe beherrschten mehr als 1000 Jahre lang das Niltal von Assuan bis hinauf nach Khartum, knapp 100 Jahre lang sogar bis zum Mittelmeer. Grundlage ihres Reichtums war der Handel mit Rohstoffen und Luxusprodukten Innerafrikas. Die Kuschiten führten im Süden der Sahara die ägyptische Kultur weiter, die sie aber allmählich mit eigenen Elementen zu bereichern vermochten. Sie hinterliessen neben vielen Tempeln und zahllosen handwerklichen Zeugnissen eine unvorstellbar grosse Anzahl Pyramiden.

Das neue Buch ist eine Ergänzung zum grundlegenden, jüngst neu aufgelegten Werk „Die schwarzen Pharaonen von Kusch und Meroe - Tausend Jahre Geschichte und Kunst der ersten sudanischen Hochkultur“.   (Verlagstext)

Rudolf Fischer
KUSCH, MEROE, NUBIEN, SUDAN
76 Seiten
189 farbige Abbildungen
Format 30 x 21 cm
Euro 28,- (zuzüglich Versand aus der Schweiz)   Buch kaufen 
Edition Piscator

Mittwoch, 22. April 2015

NEUAUFLAGE: ALGERIEN Reiseführer

Algerien Reiseführer
NEUAUFLAGE

BIRGIT  AGADA

ALGERIEN - Kultur und Natur zwischen Mittelmeer und Sahara

Algerien ist ein Land mit alter wechselvoller Geschichte, geprägt von den Einflüssen afrikanischer, orientalischer und mediterraner Kulturen, ein Schmelztiegel vieler Völker.
Die lange Mittelmeerküste mit Sandstränden und verträumten Buchten lädt zum Baden ein und lockt mit antiken Ausgrabungen. Algier und Oran sind die beiden Metropolen des Landes, die neben lebendiger Hafenatmosphäre einen Einblick in die reiche Kultur Algeriens bieten. Die Ruinen von Tipaza, Timgad und Djemila entführen in die Zeit der Phönizier und Römer. Im Süden des Landes beeindrucken Oasenlandschaften und die Schönheiten der Sahara jeden Besucher. Bei Expeditionen und Kameltrekking kann man die Kultur der legendären Tuareg und die Faszination der Wüste kennenlernen.

Der soeben in 2., aktualisierter und erweiterter Auflage erschienene Reiseführer aus dem Berliner Trescher Verlag informiert umfassend über die Vergangenheit und die Gegenwart des Landes und gibt einen Einblick in Alltag und Lebensweise seiner Bewohner. Hinweise zur aktuellen politischen
Situation und zur Sicherheitslage im Land helfen bei der Planung und Durchführung einer Algerien-Reise. Die ausführlichen Reiseinformationen führen den Urlauber zu Erholungsorten, den Historiker zu geschichtlich interessanten Plätzen, den Naturliebhaber und Wüstenfreund durch die Weite
der Sahara.

-Alle Regionen zwischen Algier und Tamanrasset
-Die wichtigsten Reiseinformationen im Überblick
-Fundierte Hintergrundinformationen zu Geschichte und Kultur
-Ausführliche Reisetipps von A bis Z
 (Verlagstext)

Autorin:
Birgit Agada leitet seit den 1980er-Jahren Studienreisen in Algerien, Tunesien und Westafrika bis nach Kamerun. Während ihres Aufenthaltes in Südafrika in den 1990er-Jahren lernte die Touristikmanagerin ebenso den Südteil des Kontinents kennen und bereicherte durch Reisen nach Ostafrika (Kenia) ihren Wissensschatz über afrikanische Länder. Algerien und die Saharaländer liegen ihr besonders am Herzen, wobei sie in den letzten Jahren die Maghrebländer, vor allem Algerien, verstärkt bereisen konnte.

Birgit Agada
ALGERIEN-Natur und Kultur zwischen Mittelmeer und Sahara
241 Farbfotos und historische Abbildungen  
21 Stadtpläne und Übersichtskarten, farbige Klappkarten
448 Seiten
2. aktualisierte und erweiterte Auflage 2015
Euro 21,95 Buch kaufen  ab sofort lieferbar



Samstag, 11. April 2015

Rezension: Wer den Wind sät

C.H.Beck
REZENSION


Michael Lüders

Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet.

Wer es nicht schon vorher vermutete, dem werden spätestens nach dieser Lektüre die Augen geöffnet. Michael Lüders spricht endlich aus, was Realität ist: All die Kriege im Nahen und Mittleren Osten und in afrikanischen Ländern werden von den USA und seinen Verbündeten „am Leben gehalten“, von der US-Waffenindustrie endlos fortgeführt, um von inneren Problemen und Krisen abzulenken. Die Waffenindustrie verdient nur zu gut, auch Deutschland, das zum drittgrößten Waffenexporteur aufgestiegen ist. Längst geht es nur vordergründig um den Islam, um Sunniten, Schiiten oder um die Bekämpfung des Islamischen Staats. Diese Argumente werden immer wiederholt, um den Islam als „Feindbild Nummer eins“ im Westen darzustellen. Richtig ist vielmehr, dass man mit Kriegen gutes Geld verdient, vor allem, wenn unbemannte Drohnen zum Einsatz kommen, die keine Amerikaner aber tausende Zivilpersonen zum Opfer haben.
Millionen Syrer, Iraker, Afghanen, Libyer, etc.  flüchten in die Nachbarländer, die diesem Ansturm nicht gewachsen sind und so werden neue Konflikte heraufbeschworen. Oder sie fliehen nach Europa, das amerikahörig wie es ist, den Islam ebenfalls zum Feindbild erklärt hat.

Was hat der Iraner Mossadegh mit den Atomverhandlungen von heute zu tun?
Warum darf Israel unbeschadet 2000 palästinensische Zivilisten in Gaza ermorden?
Warum sind al-Qaida und der Islamische Staat amerikanische „Produkte“?
Auf diese und andere Fragen geht der mutige Journalist Michael Lüders in seinem neuesten Buch ein.

Er beschreibt die Methoden, die die USA fast immer nach demselben Muster anwenden, um Regime zu stürzen, die ihnen nicht „passen“ oder Widerstand leisten. Zuerst wird die „ausgewählte“ Person als „unberechenbar, irre, gerissen, provokant“ dargestellt, mit Hitler verglichen, als Bedrohung für die Demokratie empfunden und als „einen der gefährlichsten Führer, mit denen wir“, d.h. die USA und seine Verbündeten „es je zu tun hatten“ betitelt. Diese Propaganda wurde angewendet, um 1953 den Oppositionsführer Mossadegh im Iran zu stürzen. Dann folgten im selben Stil Saddam Hussein, Muammar al-Ghaddafi, Bashir al-Assad.  Was nach der Zerstörung der Länder und Völker geschieht, interessiert die Amerikaner nicht. Die Aufbauarbeiten, die Not und das Leid der Bevölkerung sind ihnen egal. Für Amerika ist nur wichtig, den Gegner zu zerstören, die Erdölreserven zu sichern und als „Retter der Menschheit“ dazustehen.

Washington und Riadh als Geburtshelfer von Al-Qaida,
Die Amerikaner schaffen die Grundlage für den „Islamischen Staat“,
Wie der Westen vermeidet, aus seinen Fehlern zu lernen,
Was den IS so erfolgreich macht,
Die USA setzen auf Diktatoren und Feudalherrscher,
sind Überschriften der Kapitel, die die aktuelle Politik gerade beschäftigt und Michael Lüders blickt „hinter die Kulissen“.

Ein äußerst wichtiger Beitrag zum Verständnis der aktuellen Lage im Nahen und Mittleren Osten und eine Erhellung und Erklärung der Verwicklungen westlicher, amerikageprägter und orientalischer Politik und Ideologien, die dem Leser unbequeme Wahrheiten enthüllt.

Autor:
Michael Lüders beleuchtet als Nahostkorrespondent und Islamexperte die Entwicklungen im Iran, erklärt Hintergründe über Kriege in Afghanistan, Irak, Kuwait, Syrien, Ägypten und Israel; Länder, die er aus eigener Anschauung kennt und über die er seit langem im deutschen Fernsehen und Zeitungen berichtet und aufklärt.

Fazit
Ein fesselndes Buch, spannender als ein Roman, denn es beschreibt die leider allzu traurige Realität. Unbedingt lesenswert und allen empfohlen, die nicht dem sogenannten „Mainstream“ hinterherlaufen.


Der Islam, der uns Angst macht

Tahar Ben Jelloun
Neuerscheinung
TAHAR  BEN  JELLOUN

DER  ISLAM  DER  UNS  ANGST  MACHT

„Alles, was mit dem Islam zu tun hat, ist zur Tragödie geworden.“

Warum macht der Islam Angst? Beinhaltet er die Saat der Gewalt? Wieso lassen sich Tausende junger Europäer – und nicht nur Einwandererkinder – vom Dschihad vereinnahmen und ziehen für den IS in den Krieg? Welche Gehirnwäsche durchlaufen sie, bevor sie als ferngesteuerte Killer zurückkehren, bereit zu sterben?

Tahar Ben Jelloun nimmt das ganze Bild in den Blick. Er spricht von der Trostlosigkeit einer Vorstadtjugend, die sich von der Gesellschaft verstoßen fühlt. Er versetzt sich in die Köpfe der islamistischen Mörder. Er beschreibt, wie mit dem IS binnen weniger Jahre eine Terrororganisation entstehen konnte, die al-Qaida in den Schatten stellt. Er betont die Verantwortung der Golfstaaten, die den Terror finanzierten, er geht mit den Fehlern des Westens ins Gericht und geißelt die zynische Strategie Putins.

Die große Mehrheit der Muslime lehnt den Islamismus ab. Doch Ben Jelloun macht deutlich: Die Muslime müssen ihre Haltung ändern und einen Islam erfinden, der vereinbar ist mit Demokratie und Rechtsstaat, der den Wert des Individuums anerkennt und die Gleichstellung der Frau. (Verlagstext)

Autor:
Tahar Ben Jelloun, geboren 1944 in Fès (Marokko), lebt in Paris. Er gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur des Maghreb. 1987 wurde er mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, 2004 mit dem renommierten International IMPAC Dublin Literary Award. Im Jahr 2011 wurde ihm der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis verliehen.

Übersetzt von Christiane Kayser

Tahar Ben Jelloun
Der Islam, der uns Angst macht
Klappenbroschur
128 Seiten
nur Euro 10,-   Buch kaufen
Erscheint am 13.04.2015


Donnerstag, 9. April 2015

Geboren mit Sand in den Augen

Mano Dayak

MANO  DAYAK

GEBOREN  MIT  SAND  IN  DEN  AUGEN

Die Autobiografie des Führers der Tuareg im Niger

»Jedes Mal, wenn ich der Wüste gegenüberstehe, führt sie mich auf die erregende Reise in mein eigenes Ich, in dem wehmütige Erinnerungen, Befürchtungen und Hoffnungen des Lebens miteinander streiten. Wer in der Wüste überleben will, muss sie verstehen, ihr zuhören. Denn sie wird immer stärker sein als der Mensch. Man muss, um hier zu leben, ebensoviel Bescheidenheit wie Mut aufbringen. Die Wüste scheint ihrem Bewohner ewig, und sie schenkt diese Ewigkeit dem Menschen, der sich ihr verbunden fühlt.« Mano Dayak

Das bewegte, viel zu kurze Leben des Anführers der Tuareg. »Die Tuareg und die Wüste haben nicht nur einen Sohn verloren, sondern auch ihren größten Anwalt.« Mohamed Akotey


Mano Dayak war Tuareg aus dem Air-Gebirge im Niger, Angehöriger eines Stammes jener Nomaden, die unermessliche Wüstengebiete Nordafrikas bewohnen, die sich von Marokko und Algerien bis Mali und Niger erstrecken. Während Jahrhunderten hatten sich die Tuareg gegenüber den gewaltvollen Angriffen der Kolonialmächte zur Wehr gesetzt und ihre unabhängige und stolze Lebensweise bewahrt. Mano wuchs in der Wüste auf. Seine Mutter erzählte ihm die Mythen seiner Vorfahren, sein Vater machte ihn mit den Bräuchen vertraut.

Als Jüngster seiner Familie wurde Mano von den französischen Kolonialherren dazu gezwungen, die Schule zu besuchen, wo er von seinen neuen »Vorfahren«, den Galliern, vernahm. Dessen ungeachtet fand er sich in der westlichen Lebensweise zurecht, zeichnete sich durch gute Leistungen aus und brach auf, um in New York und Paris eine akademische Ausbildung anzuschließen.

Als er Jahre später in die Wüste zurückkehrte, fand er sie von Grenzen willkürlich durchzogen wieder und erfuhr, dass Tausende von Tuareg niedergemetzelt worden waren. Außer sich begab er sich mitten in das Herz der Auseinandersetzungen; im Kampf für die Rechte der Tuareg wurde er zu einer wichtigen politischen Figur und spielte eine zentrale Rolle auf dem Weg zum Frieden im Niger.

Im Dezember 1995 bestieg Mano Dayak ein Flugzeug, um den nigrischen Premierminister zu treffen. Es sollten Wege diskutiert werden, den Frieden im Niger zu sichern. Das Flugzeug explodierte beim Start. Mano Dayak kam bei dem tragischen Unglücksfall ums Leben.

In Zusammenarbeit mit Louis Valentin
Aus dem Französischen von Sigrid Köppen

Mano Dayak
Geboren mit Sand in den Augen
Taschenbuch broschiert
224 Seiten
nur Euro 10,95     Buch kaufen


Reise in die Sahara

Reise in die Sahara 

LUCIEN  LEITESS (Hrsg.)

REISE  IN  DIE  SAHARA

Kulturkompass fürs Handgepäck

Aus dem Inhalt:

Die Sahara – ein Lebensraum voller Geheimnisse, Wunder, Künste und Geschichten
Antoine de Saint-Exupéry stürzt in der Wüste ab und erlebt, was es heißt, zu verdursten
Ibrahim al-Koni erzählt von Gazellen, Mufflons, Vogelschwärmen und vom selig machenden Regen
Théodore Monod findet Wasser, wo es keiner erwartet
Rainer-K. Langner staunt über die Überlebenskunst von Kamel, Akazie, Springmaus und Distelfalter
Gerd Spittler begleitet die Hirtin Guzzel, lernt die Kunst, jedes Kamel an seiner Spur zu erkennen und enthüllt die nächtlichen Besuche der Liebenden
Albert Camus beobachtet Janine beim Ehebruch in der Oase
Ines Kohl erforscht die feinen Abstufungen von Stand, Abstammung und Hautfarbe
Henri Lothe ist überwältigt von den tausend Felsbildern im Tassili-Gebirge
Mouloud Mammeri besucht eine Tuaregschulklasse, die den Lehrer zur Verzweiflung bringt
Michael T. Ganz berichtet vom Musikfestival bei Timbuktu
Kurt Pelda verfolgt die Routen der Kokainschmuggler

Dies und vieles mehr aus der Sahara …


Herausgegeben von Lucien Leitess
Reise in die Sahara
Taschenbuch broschiert
288 Seiten
nur Euro 12,90    Buch kaufen


Donnerstag, 19. März 2015

NEUERSCHEINUNG: Wer den Wind sät

C.H.Beck
 NEUERSCHEINUNG

MICHAEL  LÜDERS

WER  DEN  WIND  SÄT
Was westliche Politik im Orient anrichtet

Wer den Wind sät, wird Sturm ernten – Michael Lüders beschreibt die westlichen Interventionen im Nahen und Mittleren Osten seit der Kolonialzeit und erklärt, was sie mit der aktuellen politischen Situation zu tun haben. Sein neues Buch liest sich wie ein Polit-Thriller – nur leider beschreibt es die Realität. Eine Geschichte erscheint in unterschiedlichem Licht, je nachdem, wo man beginnt sie zu erzählen. Und wir sind vergesslich. Das iranische Verhältnis zum Westen versteht nur, wer den von CIA und MI6 eingefädelten Sturz des demokratischen Ministerpräsidenten Mossadegh im Jahr 1953 berücksichtigt. Ohne den Irakkrieg von 2003 und die westliche Politik gegenüber Assad in Syrien lässt sich der Erfolg des „Islamischen Staates“ nicht begreifen. Wer wissen will, wie in der Region alles mit allem zusammenhängt, der greife zu diesem Schwarzbuch der westlichen Politik im Orient.

Aus dem Inhalt:
- Wind säen, Stürme ernten: Zur Einführung
- Putsch in Teheran: Der Sündenfall
- Endspiel am Hindukusch: Washington und Riad als Geburtshelfer von Al- Qaida
- «Mission accomplished»: Die Amerikaner schaffen die Grundlage  für den «Islamischen Staat»
- «Gute» und «böse» Dschihadisten: Wie der Westen vermeidet, aus seinen Fehlern zu lernen
- Im Herzen der Finsternis: Was den «Islamischen Staat» so erfolgreich macht
- «Heilige Allianz»: Die USA setzen auf Diktatoren und Feudalherrscher
- Freibrief für Israel? Der Gazakrieg 2014
- Die neue Weltunordnung: Ein Ausblick

Autor:
Michael Lüders war lange Jahre Nahost-Korrespondent der Hamburger Wochenzeitung „DIE ZEIT“ und kennt alle Länder der Region aus eigener Anschauung. Als Nahostexperte ist er häufiger Gast in Hörfunk und Fernsehen. Bei C.H.Beck sind von ihm erschienen: Tage des Zorns (2011) über die arabische Revolution und Iran – der falsche Krieg (2012).
(Verlagstext)

Michael Lüders
Wer den Wind sät
Klappenbroschur
175 Seiten mit 1 Karte
1.Auflage 10.03.2015
Euro 14,95   Buch kaufen



Mittwoch, 18. März 2015

Rezension: Karten!

Theiss, Karten!

Rezension

SIMON  GARFIELD

KARTEN!

Ein Buch über Entdecker, geniale Kartografen  und Berge, die es nie gab  

Wer Karten liebt, wird dieses Buch nicht so schnell aus der Hand legen und es geradezu verschlingen. Der britische Journalist Simon Garfield zeichnet den Weg der ersten Landkarten,  Stadtpläne über Reiseführer bis zu GPS und Karten im Internet nach. In 22 Kapiteln beschreibt der Autor die Geschichte der Landkarten und ihrer Kartografen. Kartenausschnitte und Karten bereichern die unterhaltsamen Texte.

On the map

Im Vorwort schreibt Dava Sobel, dass der Originaltitel „On the map“ im Englischen zwei Bedeutungen hat: erstens „sich mit der Entwicklung der Kartografie im Laufe der Geschichte und innerhalb unterschiedlicher Kulturen zu beschäftigen“ und zweitens „bekannt und etabliert zu sein“.

In der Einleitung geht es um eine Karte, die gar nicht von Kartografen gezeichnet wurde, sondern „die sich selbst erschuf“. Wie soll man sich dies vorstellen? Es ist eine Karte aus dem Jahr 2010, die etwa 500 Millionen Facebook-Nutzer auf der ganzen Welt zeigt, die gleichzeitig online waren und ihre Standorte zeichneten die Kontinente nach.

Spannende Geschichten um die Entstehung von Karten

Anaximander von Milet entwarf im 6. Jahrhundert vor Christus eine Karte auf der oben Europa zu sehen ist und darunter teilen sich Libya (Afrika) und Asia die Landmasse. Pythagoras stellte bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. fest, dass die Erde eine Kugel sein müsse. Eratosthenes zeichnete 194 v. Chr. eine Karte, die bereits die Vorläufer der Längen- und Breitengrade enthielt und durch Beobachtung und Berechnung konnte er ziemlich genau den Erdumfang von 40000 km angeben. Eine immense Leistung zu dieser Zeit ! Der „erste moderne Kartograf“ war Claudius Ptolemäus, der um 140 n. Chr. einen „beschreibenden Atlas“ schuf, mit dem später Christopher Columbus 1492 in See stach.
Seit 1595 kennen wir dank Gerardus Mercator das Wort Atlas für eine Kartensammlung in Buchform und seine berühmte Weltkarte entstand 1569, die wir noch heute benutzen, obwohl sie die Kontinente verzerrt und Teile zu groß andere zu klein darstellt.
Dann gab es Zeiten, in denen Karten oben nach Osten zeigten, anstatt nach Norden - daher der Name Orientierung - wie die um 1290 entstandene „Mappa mundi“, die beinahe verkauft wurde, um das Dach einer renovierungsbedürftigen Kathedrale in Hereford in England zu finanzieren.

Gefälschte Karten 

Eine, eigentlich simpel gezeichnete Karte mit Umrissen der Erdteile Europa, Afrika und Asien erregte in Amerika Aufsehen. Ist die Karte echt oder eine gekonnte Fälschung ? Wurde Vinland nachträglich eingezeichnet ? Simon Garfield lüftet das Geheimnis. Hartnäckig hielt sich die Behauptung, dass in Westafrika die Kong-Berge unüberwindbar seien, aber in Wirklichkeit gibt es sie gar nicht.

Schatzkarten, Landkarten, Spielkarten & Co.

„Karten faszinieren uns, weil sie Geschichten erzählen“ von Reisenden, Entdeckern, Händlern, Dieben und Betrügern. Die unterschiedlichsten Karten finden in diesem Buch Erwähnung - Schatzkarten, Stadtpläne, U-Bahnpläne, Karten in Reiseführern, Karten als Spiele und Karten im Internet. Diese Karten stehen für ein Kapitel oder eine Geschichte zu Menschen, die mit Karten etwas zu tun haben.

Kennen Sie die berühmteste Karte der Welt ? Sie wurde von Henry Beck gezeichnet. Ohne ihn wäre U-Bahn fahren nicht so einfach. Er zeichnete den ersten U-Bahn-Plan von London, der wohl Vorbild für die meisten U-Bahnpläne in der Welt ist, denn er vereinfachte die Kartendarstellung.

Einen „Baedeker“ kennt wohl jeder Reisende, der eine Studienreise plant. Auch ihm und seinem Kollegen Murray widmet der Autor ein interessantes Kapitel, nämlich die „Geschichte des Reiseführers“, natürlich mit Karten.

Auch in Kinofilmen werden immer wieder Karten gezeigt, zum Beispiel im Filmklassiker „Casablanca“ mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann zu Beginn eine Karte von Afrika, den Abenteuerfilmen von Indiana Jones oder bei den Harry-Potter-Filmen die „Karte des Rumtreibers“.
Stimmt es wirklich, dass Frauen keine Karten lesen können ? Auch auf diese Frage gibt es eine Antwort im Buch.

Autor:
Simon Garfield ist Journalist und Autor zahlreicher Sachbücher. Er schreibt u.a. für die BBC, The Independent und The Observer. Seine Wohnorte sind London oder Cornwall.

Fazit:
Ein ansprechendes Buch, nicht nur für Kartenliebhaber. Die Geschichten, die zur Entstehung einer Karte führten, sind ebenso fesselnd zu lesen. Abwechslungsreich führt der Autor durch die Geschichte der unterschiedlichsten Kartendarstellungen.
Die Sprache ist spannend und humorvoll, die Texte sind gut zu lesen. Rundherum ein gelungenes Werk und sehr empfehlenswert.



Simon Garfield
Karten!
Gebunden mit Schutzumschlag
Format 14,5 x 21,7 cm
520 Seiten mit rund 130 schwarz/weiß-Abbildungen
1. Auflage 2014
Euro 29,95   Buch bestellen


Samstag, 14. März 2015

Rezension: Die Stunde der Kurden

Styria Premiuim
Rezension

HANS  JOACHIM  LÖWER


DIE  STUNDE  DER  KURDEN  Wie sie den Nahen Osten verändern                    

 Die Stunde der Kurden, endlich ist sie gekommen. Nach einhundert Jahren Kampf und Unterdrückung haben die Kurden nun die Chance einen neuen Staat Kurdistan aufzubauen und sie tun alles dafür. Der Autor, Hans-Joachim Löwer, bereiste die autonome Region Kurdistan und sein Bericht beeindruckt. In 20 Kapiteln lässt er Frauen und Männer zu Wort kommen, die an einen unabhängigen Staat Kurdistan glauben und den Worten Taten folgen lassen.

Traum vieler Kurden

In der Geschichte von Türken, Persern und Arabern unterdrückt, flohen die Kurden in ihre Bergregionen, wo sie bedroht, vertrieben und vergast wurden. Ihre Region wurde von Großbritannien in der Türkei, Iran und Irak aufgeteilt,  ohne Rücksicht auf die Unabhängigkeitsforderungen der Kurden. Nun, nach fast 100 Jahren des Kampfes, gibt es gute Chancen für einen demokratischen Staat Kurdistan, in dem Kurden, Araber und Turkomanen ungehindert zusammen leben können. Das ist der Traum vieler, der wohl wahr werden kann. Diesen Eindruck vermittelt der Autor in seinem Buch mit Beschreibungen der Städte Erbil, Sulaimania, Halabdscha, den Bergregionen der Peschmerga und Interviews mit den Einwohnern.

Mutige Kurden

Darunter ist ein Mann, der Minen entschärft. Er hat fast 2,4 Millionen Minen ausgegraben und bei Unfällen beide Beine verloren, trotzdem macht er unverdrossen weiter.
Eine Spionin fing Gespräche des Sicherheitsdienstes und Verteidigungsministeriums ab und versorgte die Leute vom Widerstand gegen den Irak Sadam Husseins mit Medikamenten für Kranke und Verletzte. Heute ist sie Beauftragte für Frauenfragen, lokale Parteivorsitzende, Bürgermeisterin von Koya und seit 2010 Generaldirektorin einer Abteilung im Innenministerium, die sich mit Gewalt gegen Frauen, wie Misshandlungen, Ehrenmorde, Selbstverbrennungen befasst.
Peschmerga verteidigen ihr Land gegen die Terroristen des Islamischen Staates IS.
Islamische Theologen diskutieren während ihrer Ausbildung zu Imamen. Der Autor staunt über Sätze wie: „Man darf den Glauben eines anderen nicht mit Gewalt ändern….“. “Das kommt…von Unwissen und einem schmutzigen Milieu.“ Und „Wir haben halt das Pech, das wir Muslime geworden sind“, begleitet von einem kräftigen Lachen (S. 108)

Im Gefängnis wird gearbeitet

Peschmerga-Truppen verteidigen Berge, Ölfelder, Grenzen und vor allem ihr Land gegen den IS. Der Irak zerfällt in Regionen mit Kurden, Sunniten, Schiiten und Minderheiten wie Jesiden und Christen. Die Kurden haben ihre Chance auf einen eigenen Staat vor 20 Jahren ergriffen und bauen Schulen, Universitäten, Ölpipelines und Hotels.  Sogar das Gefängnis von Fort Suseh trägt zum Aufbau bei, denn die Häftlinge - Räuber, Mörder, Kidnapper, Bombenleger, Terroristen und ehemalige irakische Minister - arbeiten als Schweißer, Elektriker, Schreiner, Gärtner sogar als Imker. Dem Autor kommt der Besuch im Gefängnis wie eine Show vor, aber es ist Realität, denn bewaffnete Wachleute begleiten ihn und „haben ihre Augen überall.“ Freigelassene arbeiten als Friseure oder Restaurantbesitzer.

Giftgas sollte Kurden vernichten

Während seiner einmonatigen Reise beschreibt Hans-Joachim Löwer das Land wie es kaum in den Medien Erwähnung findet, nämlich positiv, mit Menschen, die ehrlich an ein Kurdistan glauben, das seit mehr als 20 Jahren eine autonome Region ist. 1991 ließen die USA eine Flugverbotszone einrichten, „um die Kurden vor Angriffen der Streitkräfte des Diktators Sadam Hussein zu schützen“, der Giftgas einsetzte, um die Kurden zu vernichten.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“

Doch sie sind noch da und entschlossener als je zuvor, was Zitate, wie diese unterstreichen: „Unser Nationalismus war immer defensiv.“ (S. 15) „Wir haben nie andere Völker angegriffen, sondern immer nur uns selbst verteidigt. Aber wir lassen nicht zu, dass man uns unsere Rechte nimmt.“ „Wir sind anders als Araber…“ (S. 23) „Die Freiheit hat ihren Preis“ (S. 47) „Wir werden eine offene Gesellschaft… Wir sind auf dem richtigen Weg.“ (S.73) „In Kurdistan ist jeder willkommen, nur die nicht, die Gewalt predigen“ (S. 121).

Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass die Kurden in ihrem berechtigten Bestreben Unterstützung auch aus dem Westen erhalten. Sie selbst überwinden ihre Differenzen nun in einem Parlament und nicht mehr auf dem Schlachtfeld.


Autor:
Hans-Joachim Löwer, geb. 1948, ist Autor zahlreicher Bücher. Er war 16 Jahre Auslandsreporter des Stern und ein Jahr Redakteur für die deutschsprachige Ausgabe des National Geographic Magazins. Seine Reisen führten ihn in den Nahen Osten, nach Asien, Afrika und Lateinamerika, wo er in den 1990er Jahren Selbsthilfegruppen leitete. Rucksacktouren führten ihn 2003 nach Israel und Palästina.

Fazit:
Dieses Buch überrascht und beeindruckt. Es ist sehr gut geschrieben. Unterschiedlichste Menschen kommen zu Wort, Bilder bereichern die Berichte. Neue und unbekannte Informationen aus dem Nahen Osten, der in den Medien nur als Kriegsschauplatz dargestellt wird.
„Kurdistan ist anders“, hört der Autor immer wieder und sein Buch vermittelt ein positives Bild von einer Region, deren Menschen so viel Leid ertragen mussten.
Unbedingt lesenswert und allen empfohlen, die sich für mehr als nur Schlagzeilen interessieren.
Kompliment an Hans-Joachim Löwer für diesen couragierten Bericht.  


Hans-Joachim Löwer
Die Stunde der Kurden
Hardcover mit Schutzumschlag
Format 13,5 x 21,5 cm
208 Seiten
1.Auflage Februar 2015
Euro 24,99  Buch kaufen



Rezension: Orientbilder - Fotografien 1850 - 1910

Rezension


Orientbilder - Fotografien 1850 - 1910       

Noch bis zum 22. März 2015 werden im BildungsTURM in Konstanz Photographien von Orientbildern gezeigt, die zwischen 1850 und 1910 entstanden. In dieser Zeit begannen nicht nur die Reisenden den Orient zu entdecken sondern auch die Photographie. Waren es zuvor Maler, die Landschaften abbildeten und ihre Phantasien vom Orient auf Leinwand verewigten, so kam Mitte des 19. Jh. die Photographie als neues Instrument hinzu.

Die Ausstellung ist das Resultat einer Projektarbeit von Studenten der Universität Konstanz unter der Leitung von Bernd Stiegler und Felix Thürlemann während der Semester 2014/2015. In diesem Seminar wurde auch der informative Katalog mit aufschlussreichen Beiträgen zusammengestellt.

215 Bilder aus Ägypten, Nordafrika, Palästina und der Türkei zeigen Pyramiden, Obelisken, Landschaften, Menschen mit ihren Berufen und kunstvoll in Szene gesetzte Frauen und Männer in orientalischen Kostümen. Bilder, die der Photograph im Kopf hatte, wurden arrangiert, damit er sie zu Hause besser verkaufen konnte. Im Lauf der Zeit wurde die Phantasie ausschweifender und die Bilder freizügiger.

Bei den Photographien zeigt sich besonders deutlich, welches Bild sich der Photograph vom Orient macht und welche Szenen den Betrachter in Europa interessieren könnten. Der Photograph hat einen unmittelbaren Einfluss auf das Orientbild, den er ausnutzt. Ob dieses Bild realistisch ist oder nicht, steht weniger im Vordergrund als das Schöne, Fremdartige, Andere. Der Gegensatz vom prüden Abendland zum phantasievollen Morgenland, vom überlegenen Kolonialisten zum armen Eseltreiber oder zur exotischen Haremsdame ist gewollt und wird bewusst abgebildet. Nicht wenige Aufnahmen von Personen entstehen denn auch in Ateliers vor einem gemalten Hintergrund mit Minaretten oder Palmen und nicht als „Straßenszenen“. Die Photographen haben sich in den Ländern niedergelassen, um so „ihren“ Orient zu produzieren. Damit trugen sie wesentlich zum Klischee und der Vorstellung bei, die sich der europäische „Daheimgebliebene“ vom Orient machte.

Die Photographien von Städten zeigen ab 1875 bereits Panoramaansichten von Kairo, dem Bosporus und Istanbul.

Nach der Kolonisation der Maghrebländer Algerien, Tunesien und Marokko durch Frankreich wurde das inszenierte Orientbild auch nach Nordafrika getragen. Doch hier entstanden nicht gestellte ethnographische Bilder der unterschiedlichen Volksgruppen, die Landschaftsaufnahmen zeigen römische Aquädukte oder die riesigen Kalkablagerungen des Hammam Meskoutine mit seinen heißen Quellen, was so gar nicht an den Orient erinnert.

Nach 1900, der Tourismus und die Amateurphotographie hat bereits eingesetzt, sehen sich die Professionellen nach neuen Motiven um. Sie sehen sich nun als Künstler und schaffen ein vollends losgelöstes und imaginäres Bild vom Orient, das die Touristen während ihres kurzen Aufenthalts gar nicht zu Gesicht bekommen. Der Künstler kann zwar immer noch nicht in den Harem hineingehen, aber in den Studios entstehen nun Bilder von Akten, Odalisken vor „orientalischem“ Hintergrund mit Kamel, Wüste und Palmen, Haremsszenen, die überall entstanden sein könnten. Die Qualität der Aufnahmen wird besser, aber die Motive werden freizügig bis sexistisch, mit der Wirklichkeit im Orient haben sie nichts mehr zu tun.

Eine Ausstellung, die sich lohnt besucht zu werden. Wenn dies nicht möglich ist, zeigt der interessante Ausstellungskatalog die Aufnahmen in einer guten Zusammenstellung mit begleitendem Text, der zum Nachdenken über die Klischeevorstellungen vom Orient anregt. Ein empfehlenswertes Buch mit ergänzenden Informationen zu den Photographen.

Ausstellung in Konstanz vom 20.02. - 22.03.2015.
Danach wird sie der Kunstsammlung Jena vom 10. Dezember 2016 bis 05. März 2017 gezeigt.

BildungsTURM Konstanz
Kulturzentrum am Münster
Wessenbergstr. 43
Tel. 07531 900-907

Öffnungszeiten
Dienstag - Freitag 10 - 18 Uhr
Samstag - Sonntag 10 - 17 Uhr
Jeden Sonntag 15 Uhr Führung

10.12.2016 - 05.03.2017:
Kunstsammlung Jena
Markt 7
07743 Jena
Museen.Jena.de


Rezension: Worauf die Affen warten

Osburg Verlag
Rezension


Worauf die Affen warten    Yasmina Khadra   

Der Fall: Ein junges Mädchen, geschminkt wie für eine Hochzeit, wird brutal ermordet im Wald von Bainem in der Nähe von Algier aufgefunden. Nachdem eine Vermisstenanzeige bei der Polizei eingeht, stellt sich heraus, dass es sich bei der Toten um die Enkeltochter des Ministers Saad Hamerlaine handelt. Der betagte Minister hat keine Ahnung und sinkt schockiert auf seinen sündhaft teuren Sessel als Kommissarin Nora Bilal ihm das Bild der Leiche zeigt.
Hamerlaine glaubt Herr über Leben und Tod zu sein, dirigiert, denunziert und korrumpiert wie es ihm behagt. Er glaubt im Recht zu sein, nachdem er im Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich bei der Front de Liberation (FLN) gekämpft hat und meint dadurch berechtigt zu sein, sich zu bereichern, wie so viele seiner Kollegen derselben Generation. Er ist ein Rboba, ein „Entscheider im Schatten“, der im Hintergrund die Fäden zieht.
Ed Dayem, Chef der meinungsmachenden algerischen Tageszeitung, versuchte sich nach Spanien abzusetzen, doch von dort wird er vom allmächtigen Minister zurückbeordert. „Immer, wenn er nach Algerien zurückkommt, fühlt er sich als Mörder, der an den Schauplatz seiner Verbrechen zurückkehrt.“ Auch er hat eine gewisse Macht als Eigentümer und Chefredakteur einer Zeitung, die für sich in Anspruch nimmt Ehen, Projekte, Karrieren zu fördern oder zu zerstören. So ist es ganz natürlich, dass Hamerlaine den Chefredakteur für seine Intrigen benutzt, ganz nach dem Motto: „Wahr ist, was die Leute für wahr halten. Jede noch so heilige Wahrheit, die nicht hieb- und stichfest ist, ist bloße Behauptung, und jede Ungeheuerlichkeit, die unwiderlegbar ist, ist absolute Wahrheit“.

Nach einigem Hin- und Herr kommen die Beamten der Polizei bei ihren Ermittlungen ganz gut voran. Doch dann wird ihnen plötzlich der Fall entzogen, kurz vor der Aufklärung des Mordes. Ein Blutbad in der Villa des Ministers stellt die Beamten vor neue Schwierigkeiten und Überlegungen. So schnell gibt die Kommissarin nicht auf und den Fall nicht ab, doch da passiert ein weiterer Mord….

Autor:
Yasmina Khadra ist das Pseudonym für den früheren Offizier Mohammed Moulessehoul, der 2000 aus der algerischen Armee austritt. Er zieht nach Frankreich, wo er heute das algerische Kulturinstitut leitet. Khadra schreibt seit den 1980er Jahren und ist mit der Figur des Kommissar Llob bekannt geworden. Seine Romane erscheinen auf Deutsch. In seinem letzten Buch beschreibt er sein Leben in: Der Schreiber von Koléa.

Fazit:
Yasmina Khadra kann es besser. Das Sprachniveau seiner Protagonisten ist sehr gewöhnlich. Die Abrechnung mit der korrupten „Regierungsmaschinerie“ von heute steht klar im Vordergrund, der Kriminalfall wird zur Nebensache. Nachdem alle Verdächtigen ausgeschaltet wurden, blieb nur noch der „kleine“ Inspektor übrig, um den Fall zu lösen. Ein Kriminalroman für echte Yasmina Khadra-Fans.


Der Autor besucht Deutschland im April und ist zu Gast in:

15.04.2015 Gütersloh, Buchhandlung Markus, 20 Uhr
16.04.2015 Düsseldorf, Institut Français, 19 Uhr
17.04.2015 Berlin, Kulturbrauerei, 19 Uhr


Mittwoch, 11. März 2015

Der Kampf ums Paradies

Zabern
Der Kampf ums Paradies

PAUL  M.  COBB

DER  KAMPF  UMS  PARADIES
Eine islamische Geschichte der Kreuzzüge

Die Geschichte der Kreuzzüge ist eine durch die christliche Brille bzw. Chronistik gefärbte Geschichte. Der renommierte Historiker Paul M. Cobb unternimmt in diesem Buch einen spannenden Perspektivwechsel.

Er schreibt diese Geschichte erstmals aus muslimischer Sicht und auf Basis arabischer Quellen. Dies ist nicht nur eine Geschichte von Kriegern und Königen und ihren Kämpfen im Heiligen Land. Sie erzählt auch von Grenzgängern und Wendehälsen, Botschaftern und Händlern, Gelehrten und Spionen. Aus der Perspektive mittelalterlicher Muslime zeigen sich die Kreuzzüge als höchst verzwicktes diplomatisches Schachspiel, als kommerzielle Chance und als Zusammenprall der Kulturen, der die muslimische Haltung gegenüber Europa und den Europäern bis zum Ausgang des Mittelalters und darüber hinaus prägte. (Verlagstext)

Übersetzt aus dem Englischen von Michael Sailer.

Autor:
Paul M. Cobb ist Professor für islamische Geschichte an der University of Pennsylvania. Islamische Sozial- und Kulturgeschichte des Mittelalters, islamische Literatur, die Beziehungen zwischen der islamischen Welt und dem Westen im Mittelalter sowie insbesondere die Geschichte der Kreuzzüge zählen zu seinen besonderen Forschungsinteressen.


Paul M. Cobb
Der Kampf ums Paradies
Hardcover mit Schutzumschlag
Format 15,5 x 23 cm
432 Seiten,  15 schwarz/weiß-Abbildungen und 10 Karten
1.Auflage 2015

Euro 29,95   Buch kaufen


Montag, 9. März 2015

30 Jahre Afrika

30 Jahre Afrika
Cargo Verlag

EDGAR  SOMMER


30  JAHRE  AFRIKA

Der "Grenzgänger" Edgar Sommer hat häufig auf Reisen und im Leben eigene Grenzen überschritten. Davon erzählt er in diesem Buch. Afrika ist immer ein völlig unberechenbarer Kontinent, der von ihm im wahrsten Sinne des Wortes erfahren wird. Er erzählt auch von den Projekten mit den Tuareg, über seine Begegnungen, von denen er meisterhafte Fotos machte. Ein tolles Buch über ein verwegenes Leben.


Edgar Sommer
30 Jahre Afrika
Format 21,6 x 21,4 cm
Hardcover gebunden
262 Seiten
Euro 26,80   Buch kaufen


Sonntag, 8. März 2015

Worauf die Affen warten

Worauf die Affen warten
Verlag Osburg 
Vorschau

YASMINA  KHADRA

WORAUF  DIE  AFFEN  WARTEN
Kriminalroman

Originaltitel:  Qu'attendent les singes

Der neue Khadra: schonungslos, abgründig, intelligent

Auf einer idyllischen Waldlichtung nahe Algier liegt verführerisch und auffällig geschminkt eine attraktive junge Frau. Brutal ermordet! Der kriminalistische Suchtrupp um Kommissarin Nora Bilal tappt lange im Dunkeln. Die Recherche, die in bewährter Khadra-Manier quer durch alle Schichten der algerischen Gesellschaft führt, von den Villen der Mächtigen, den Privatclubs und Edelrestaurants der Schickeria bis in die Elendsquartiere, ist reich an unerwarteten Wendungen. Bis zuletzt hält der Autor den Leser in Atem: rasante Schnitte, schnelle Szenenwechsel, pralle Schilderungen, zynische Kommentare, flotte Dialoge. Man sieht förmlich einen Film vor sich.

Zur großen Freude seiner Leser ist Khadra mit seinem neuesten Buch zu dem Genre zurückgekehrt, das ihn weltberühmt gemacht hat: dem politischen Krimi. Ein Buch von ungeheurer Spannung.
"Ihre Natur ist die Lüge, die Betrügerei ihr Prinzip, anderen zu schaden ihre Berufung. Und dieser Roman ihre Geschichte." (Yasmina Khadra über die Mächtigen Algeriens)  Verlagstext

Autor:
Yasmina Khadra ist der Künstlername des 1955 in Kenadsa (Algerien) geborenen Autors Mohammed Moulessehoul. 1964 tritt er in eine Kadettenschule ein und 1975 dem Vater zuliebe in die Militärakademie. 1992 wird er Kommandochef der Anti-Terror-Einheiten in der Provinz des Oranais. 2000 nimmt er seinen Abschied von der Armee und siedelt nach Frankreich über. Sein umfassendes schriftstellerisches Werk reicht bis in die Mitte der 80er Jahre zurück. Zuletzt erschienen auf Deutsch Die Landkarte der Finsternis und Die Schuld des Tages an die Nacht. Der Schreiber von Koléa erschien unter dem Titel L’écrivain erstmals 2001.Yasmina Khadra lebt heute in Paris, wo er seit November 2007 Direktor des algerischen Kulturzentrums ist.

Übersetzerin:
Regine Keil-Sagawe übersetzt aus dem Französischen. Sie studierte Romanistik und Germanistik in Bonn und Paris. Sie lebt als Kulturjournalistin und literarische Übersetzerin seit 1984 in Heidelberg, wo sie Impulse für den Kulturdialog mit dem Maghreb setzt.

Yasmina Khadra
Worauf die Affen warten
Hardcover mit Schutzumschlag
341 Seiten
1. Auflage 2015  
Euro 20,-   Buch kaufen 


Donnerstag, 5. März 2015

Tunesisch Häkeln


CENDRINE  ARMANI
TUNESISCHES  HÄKELN neu entdeckt

Ideen für Dekorationen und Accessoires

Lernen Sie die spezielle tunesische Häkeltechnik kennen. Sie ist alt, aber ganz und gar nicht aus der Mode gekommen. Einfache Technik, wundervolle Ergebnisse. Schals, Taschen, Hausschuhe, uvm. 

Anhand vieler Fotos und genauer Anleitungen zeigt Ihnen Cendrine Armani in ihrem neuen Werk fantasievolle Muster des Tunesischen Häkelns. Lassen Sie sich von 30 originellen Ideen für Dekorationen und modische Accessoires überraschen und lernen Sie die Vielfalt dieser traditionellen Häkeltechnik kennen. Dank ausführlicher Anleitungen und vieler Arbeitsschrittfotos lässt sich alles gut nacharbeiten.

Cendrine Armani
Tunesisches Häkeln neu entdeckt
64 Seiten, 22 x 29 cm, Hardcover
Euro 14,99  Buch kaufen